Wenn Bands versprechen, ihren Sound komplett rundzuerneuern, ist das rein künstlerisch betrachtet sicherlich lobenswert. Bei Groove Armada, die sich mit "Black Light" auf neues Terrain begeben, darf man gespannt sein, wie sich der geneigte Hörer reagieren wird. Die Tendenz dürfte hier aber Richtung "Dancefloor-Schuster bleib bei deinen Leisten" gehen.
Nachdem sich Groove Armada, alias Andy Cato und Tom Findlay, mehrmals selbst neu erfunden haben, vornehmlich aber als Spezialisten in den Mixgenres zwischen Funk, Jazz, Disco und House tätig waren, orientiert sich das britische Duo nun Richtung 80er-Jahre-Wavepop. Und gehen damit gründlich baden.
Denn wer sich an ihren Hits wie der Trance-Bombe "Easy", an "I See You Baby" aus einer Autowerbung, am "Sex and The City Theme" orientiert, wird diesmal schwer enttäuscht sein. Die clashigen Elektro-Disco-Knaller, humorvollen Jazz-Reminiszenzen oder Tanzbodenfüller sind so ganz anders als das, was man auf "Black Light" so hört.
Angeblich orientierte sich das Duo an jungen Dance-Bands: "Friendly Fires, Klaxons, Passion Pit und MGMT sind, was Dance anbelangt, zurzeit ganz weit vorne", lassen Groove Armada wissen. Das Problem dabei: Diese Bands und nun auch Groove Armada klingen wie ihre Vorbilder: Bowie, Fleetwood Mac, Roxy Music und Wave schlechthin. Konsequenterweise wurde dann auch Bryan Ferry zu einem Gastgesang - nur echt mit typischem Vibrato-Schmelz - geladen: "Shameless", das die Zeit flugs um 25 Jahre zurückdreht. "Warsaw" rockt ein bisschen heftiger im 80er-Stil, aber auch hier machen sich die alten Sequencer mit ihren Glitzerkugel-Sounds und schlechtem Hallgerät breit. Die schlechte Seiten des Popjahrzehnts, so weit das verschreckt zurückzuckende Ohr reicht: doofe Sounds, Schulterpolster-Erinnerungen, Haargel-Brett-harte Gefühllosigkeit.
So klingt das Album dünn und flach, und alles, was man so hört, war 1983 bis 1989 schon mal da, hieß Bronsky Beat, Erasure, A-ha, Depeche Mode, Culture Club, Kajagoogoo, OMD, The Buggles, New Order, Eurythmics, Soft Cell, Ultravox, Visage ... und war besser.
Nini Michel
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