Irgendwie bemerkte das niemand so richtig, aber "Deep Blue Happy" war eine der besten Platten des vergangenen Jahres. Die getragene, gedehnte Melancholie, die Ray da zelebrierten, diese Schwere, diese Traurigkeit, das war schon unglaublich schön. Auch 2006 verschönern die Londoner den Herbst. "Daylight In The Darkroom" ist ein Album, das nicht so optimistisch klingt, wie sein Titel. Nach wie vor veröffentlichen Ray auf ihrem eigenen Label Pito Records, nach wie vor lotet die Truppe um die Brüder Nev und Mark Bradford eher Befindlichkeiten und die Weite des Raums aus.
Bedeutet: Ray positionieren sich ziemlich genau zwischen Wüste und Sumpf, zwischen einem flimmrigen Chris Isaak und der Melancholie von Pop-Bands wie Cousteau oder den Tindersticks. Marks Gitarre schwebt mit wenigen Tönen, aber viel Echo durch die Lieder, die Nevs warme, eleganten Stimme trägt. Groß variert wird das im Verlauf der zehn Songs nicht - trotzdem entstehen durch das fantasievolle Gitarrenspiel nicht zu unterschätzende Laut- / Leise-Kontraste, die der Platte viel Energie, viel Dynamik geben, nachzuhören etwa im sich über sechs Minuten hinschleppenden "Dead Eyed Angels" oder in "Highlight", wo die Gitarre sozusagen die Melodie herbeirutscht.
Im abschließenden "Silence Returns" singen Ray über den "sound of a busy place". Und tatsächlich, da kann man "Daylight In The Darkroom" schon als Gegenentwurf sehen. Ray haben ihre Variante der Popmusik noch einmal perfektioniert - wäre nett, das bald wieder einmal live zu sehen.
Jochen Overbeck
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