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Timothy Olyphant

Am Ende des Tages ...

Schauspieler Timothy Olyphant

(tsch) Dieser Mann tut nichts, er will nur spielen: Timothy Olyphant hat zwar einen lustigen Namen, doch im Dunkel des Kinosaals wird er zum kaltblütigen Auftragskiller. Für den 39-jährigen gebürtigen Hawaiianer ist das aber nichts, über das man sich Sorgen machen müsste. Schließlich rückt er als "Hitman" (Kinostart: 13.12.) auf in die vordere Riege der Hauptdarsteller Hollywoods. Drei Kinder hat Olyphant zu ernähren und kokettiert dafür gerne mit seinem Image als ewiger Bösewicht: Die höchsten Erlöse erzielte er mit Gemeinheiten. Ernst aber hat er es nie damit gemeint, wie er im Interview gesteht. Im Gegenteil: Der sorgende Familienvater ist sogar recht konservativ, was die Mediennutzung seiner Kinder angeht.

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teleschau: Die Rolle des Agenten 47 ist Ihre erste große Hauptrolle in Hollywood. Kommt sie mit fast 40 Jahren nicht ein wenig spät?

Timothy Olyphant: Ich würde sagen: Es ist nie zu spät, um etwas Erfolg zu haben, finden Sie nicht?

teleschau: Woran lag es aber bisher?

Olyphant: Ich konnte meine Rollen nie völlig eigenständig auswählen. Es lag eben nicht immer in meiner Hand. Manchmal muss man einfach zusagen, damit die Karriere weitergeht.

teleschau: Dabei sind Sie bisher auch gut ohne den ganzen Trubel ausgekommen, wie es scheint.

Olyphant: Nebenrollen haben große Vorteile, was nur selten jemand zugibt. Zunächst machen sie meistens riesigen Spaß, weil man nicht im Mittelpunkt steht und skurrilere Charaktereigenschaften haben darf. Es sind oft kompliziertere, interessantere Figuren. Außerdem ist es ein unheimlich befreiendes Gefühl, kurz bei Dreharbeiten auftauchen zu können, sein Ding zu machen und gleich wieder abzuhauen, ohne irgendeine Verantwortung übernehmen zu müssen. Diesmal war es natürlich anders: Ich stand ständig vor der Kamera und hatte eine riesige Verantwortung.

teleschau: Weil Sie die Erwartungen der Gamer im Rücken hatten? Der deutsche Regisseur Uwe Boll wurde ja bekanntlich mit seinen Videospiel-Adaptionen zum angeblich meistgehassten Mann in Hollywood. Es ist also durchaus mit Risiken verbunden, ein Computerspiel zu verfilmen.

Olyphant: Seien wir doch mal ehrlich: Jeder Film ist ein Risiko, ein großes sogar. Sieben von zehn Filmen versagen völlig. Das ist nun mal die Natur des Monsters Hollywood. Da gehört schon fast Glück dazu, eine gute Trefferquote zu haben, was den Erfolg eines Films angeht. Es gehört viel dazu, einen wirklich guten Film zu machen, und ich unterscheide da nicht zwischen einem Drama oder einer Computerspielverfilmung. Am Ende des Tages ist es immer dasselbe Prinzip: Das Publikum entscheidet.

teleschau: Sind sie eher konservativ oder liberal, wenn es um die Spielerei von Kindern am Computer geht?

Olyphant: Ich habe offiziell eine völlig gamefreie Kindheit genießen dürfen. Wenn ich denn mal heimlich spielen wollte, musste ich mich schon davonstehlen zu einem Kumpel. Aber abgesehen von anfänglicher Neugier habe ich nie wirklich etwas daran empfunden. Meine Kinder sind noch zu klein, als dass es bei uns zu Hause schon ein Problem wäre. Ich verstehe aber die Bedenken der Leute, die sich Sorgen machen um das Seelenheil der Jugendlichen, die ständig vor dem Computer sitzen. Ich bin zwar kein Experte, doch vertrete ich die Haltung: Es kann ja auch nicht viel besser sein, wenn ein Kind 24 Stunden lang den Disney-Channel schaut.

teleschau: Wieso?

Olyphant: Es geht nicht um den Inhalt, sondern die Mediennutzung an sich. Die Botschaft ist das Medium selbst. Darum sorge ich auch dafür, dass bei uns zu Hause der Fernseher die längste Zeit des Tages aus bleibt. Wir werden doch sowieso überall mit TV terrorisiert, selbst am Flughafen. Rund um den Globus flimmert CNN auf uns nieder, und niemand beschwert sich. Das ist für mich das eigentlich Beunruhigende. Medien sind allgegenwärtig, und wir nehmen es kaum noch bewusst war.

teleschau: Haben Ihre drei Kinder eigene Fernsehgeräte?

Olyphant: Nein, ein Fernseher für alle. Wobei, nein: Ich muss zugeben, dass meine Frau noch einen Mini-Fernseher bei sich in der Küche installiert hat, wo sie immer ihre Lieblingskochsendung schaut. Sie liebt es, die Rezepte gleich nachzukochen. In solchen Fällen ist Fernsehen natürlich toll: Wenn es motiviert, nicht passiv macht.

teleschau: Was würden Sie den Mitschülern Ihrer Kinder erzählen, wenn Sie vor der Schulklasse über Ihren Beruf berichten sollten?

Olyphant: Meine Lieblingsmetapher lautet: Mit meinem Job verhält es sich wie mit Sex und Pizza: Wenn es gut ist, ist es gut, und wenn es schlecht ist, dann ist es immer noch gut. Aber so etwas würde ich natürlich nie vor einer Schulklasse sagen (lacht). Im Ernst: Ich bin ein großer Befürworter der Auffassung, dass Kinder das machen sollen, was sie interessiert. Sie sollten nicht so sehr darüber nachdenken, was der Markt erfordert und wie die Berufschancen stehen. Wer seinen Job liebt, egal wie herkömmlich er sein mag, der kann unglaublichen Erfolg haben. Und sei es einfach nur, glücklich zu sein. Ich kenne einen Mann in New York, der repariert Regenschirme. Ich bezweifle stark, dass er sich gut beim Karrieretag in der Schule machen würde. Aber ich weiß, dass er sein Auskommen hat und glücklich ist mit dem, was er macht. Das ist unbezahlbar.

teleschau: Sie heirateten im Alter von 22 Jahren, lange bevor Sie in Hollywood Karriere machten. Wie lautet das Erfolgsrezept Ihrer Ehe?

Olyphant: Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass ich früh und unbeschadet von all dem Filmzirkus meine große Liebe gefunden habe. Aber eine Ehe ist ja kein Selbstläufer. Wenn man wirklich Erfolg haben will, ob beruflich oder privat, muss man hart daran arbeiten. Und wer hart arbeiten muss, kann sich glücklich schätzen, wenn es ihm auch Spaß macht. Es gibt nichts Schlimmeres, als für etwas kämpfen zu müssen, an dem man eigentlich gar keine Freude hat. Soweit es meine Ehe betrifft, kann ich Ihnen sagen: Meine Familie hat mir schon immer am meisten von allem bedeutet, und ich verhalte mich dementsprechend.

teleschau: Sie wurden in Filmen wie "The Girl Next Door" als Sexfilmproduzent und in "Stirb Langsam 4.0" als skrupelloser Cyber-Krimineller bekannt. Was macht Sie zum scheinbar perfekten Bösewicht?

Olyphant: Nett von Ihnen, dass Sie mich als perfekten Fiesling bezeichnen (lacht)! Ob ich einen bösen Jungen, einen romantischen Liebhaber oder einen lustigen Vogel spiele, ich tue eigentlich immer dasselbe: Ich versuche, alle Grautöne, die in einer Figur stecken, sichtbar zu machen. Je komplizierter eine Rolle ist, je mehr Schalen ein Charakter hat, desto attraktiver ist es für mich. Schließlich möchte ich zuallererst selbst überrascht werden, um dann auch die Zuschauer zu überraschen.

teleschau: Sie sprachen für den neuen "Star Trek"-Kinofilm vor. Sahen Sie sich eher als Dr. McCoy oder als Captain Kirk?

Olyphant: Ich bin ein riesiger Fan von JJ Abrams, der die Regie der Neuverfilmung übernommen hat. Er gehört zu den absoluten Top-Regisseuren dieser Zeit. Dass er mich überhaupt für eine Rolle in Erwägung gezogen hat, ist mir Ehre genug. Ich hätte alles gespielt, aber es ist in Ordnung, dass er sich anders entschieden hat. Wofür ich aber vorgesprochen habe, wird immer ein Geheimnis bleiben.

Leif Kramp


Timothy Olyphant rückt als "Hitman" (Kinostart: 13.12.) auf in die vordere Riege der Hauptdarsteller Hollywoods.
Timothy Olyphant rückt als "Hitman" (Kinostart: 13.12.) auf in die vordere Riege der Hauptdarsteller Hollywoods. (2007 Twentieth Century Fox)

Eigentlich ein braver Kerl: Timothy Olyphant ist glücklich verheiratet und fürsorglicher Familienvater.
Eigentlich ein braver Kerl: Timothy Olyphant ist glücklich verheiratet und fürsorglicher Familienvater. (2007 Twentieth Century Fox)

Timothy Olyphant spielt die Hauptrolle in der Computerspielverfilmung "Hitman".
Timothy Olyphant spielt die Hauptrolle in der Computerspielverfilmung "Hitman". (2007 Twentieth Century Fox)

Datum: 17.12.2007

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Artikel ID 194171

 
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