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Harry Potter und der Gefangene von Askaban|
Demnächst im Fernsehen Das Fernsehen sendet nicht nur Müll. Perlen finden sich immer wieder darunter, aber wer hat schon Zeit und Lust, sie zu suchen? Wir übernehmen das: Im Cineastentreff finden Sie täglich 2-3 Filmtipps, die es lohnen, den Fernseher einzuschalten. |
Harry Potter und der Gefangene von Askaban(tsch) Erster Weihnachtsfeiertag in Deutschland: Die Familie sitzt gemütlich zusammen beim Abendbrot, plaudert miteinander, begutachtet noch einmal die Geschenke. So ist es üblicherweise. Doch diesmal hat das ZDF etwas dagegen. Denn: Wer Kinder hat, wird sich auf einen etwas anderen Weihnachtsabend einstellen müssen. Zumindest dann, wenn sie nicht schon vorher auf DVD oder im Kino den dritten Teil der Harry-Potter-Reihe gesehen haben. "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" (2004) steht als Free-TV-Premiere auf dem Programm. Und sicher haben bei diesem Film auch die Erwachsenen ihren Spaß. Anzeige
Nach Chris Columbus, der die beiden ersten Teile sehr kindgerecht inszenierte, lag dieser Film in den Händen des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón. Eine große Umstellung, wie auch "Harry Potter" Daniel Radcliffe einräumte: "Alles, was wir über die Jahre lieben gelernt haben, alles, woran wir uns gewöhnt und was wir gelernt hatten, mussten wir nun mit einem neuen Regisseur weiterentwickeln. Das war die größte Herausforderung an sich. Was uns wirklich half, war, dass wir durch Alfonso alles noch einmal reflektieren konnten." Bei Warner Bros. indes durfte man sich auf die Schulter klopfen und zur Wahl Cuaróns gratulieren. Mit einem solch grandiosen Film konnte man nach den ersten beiden Teilen "Harry Potter und der Stein der Weisen" sowie "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" nicht unbedingt rechnen. Die Leistung von Chris Columbus ist unbestritten. Er hat das schwierige Unternehmen gewagt, die von vielen Kritikern als unverfilmbar geltenden Romane bildgewaltig in Szene zu setzen. Dennoch blieb aus künstlerischer Sicht gesehen ein schaler Nachgeschmack. Columbus gelang es allzu selten, die fantastische und facettenreiche Welt von Hogwarts zum Leben zu erwecken und den - zugegeben - enormen Erwartungen der Potter-Leser gerecht zu werden. Auf der Leinwand verkam der magische Kosmos, den Joanne K. Rowling durch die Kraft ihrer Imagination geschaffen hatte, zu einem blutleeren High-Tech-Spektakel voller erzählerischer Defizite. "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" ist sicherlich das komplexeste und anspruchsvollste Buch der Reihe. Zudem beschreibt es einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung Harrys (Daniel Radcliffe), Hermines (Emma Watson) und Rons (Rupert Grint). Alfonso Cuarón übernahm somit ein Projekt, bei dem er von Anfang an unter enormen Zugzwang stand. Als Novize im Potter-Kosmos und als jemand, der zuvor keinen einzigen der Romane gelesen hatte, konnte Cuarón völlig unbefangen an den Stoff herangehen. "Der Gefangene von Askaban" zeigt eine Übergangsphase in der Entwicklung Harrys und seiner beiden Freunde in Hogwarts. Aus Kindern werden langsam rebellische Teenager. Die Zeiten, in denen Harry bei seinen Verwandten, den unseligen Dursleys, pflichtschuldig die Rolle des Opferlamms annahm und sich alles bieten ließ, sind vorbei. Als dem Zauberschüler die Sticheleien seiner Tante Magda (Pam Ferris) zu viel werden, bläst er sie zu einem gigantischen Ballon auf, bis sie über den Dächern von Surrey entschwebt. Cuarón hat intensiv mit seinen jungen Hauptdarstellern gearbeitet - und auch das macht sich im Film bemerkbar. Mit dem Mexikaner wurde ein Regisseur verpflichtet, der ein Ohr für Zwischentöne und feine Abstufungen hat. In seinem dritten Studienjahr an der Zauberer-Schmiede Hogwarts erfährt Harry mehr über seine Vergangenheit und seine Eltern. Eine entscheidende Rolle dabei spielt der rätselhafte Zauberer und Mörder Sirius Black (dämonisch und vielschichtig: Gary Oldman), der aus dem berüchtigten Gefängnis von Askaban ausgebrochen ist und Harry angeblich nach dem Leben trachtet. Zu seinem Schutz werden die sogenannten Dementoren abgestellt. Die gefährlich aussehenden Gefängniswärter von Asbakan wurden von den Produktionsdesignern augenscheinlich nach dem Vorbild der Ringgeister in der "Herr der Ringe"-Trilogie gestaltet. Ein weiterer entscheidender Part bei der Aufdeckung von Harrys Vergangenheit kommt einem anderen Neuling zu: Professor Lupin (David Thewlis) verbirgt allerdings ein schreckliches Geheimnis, das erst im furiosen Finale ans Licht kommt. Furios und temporeich ist allerdings fast alles in diesem Film. Alfonso Cuarón gelingt es, seine Zuschauer von der ersten Minute an zu packen und mitten in die Handlung zu ziehen. Mit welch außerordentlich feinem Gespür für Timing und Rhythmus er dies tut, nötigt dem Betrachter höchsten Respekt ab. Cuarón und Drehbuchautor Steve Kloves haben das komplexe Handlungsgerüst gestrafft und dabei das Kunststück vollbracht, trotz dieser Reduktion alle wichtigen Nebenstränge zu berücksichtigen und in den Film mit einzubauen. Herausgekommen ist ein atemberaubender Ritt, bei dem die Effekte endlich und zum ersten Mal bei "Harry Potter" ganz im Dienst des Films stehen - eines Films, der zwischen Dramatik und humoristischen Einlagen derart geschickt abwechselt, wie man es im Kino nur selten erlebt. Zwei weitere Filme gab es bisher. Der nächste, "Harry Potter und der Halbblutprinz", kommt im November 2008 in die Kinos. Inzwischen ist das siebte und letzte Buch erschienen. Vermutlich liegt auch das bei nicht wenigen Familien in diesem Jahr unter dem Weihnachtsbaum. Kai-Oliver Derks |
"Harry Potter und der Gefangene von Askaban" - ZDF Sendetermin: |
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