Timid Tiger waren schon mal da. Das ist gute fünf Jahre her und war eigentlich ganz lustig: Ein paar Kölner, ein vom Musiker und Comiczeichner Klaus Cornfield wirklich toll gestaltetes Artwork, dazu Songs, die geschickt Trash-Disco mit überschäumend optimistischem Powerpop verbanden. Dass ihr "Miss Murray" nicht zu einem Riesenhit wurde, ist auch heute noch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Und dass danach so gar nichts mehr passierte, ist nicht der Band vorzuwerfen. Ihr Label, die traditionsreiche Hamburger Indie-Schmiede L'Age d'Or (Tocotronic, Die Sterne) schloss mehr oder weniger geordnet seine Pforten, der Tiger stand plötzlich ohne Vertrag auf der Straße. Fünf Jahre später hat sich die Band teilweise neu besetzt und neu aufgestellt. "Timid Tiger And The Electric Island" ist der Versuch, die Kernkompetenzen des Debüts in die Jetztzeit herüberzuretten.
In Sachen Produktion klappt das gut. Timid Tiger haben die Lofi-Wurzeln nicht ganz verloren, immer noch klingen einige der Keyboards ausgesprochen preisgünstig. Insgesamt besitzen die Arrangement der Stücke aber ein nicht unbedingt erwachseneres, aber zeitgemäßeres Klangbild. Die Songs verlieren leider manchmal den Anschluss.
So charmant "House Of Love" mit seinen paar Sprechgesangs-Zeilen und seiner B-52-Schlagseite auch sein mag: Es erinnert leider eine Spur zu sehr an oben erwähntes "Miss Murray". An anderer Stelle klappt das mit der Originalität besser: So ist "Palm Beach Bar" ein ausgesprochen fescher Mix aus karibischem Laissez-Faire-Feeling, Black-Eyed-Peas-Sexyness und Elektropop, während das folgende "The Gardener" irgendwo zwischen AOR-Rock und Oasis-Ballade liegt und "Ina Meena Dika (It's Happening Now)" mehr so Big Beat der Mittneunziger-Schule, gekreuzt mit kontemporärem Afrobeat ist. Da so etwas wie Stringenz zu finden, ist natürlich schwierig, als roter Faden dient höchstens die Stimme von Frontmann Keshav Purushotham, der einem manchmal ein bisschen leid tut, weil er gegen all diese Rhythmuswechsel ansingen muss.
Timid Tiger auf Deutschland-Tournee
16.04., Krefeld, Kulturfabrik
17.04., Osnabrück, Glanz und Gloria
18.04., Hamburg, Beatlemania
19.04., Berlin, Magnet
20.04., Leipzig, Conne Island
22.04., Köln, Luxor
23.04., Bremen, Lagerhaus
24.04., Wiesbaden, Schlachthof
28.04., München, 59:1
29.04., Stuttgart, Universum
Jochen Overbeck
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