Die Liebenden des Polarkreises
(tsch) Zufall oder Schicksal? Diese Frage erübrigt sich, wenn das Leben keinen Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit findet. Der spanische Kinopoet Julio Médem erzählt in "Die Liebenden des Polarkreises" (1998) die Geschichte einer ewigen Liebe, die sich immer den Umständen unterordnen musste. Die nächtliche ARD-Ausstrahlung zeigt, warum sie erst in den schneebedeckten Weiten Lapplands die Chance auf Erfüllung hat.
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Oto (Fele Martínez) und Ana (Najwa Nimri) kennen sich, seitdem sie acht Jahre alt sind. Ein Zufall führt sie nach der Schule zusammen. Er verliebt sich sofort in das Mädchen. Sie hält sich mit ihren Emotionen noch zurück. Ein Zufall führt ein paar Jahre später Otos Vater und Anas Mutter zusammen. Aus den Kindern werden Teenager, Stiefgeschwister und heimlich Liebende, die lustvoll ihre Sexualität entdecken. Ihre Liebe ist echt und absolut - ein Gegenentwurf zu den zerrütteten Beziehungen ihrer Eltern.Die Konstellation ist zerbrechlich - und sie eskaliert nach kurzer Zeit, als Otos Mutter plötzlich stirbt. Oto will sich umbringen, aber da sein Selbstmordversuch scheitert, flieht er aus der zertrümmerten Idylle und lässt sich zum Piloten ausbilden. Mit seiner Mutter ist auch sein Traum von der wahren Liebe gestorben. Die Flucht führt ihn nach Lappland, wo sich eines Tages auch Ana wiederfindet. Wieder so ein Zufall, der den beiden diesmal genügend Raum lässt, sich endgültig zu begegnen. Die Filme Julio Médems sind Philosophien, die sich losgelöst von Raum und Zeit bewegen, dabei aber geerdet bleiben. Es sind Geschichten aus dem Leben - zugespitzte, dramatisierte Episoden aus dem Irrgarten der Existenz. Vor allem mit "Die Liebenden des Polarkreises" und "Lucía und der Sex" (2001, mit Paz Vega) hat er seiner lyrischen Bildsprache die nötige inhaltliche Tiefe hinzugefügt. Seine Handlungen sind zwar immer noch verschachtelt, und die Figuren bewegen sich durch Plot-Labyrinthe, aber Médem hat sich vom Pathos und WG-Küchentisch-Plattitüden entfernt, die seine existenziellen Betrachtungen "Das rote Eichhörnchen" (1993) und "Tierra" (1995) schwer zugänglich machten.
Andreas Fischer
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Als Teenager entdecken Ana (Kristel Diaz) und Oto (Victor Hugo Oliviera) ihre Liebe zueinander. (ARD Degeto)
Ana (Najwa Nimri) wartet am Polarkreis auf ihre große Liebe Oto. (ARD Degeto)
Das Leben ist von Zufällen gesteuert: Oto (Fele Martinez) weiß nicht, wohin ihn seine Suche nach der verlorenen Liebe führt. (ARD Degeto) |
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