Immens beruhigend, dass es immer noch Bands gibt, die sich etwas überlegen: Die Shout Out Louds aus Stockholm haben bisher tatsächlich jedem ihrer Alben eine Art eigenen Grundton verpasst: Das Debüt "Howl Howl Gaff Gaff", das 2005 erschien, aber bereits Anfang des Jahrtausends aufgenommen wurde, setzte auf jugendlich-eklektische Tanzbodenhits, der Nachfolger "Our Ill Wills" war eine groß inszenierte Ode an die Verzweiflung. "Work", die dritte Platte der Band, entstand gemeinsam mit Phil Ek in dessen Studio im amerikanischen Seattle. Die Idee dahinter war tatsächlich so etwas wie ein amerikanischeres und damit internationaleres Klangbild.
Hört man etwa die Gitarre in "Throwing Stones", könnte man sagen: Diesen Anspruch haben die Shout Out Louds durchaus erfüllt. Die Schweden haben die Klassiker des amerikanischen Rock-Songbooks gelernt, haben ihren Springsteen und ihre Buffalo Springfield gehört. Mehr fällt aber der Einfluss derer auf, die Ek in der Vergangenheit produzierte: Der immer etwas vorsichtige Sound der Indie-Heroen Built To Spill findet sich auf "Work" ebenso wieder wie die ausgefuchsten Harmonien der Shins. Dass die Bassläufe oft genug eher an Joy Division und Artverwandtes passen, gibt dem Ganzen eine interessante Note. Was weggenommen wurde, ist die Percussion, die auf "Our Ill Wills" eine so wichtige Rolle spielte.
Dominante bleibt indes die gleiche Art von Rastlosigkeit, die die Musik der Shout Out Louds schon immer ausmachte. Es mag an Adam Olenius' immer etwas verzweifelt klingender Stimme wirken, dass Stücke wie "Walls", "1999" oder "Fall Hard" trotz eines etwas optimistischeren Grundtenors immer noch die emotionale Sprengkraft besitzen, die "Impossible" und "Tonight I Have To Leave It", die Hits des letzten Albums, so schön machten. An anderer Stelle - etwa in "Paper Moon" klingen die Shout Out Louds eher spröde. Dass Kollegen das Album eher verhalten aufnehmen, versteht man da, auch wenn die Kombination aus einem stoischen, weit im Raum stehenden Drumbeat und einer einsamen Geige durchaus reizvoll wirkt.
Shout Out Louds auf Deutschland-Tournee
23.03., Rostock, Mau
24.03., Hamburg, Uebel & Gefährlich
25.03., Berlin, Astra
26.03., Dresden, Reithalle
27.03., München, Backstage Werk
29.03., Frankfurt, Mousonturm
30.03., Köln, Live Music Hall
31.03., Stuttgart, Wagenhallen
Jochen Overbeck
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