Kristanna Loken
"Am Ende komme ich oben raus, nicht unten"Schauspielerin Kristanna Loken (tsch) Eine weibliche Kampfmaschine hat es nicht leicht, auch wenn sie sich noch so adrett zu schminken weiß. Ihre Auftritte in der Öffentlichkeit absolviert Kristanna Loken stets anmutig, ihr Auftreten ist dagegen eher aufreizend. Das Dekolleté tief, die Haare blond und die Beine lax auf dem Sofa drapiert, spricht sie über Pflicht und Lust bei der alltäglichen Schauspielerei. Nach ihrem internationalen Durchbruch als scheinbar unkaputtbarer Killerroboter in "Terminator 3" ging es zwar nicht schnell bergauf, aber zumindest nicht bergab. Die 28-Jährige ist abseits des Mainstreams gut im Geschäft und macht jetzt auch Fernsehen, für sie der lukrative Markt der Zukunft. Doch zunächst ist sie als gelenkige Baumbewohnerin im Fantasyfilm "Schwerter des Königs" zu sehen. Im Interview spricht sie über die Arbeit mit dem umstrittenen Regisseur Uwe Boll, den Anspruch des scheinbar Anspruchslosen und wie schwierig es manchmal sein kann, von Kolleginnen akzeptiert zu werden. teleschau: "Schwerter des Königs" ist eine Computerspieleverfilmung - bislang fast immer ein Indiz für wenig anspruchsvolle Unterhaltung. Wieso haben Sie sich trotzdem dafür entschieden? Kristanna Loken: Es gibt immer die unterschiedlichsten Faktoren, die beeinflussen, ob ich eine Rolle annehme oder nicht. In diesem Fall war es schlicht der spaßige Charakter, den ich angeboten bekam. Ganz ehrlich: Sich durch die Bäume schwingen, möchte doch jeder mal ausprobieren! Darüber hinaus konnte ich mit Tony Ching zusammenarbeiten, der schon bei "Hero" und "House of the Flying Daggers" für seine luftigen Seilchoreografien viel Aufmerksamkeit erhielt. Ich musste ganz schön lange trainieren, um das auch nur annähernd hinzubekommen. Zum Glück bekam ich von der Cirque-du-Soleil-Gruppe hilfreiche Tipps. teleschau: Also wird man Sie demnächst im Zirkus sehen können? Kristanna Loken: Weiß Gott nicht! Ich habe eine ihrer Shows in Los Angeles gesehen und muss sagen, dass ich trotz meiner Trainingserfolge und meiner Fitness sicherlich noch lange brauchen würde, um da mitmachen zu können. teleschau: "Schwerter des Königs", "Bloodrayne", "Die Nibelungen" - Schauen Sie sich solche Fantasy-Filme auch privat gerne an? Kristanna Loken: Unbedingt. Das ganze Genre mag ich schon seit Langem. Erst kürzlich habe ich den wundervollen Film "Stardust" gesehen. Solche Geschichten wecken in mir das kleine Kind, das sich danach sehnt, in andere Welten entfliehen zu können. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich nie dahintergekommen bin, was es sich mit dem Hype um "Herrn der Ringe" auf sich hat. Ich habe als Kind zwar versucht, die Bücher zu lesen, habe es dann aber relativ schnell wieder gelassen. Auch die Filme habe ich bis heute nicht gesehen. Dafür war ich mehr an der Nibelungen-Sage fasziniert und spielte ja später selbst die Brunhild. teleschau: Bei "Schwerter des Königs" befinden Sie sich mit Ray Liotta, Claire Forlani, Jason Statham und Ron Perlman in prominenter Gesellschaft. Haben Sie neue Kontakte knüpfen können? Kristanna Loken: Ich war zwar nicht die gesamte Dauer der Dreharbeiten vor Ort, habe aber regelmäßig vorbeigeschaut und bin mit dem ein oder anderen Kollegen ins Gespräch gekommen. Doch um ehrlich zu sein: Am Ende des Tages ist es bloß ein weiterer Job, und wir gingen getrennte Wege. teleschau: Mit dem Regisseur Uwe Boll dagegen verbindet Sie mehr, obwohl er als streitbarer Filmemacher gilt und beim Publikum nicht den besten Ruf hat. Kristanna Loken: Jeder, der Uwe schon einmal getroffen hat, wird mich verstehen, wenn ich behaupte, dass es ein einmaliges Erlebnis ist. Kein Wunder also, dass ich nach "Bloodrayne" unbedingt ein zweites Mal mit ihm zusammenarbeiten wollte. Er ist der umgänglichste, sympathischste Mann, den ich mir vorstellen kann. Außerdem ist er loyal zu seinen Schauspielern und schmeißt ein Projekt nicht gleich hin, wenn etwas nicht gelingt. Er verströmt eine angenehme Ruhe am Set und sorgt für Zusammenhalt unter den Beteiligten. teleschau: Trennen Sie bei Ihrer Filmwahl nach geschäftlichen Gesichtspunkten und persönlichen Interessen? Kristanna Loken: Das kann ich unterstreichen: Manche Filme sind bloß Jobs, um Geld zu verdienen und um andere Herzensprojekte realisieren zu können. Aber ich muss sagen, dass ich immer voll dabei bin, wenn ich eine Rolle übernehme. Nach "Terminator 3" hatte ich keine Ahnung, wo mich die Reise hinführt. Jetzt kann ich sagen, dass es nicht falsch war, meinem Herz zu folgen. teleschau: Apropos: Wie viele Leute haben Sie nach Ihrem Erfolg mit "Terminator 3" getroffen, die Ihnen hochtrabende Versprechungen machten? Kristanna Loken: Viel zu viele. Jeder zaubert plötzlich ein Drehbuch aus der Tasche und wird zum Produzent, Autor oder Regisseur, der die ganz gewiss die nächste große Nummer wird. Doch nur ein verschwindend geringer Anteil von diesen Leuten erfüllt überhaupt die Voraussetzungen, das zu leisten, was sie versprechen. teleschau: Stattdessen mischen Sie nun selbst im Fernsehbereich kräftig mit ... Kristanna Loken: In der vierten und einem Teil der fünften Staffel der Serie "The L-Word" werde ich dabei sein. Darüber hinaus habe ich mein eigenes unabhängiges Filmprojekt als Produzentin verwirklichen können: Es heißt "Lime Salted Love" und ist eine sehr ans Herz gehende emotionale Geschichte, irgendwo zwischen "21 Gramm", "Mulholland Drive" und "Memento" angesiedelt. Und letztlich koproduziere ich die Serie "Painkiller Jane" (derzeit bei Premiere zu sehen, Anm. d. Red.), in der ich auch die Hauptrolle spiele. teleschau: "The L-Word" ist bekannt für schlüpfrige Themen gleichgeschlechtlicher Sexualität. Wie schwer war es für Sie, relativ spät zu der eingespielten Serien-Mannschaft dazuzustoßen? Kristanna Loken: Das Thema bewegt mich sehr. Es ist die einzige Serie dieser Art in den USA. Umso wichtiger, bei den Pionieren mit dabei zu sein, um ein Stück des modernen Lebens zu zeigen. So liberal sich Amerika gerne gibt, so konservativ und intolerant ist die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht in Wirklichkeit. Ich spiele darin eine bisexuelle Mutter, die einen zehnjährigen Sohn hat. Doch so sehr ich mich mit der Serienchefin, Eileen Chaiken, verstehe: Anfangs hatte ich ein paar Probleme mit den anderen Darstellerinnen. teleschau: Inwiefern? Kristanna Loken: Es ist immer schwierig, wenn Frauen unter sich sind. Frauen können ganz schön boshaft und unsicher sein, was zur Folge hat, dass sie sich zu Cliquen zusammenrotten und niemand von außen hineinlassen. Das musste ich erst einmal überwinden. Kurzum: Ich wurde schon mal warmherziger empfangen. teleschau: Haben Sie Ihre Entscheidung bereut? Kristanna Loken: Nein. "The L-Word" ist und bleibt ein echtes Novum im amerikanischen Fernsehen. Leider ist es undenkbar, sie im öffentlichen Fernsehen zu zeigen. Wir leiden unter einer relativ harschen Zensur, was Themen wie gleichgeschlechtliche Liebe im frei empfangbaren Fernsehen angeht. Deswegen wenden sich auch immer mehr Zuschauer den Bezahlsendern zu, weil dort die wahren Innovationen stattfinden. Die US-Fernsehindustrie ist nur deswegen so riesig geworden, weil es Serien wie "Sopranos" gibt, die zeigen, dass man auch im Fernsehen mit großem Aufwand Großes leisten kann. Für uns Schauspieler macht es mittlerweile keinen Unterschied mehr, ob wir fürs TV oder Kino arbeiten. teleschau: Weil Sie im Fernsehen mittlerweile genauso viel verdienen? Kristanna Loken: Vor allem wegen der Stoffe. HBO und Showtime haben Produktionen im Programm, die auf dem Niveau von Kinofilmen gedreht werden und nicht darauf achten müssen, welche Art von Sprachslang oder wie viel Nackheit gezeigt werden kann. Das war vor wenigen Jahren noch schier undenkbar. Früher musste man dafür noch extra ins Kino fahren, heute kommt's direkt ins Wohnzimmer. Klar, dass die Leute darauf gewartet haben, unzensiert Geschichten authentischer erzählt zu bekommen. Kristanna Loken: Klingt fast so, als ob Sie sich vom Filmgeschäft abwenden würden ... Loken: Das nicht, aber ich merkte, wie es bei mir Klick gemacht hat zugunsten des Fernsehens. Tatsächlich ist es mir sehr viel lieber, acht Monate am Stück mit einem Projekt beschäftigt zu sein - bei "Painkiller Jane" drehten wir 22 Episoden in dieser Zeit - als nur drei Monate mit einem Film, um mich dann wieder nach etwas Neuem umzuschauen. Ich kann mich viel genauer mit meiner Rolle beschäftigen und einfach kreativer sein. Ein Film ist nach zwei Stunden vorüber, eine Serie hat potenziell kein Ende und kann immer weitererzählt werden. teleschau: War es schwer, sich als Produzentin Respekt zu verdienen? Kristanna Loken: Ich wurde oftmals überhaupt nicht ernst genommen. Das Business kann ganz schön hart sein. Aber ich lande immer auf den Füßen und werde am Ende oben herauskommen, nicht unten. Leif Kramp |
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