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Katrin Bauerfeind

"Ich bin Katrin"

Moderatorin Katrin Bauerfeind

(tsch) "Die Leute haben Schwierigkeiten damit, mich zu siezen - warum auch immer", lacht Katrin Bauerfeind. "Selbst mein Professor an der FH sagte irgendwann zu mir: 'Sie sind einfach die Katrin - ich kann Sie nicht mehr Frau Bauerfeind nennen." Vielleicht liegt das auch daran, dass "die Katrin" als Gesicht des Internetfernsehen "Ehrensenf" bekannt wurde, dem sie selbst eine erstaunliche Nähe zum Zuschauer zuschreibt. "Das Publikum mit einbeziehen zu können, empfand ich als großen Vorteil." Trotzdem geht sie auf Distanz: Ende Juni blendete sich die erst 25-Jährige aus dem Web aus und taucht nun auf hohem Niveau im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wieder auf: als Schwangerschaftsvertretung der coolen bis kühlen Tita von Hardenberg bei "Polylux" (ab Donnerstag, 13.09., 23.30 Uhr, ARD).

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Im Nachhinein erscheint es logisch, dass Katrin Bauerfeind, die souveräne Schöne mit dem trockenen Humor, nun mit dem RBB-Satiremagazin eines der frechsten und besten Formate der Öffentlich-Rechtlichen vorübergehend übernimmt. "Erstaunlicherweise sagen auch alle meine Freunde: Es passt wie die Faust aufs Auge." Vier Monate lang wird sie voraussichtlich das Kultformat moderieren. "Was lange währt, wird endlich gut. Man muss nur warten können", gibt sie zu. Sie hätte schon früher zugreifen können - Angebote, ins TV zu wechseln, gab es genug. "Ich wette, dass Sie innerhalb von einem Jahr steil nach oben gehen", prophezeite Harald Schmidt, als Katrin Bauerfeind im März bei ihm zu Gast war. Schmidt sagte "Sie". Das telegene Talent hat auch den Respekt des Meisters.

Bis zur ersten Sendung legt sich die Wahl-Rheinländerin auch nicht auf die faule Haut, sondern präsentiert zum Beispiel bei 3sat den Thementag "Televisionen in Schwarz-Weiß" (Samstag, 25.08., ab 07.15 Uhr). Für den Sender moderierte sie bereits das "Berlinale-Journal" im Februar. Damit machte die mittlerweile diplomierte Technikjournalistin, die in Bonn studierte und ihre Abschlussarbeit zum respektablen Thema IPTV ("Übertragung von Fernsehen über das Internet-Protokoll auf das Endgerät Fernseher") schrieb, einen ihrer ersten großen Schritte ins Öffentlich-Rechtliche.

Alles begann bekanntermaßen in einer Kölner Teeküche, wo noch immer werktäglich das Internetfernsehen "Ehrensenf" produziert wird, mittlerweile moderiert von Christine Henning und Mark Freuer. Katrin gab dem Format einst das Gesicht, mit dem es berühmt und mehrfach ausgezeichnet wurde. Wickert-gleich kultivierte sie die Abschiedsfloskel: "Das war Ehrensenf. Ich bin Katrin. Tschüß." Eigentlich hatte sie im Herbst 2005 im Internet nach einem Praktikum in Argentinien gestöbert - landete dann aber beim Casting. "Als das geklappt hatte, dachte ich: Super! Ich kann jeden Abend vor der Kamera sitzen und herausfinden, ob mir das gefällt und ob das bei den Leuten ankommt." Letzteres merkte sie bei dieser Art Medium schnell - die Kommentare kamen prompt. "Im Internet besteht viel mehr Nähe zwischen Moderator und Zuschauer als beim Fernsehen. Das ist schon krass, was sich da für eine Beziehung aufbaut, obwohl man sich eigentlich gar nicht kennt."

Es dauerte nicht lange, bis Katrin ihr Publikum zu nehmen verstand: "Irgendwann kannte ich die Kommentatoren und wusste genau, was bestimmte Leute am nächsten Tag schreiben würden." Damit spielte sie dann. "Die Kommentatoren fragten auch immer, wer mich mit Klamotten ausstattet: Ich war es meist selbst." Mit Ausnahmen: "Es gab da einen Pulli mit pinkfarbenen Streifen. Den hatte ich nicht selbst ausgesucht, und der kam gar nicht gut an. Ich trug ihn extra dreimal!" Wieder lacht Katrin Bauerfeind los mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme. "Im Prinzip weiß ich auch, was die 'Ehrensenf'-Zuschauer erwarten, wenn sie mich anderswo sehen. Sie mögen schon sehr dieses Bissige, Doppelbödige und den eher feinen Witz, der trocken rüberkommt."

Was Katrin durch "Ehrensenf" für sich selbst herausfand, war: "Dass es Spaß macht. Das war das Wichtigste und ist auch heute noch ein Maßstab für alles, was ich tue." Einen gewissen Ehrgeiz wird man ihr nicht absprechen können, dennoch versichert sie glaubhaft, dass sie nichts davon hält, ein Leben für den Lebenslauf zu leben: "Die Freiheit sollte man sich schon nehmen, Dinge zu tun, die Freude bereiten. Man sollte sich nicht verbiegen." Sie selbst ist wohl auch einfach eine geborene Entertainerin. "Ich glaube schon, dass ich ein Kind mit großer Klappe war - eines, das bei Geburtstagen vor der ganzen Verwandtschaft Sketche aufführt. Aber ich machte mir nie bewusst Gedanken darüber, ob ich ein besonderes Talent habe. Die anderen lachten, und das fand ich toll!" Ein klein bisschen bricht sich dann und wann noch der schwäbische Akzent von Katrin Bauerfeind Bahn, die aus Aalen stammt.

Ihre Popularität außerhalb des Computers scheint sich - noch! - in Grenzen zu halten. Angesprochen wird sie im Alltag nur sehr selten. Das findet sie nicht seltsam, sondern gut. Allerdings: "Ich wohne jetzt so dermaßen auf dem Land. Ich bin nicht sicher, ob hier jeder einen Internetanschluss hat." Die Sehnsucht "nach ein bisschen Wald- und Wiesenatmosphäre" trieb sie aus der Stadt. Auch wenn sie nun nicht mehr im Bonner Münster entspannen kann: "In Kirchen kann ich gut zur Ruhe kommen. Aber das ist nichts, was ich einmal in der Woche so therapiemäßig mache ..." Aufs Land flüchtete sie nicht alleine - "Aber ich sage auch nicht, mit wem!"

Also Themenwechsel. Wie will sich Katrin, die ebenso gerne "Stromberg" wie "Frontal 21" sieht, nun vorbereiten auf ihre nächste große Aufgabe als Stellvertreterin der Tita von Hardenberg? "Ich glaub', ich geh' in Urlaub." Katrin Bauerfeind gibt sich souverän: "Ich habe keinen übertriebenen Respekt. Ich fühle mich geehrt, aber es ist nicht so, dass ich davor nun Angst hätte." Sie hat auch keine Lust, sich jetzt bereits das Hirn über einen möglichen Plan B zu zermartern. "Wenn das alles nicht klappen sollte, werde ich mir überlegen, ob ich überhaupt etwas mit Medien machen will. Ansonsten besteht wohl kein Grund zur Beunruhigung."

Sie sieht auch keine Vorbilder im deutschen Fernsehen - höchstens Menschen, "von denen ich neidlos sagen kann: Die sind richtig gut. Dazu gehören Harald Schmidt, Günther Jauch, Sandra Maischberger oder Anne Will. Aber immer unter dem Vorbehalt, dass es nicht mein Ziel ist, dieselbe Karriere hinzulegen." Die Aufsteigerin legt Wert drauf, ihr eigenes Ding zu machen. Sie ist eben die Katrin.

Petra Fürst


Polysenf: Ab Mitte September gibt's "Polylux" mit Katrin Bauerfeind.
Polysenf: Ab Mitte September gibt's "Polylux" mit Katrin Bauerfeind. (RBB / Jenny Sieboldt)

Wird sie am Ende sagen: "Das war 'Polylux'. Ich bin Katrin. Tschüß"?
Wird sie am Ende sagen: "Das war 'Polylux'. Ich bin Katrin. Tschüß"? (RBB / Jenny Sieboldt)

"Die kommende Frau im deutschen Fernsehen", das sagt Harald Schmidt über Katrin Bauerfeind.
"Die kommende Frau im deutschen Fernsehen", das sagt Harald Schmidt über Katrin Bauerfeind. (RBB / Jenny Sieboldt)

Datum: 25.08.2007

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