Erst einmal: So neu ist das, was die Sterne da machen, für sie nicht. Schon auf ihren ersten, Anfang der 90er-Jahre erschienenen Alben "Wichtig" und "In Echt" war ihre Musik weniger Pop als ein den Groove als gleichberechtigtes Gestaltungsmittel akzeptierender Hybrid aus Funk und HipHop. Und jener war gar nicht so weit weg vom damals - nicht nur in den Hamburger Clubs - angesagten Acid Jazz. Das ging ab "Posen" (1996) etwas verloren, was man über die Sterne vielleicht generell sagen kann. Das zuletzt erschienene "Räuber & Gedärm" hatte zwar einen schönen Titel, hinterließ sonst aber wenig Eindruck. Jetzt taten sich die Hamburger mit dem Münchner Mathias Modica zusammen: Der ist eigentlich Chef des Gomma-Labels, tritt musikalisch unter dem Moniker Munk auf und stattet "24 / 7" mit ebenso dicken wie kontemporären Elektrogrooves aus.
Modica, der den langjährigen Keyboarder Richard von der Schulenburg ersetzt, verschiebt an einigen Stellen der Sound tatsächlich weg vom Song, hin zum Track: So sitzt "Die Stadt der Reichen" auf einem stoisch funkenden Basslauf, der alles andere dominiert - sei es der etwas verklausulierte Inhalt, sei es das eigentümliche Klangbild, das im Hintergrund irgendwo zwischen kühlem Elektro der DFA-Schule, dickem Funk-Georgel und Krautrock-Spielereien pendelt. Auch an anderer Stelle, etwa im vorab ausgekoppelten "Deine Pläne" oder im wirklich grandiosen und geradezu nach Remixen schreienden "Neblige Lichter" wird dieses Prinzip angewandt, was die Band überzeugend Richtung Zeitgeist schiebt.
Das liegt nicht nur an Modica, sondern auch an Sterne-Frontmann Frank Spilker, der inhaltlich abstrakter arbeitet als zuletzt, sich gekonnt an Schlagworten und Phrasen abarbeitet und dabei Aktualitäten nicht als Subjekt, sondern als Spielball verwendet. Ein Hintergrund, der auch den einzigen reinen Popsong der Platte anders dastehen lässt: Das früher "Ficken ohne Kondom" betitelte Spilker-Solo-Lied heißt jetzt schlichtweg "Ein Glück" und ist in seiner Alltagsbetrachtung, seiner "Heute ist alles mal geil"-Attitüde hübsche, aber selbstverständlich völlig illusorisch wirkende Träumerei für ein besseres Leben. Das braucht man auch mal, vor allem aber passt es gut zu den Sternen.
Die Sterne auf Deutschland-Tournee
09.04., Bremen, Stauerei
10.04., Osnabrück, Rosenhof
11.04., Düsseldorf, Zakk
12.04., Köln, Luxor
14.04., Heidelberg, Karlstorbahnhof
15.04., Stuttgart, Rocker 33
16.04., Augsburg, Kantine
19.04., Freiburg, Jazzhaus
24.04., Erlangen, E-Werk
25.04., Dresden, Beatpol
26.04., Berlin, Postbahnhof
28.04., Hamburg, Uebel & Gefährlich
Jochen Overbeck
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