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Radiohead - 7 CD Album Box Set

Was ist in der Box?

Band Radiohead

(tsch) "It's fuckin' early in the morning." Und außerdem ist es 1994. München, alter Flughafen. "Rock In Riem" heißt die Veranstaltung, die nur einmal stattfinden sollte. Radiohead heißt die Band die eröffnet, Thom Yorke der Mann, der diese Worte sagt. "Creep" ist der bis dato einzige Hit der Band. Sie spielt ihn, eh klar. All das ist ursympathischer, solider Indierock, in dem Einzigartigkeit durchblitzt, der aber eben noch nicht alles abdeckt. Zeitsprung. 2007. Radiohead heißt die erste relevante Band, die mit "In Rainbows" eine Platte zunächst im Internet veröffentlicht. Ohne Preisvorgabe. Eine Pionierleistung, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Jetzt fasst EMI das Komplettwerk Radioheads in einer Box zusammen. Ohne "In Rainbows", eh klar.

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Natürlich mutet das zunächst wie der Versuch einer ausführlichen und genussvollen Rahmabschöpfung an. Denn eigentlich ist an der Box nichts Besonderes. Klar, die CDs kommen nicht in der schnöden Plastikhülle, sondern im Digipak, und wenn man die Verpackung ein bisschen schräg ins Licht hält, grinst einen dieses Radiohead-Lachgesicht an. Aber die Lieder, die kennt man.

Und die sind dann eben auch der Grund, sich diese Box zu kaufen. Denn sie ist so eine Art musikalische Geschichtsstunde, die den Weg einer der wohl wichtigsten zeitgenössischen Popbands überhaupt gut nachzeichnet, was vor allem klar wird, hört man sich tatsächlich alle Platten der Box am Stück an. Wo das Debüt "Pablo Honey" (1993) noch ohne große Verortung irgendwo zwischen Alternative Rock und Indiepop vor sich hin schrammelt, setzt schon der zwei Jahre später erscheinende Nachfolger "The Bends" ein paar Rahmenpunkte, die bis heute gelten. Strukturen werden zwar noch nicht auf-, aber doch angebrochen, zwischen straighte Popsongs mischen sich Stücke, die nicht mehr so einfach zu fassen sind wie die des Debüts. "OK Computer" schließlich war die Platte, die 1997 den Ausnahmezustand der Briten zementierte. Zur Popmusik gesellte sich ein Flirren und ein Rauschen, eine Ent- und eine Verfremdung, die bisher als Ausdrucksmittel eher in der Elektronik stattfand und ihren Höhepunkt im verstörend ambienten "Filter Happier" sowie dem grandiosen Comic-Videoclip zu "Paranoid Android" fand. Mit "Kid A" (2000) und "Amnesiac" (2002) folgten zwei Alben, die eine neue Periode im Werk der Briten einläuteten. Mit einer bisher nicht gekannten Konsequenz entzogen sich Radiohead hier dem Mainstream und schufen Klanglandschaften irgendwo zwischen Experiment und Ambient. "Hail To The Thief" schließlich zeigte die Band zwar nicht unbedingt erneut gewandelt - eher analoge Postrock-Strukturen trafen auf dramaturgisch klug gesetzte Refrains und lose Rock-Referenzen.

Die beigefügte Live-EP "I Might Be Wrong", das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, ist verzichtbar. Trotzdem ist die Box insgesamt ein nicht nur kommerziell klug gesetzter Abschluss der Periode, in der Radiohead Teil eines großen Ganzen waren. Den Musikmarkt im klassischen Stil streifen sie heute nur noch. Natürlich, "In Rainbows" erscheint in einigen Tagen bei XL Recordings als herkömmlicher Tonträger. Aber eben zwei Monate nach seiner Erstveröffentlichung im Internet. Dort steht ab dem 10. Januar auch ein Remixalbum zum Download bereit. Mit dabei bei der von DJ und Produzent Amplive gemixten Platte: Del Tha Funky Homosampien und A Silver Mt. Zion. Die neuen Variationen der Songs sind dabei für diejenigen umsonst, die bereits "In Rainbows" über die Bandseite bezogen, erste in den einschlägigen Blogs herumschwirrende Hörbeispiele sind durchaus beeindruckend.

Die Nachfolger sondieren indes schon das Feld. So sollen unter anderem Oasis, Nine Inch Nails und Jamiroquai mit dem Gedanken spielen, in Zukunft auf ein Label im traditionellen Sinne zu verzichten. Ärger kommt indes von unten. Die britische Pop-Prinzessin Lily Allen griff Thom Yorke & Co hart an. Ihr Vorwurf: Musik würde so entwertet, die Zukunftschancen junger Künstler katastrophal erschwert. Radiohead machten sich erwartungsgemäß nicht die Mühe einer Antwort.

Jochen Overbeck


Grenzgänger der Popmusik: Die EMI veröffentlicht eine aufwändig gestaltete Radiohead-Box.
Grenzgänger der Popmusik: Die EMI veröffentlicht eine aufwändig gestaltete Radiohead-Box. (EMI)

Jetzt gibt's alles auf einmal: Radiohead.
Jetzt gibt's alles auf einmal: Radiohead. (EMI)

Mit Radiohead führt Thom Yorke eine der wichtigsten Bands der Gegenwart in eine neue Ära.
Mit Radiohead führt Thom Yorke eine der wichtigsten Bands der Gegenwart in eine neue Ära. (EMI)

Datum: 23.12.2007

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