Humor hat er ja, der (früher so stille) Beatle Ringo. Auf die Frage hin, wie er den Produzenten für sein neues Album ermittelte, kokettiert er: "Ich schaute eines Tages in den Spiegel - und an dem Tag sah ich besonders groovy aus!" Sein Langspiel-Spaß zu seinem 70. Geburtstag, den er dieses Jahr feiert, betitelt er entsprechend lässig "Y Not" (sprich "Why Not"). Exkollege Paul McCartney kam übrigens auch vorbei - ebenso wie Joss Stone, Dave Stewart, Joe Walsh und andere.
Geschmückt von einem brandneuen Stern am Walk of Fame in Hollywood lässt sich's anscheinend leicht scherzen - und auch unumwunden ehrlich sein: "Ich war immer derjenige, der sich bei den Beatles-Werken als Produzent am wenigsten einmischte", wie er offenherzig bekundet. Entsprechend holte er sich für seine früheren Solo-Einspielungen Produzenten wie Don Was ins Studio. Diesmal aber kam er auf die altersstarrsinnige Idee, die Reglerschiebereien selbst zu erledigen, allerdings "with a little help from my friends".
Was aber nicht unbedingt heißt, dass er es besser gemacht hätte als die Kollegen auf den früheren Alben. Um es vorwegzunehmen: "Y Not" klingt so gar nicht nach Beatles. Dafür aber nach den anderen britischen, amerikanisch inspirierten Haudegen und Jungtalenten, die er ins Studio holte: Dave Stewart (Eurythmics), Van Dyke Parks, Benmont Tench, Billy Squier, Edgar Winter, Don Was, Joe Walsh, Ben Harper, Joss Stone, "Tablagirl" Tina Sugandh und andere, die sich auch an den Kompositionen kräftig beteiligten. Das Endprodukt ist ein freundlicher Mix aus relativ konventionellen, aber gut durchdachten Rocksongs, die von einer Bande Vollblutmusiker hörbar enthusiastisch eingespielt wurden. Trotzdem tummeln sich betuliche Midtempo-Nummern wie "Walk With You" (mit Paul McCartneys Gesang), coolere Bluesnummern wie "The Other Side Of Liverpool", "Can't Do It Wrong" oder auch das britpoppige "Time" im radiofreundlichen Format. Status-Quo-Reminiszenzen ("Y Not") oder Gniedelrock à la Little Richard ("Who's Your Daddy") runden das Werk ein wenig frecher, aber auch altmodisch ab.
Starr nutzt - als einzige Konzession an die Beatles - gerne die bunte Bandbreite einer analogen Instrumentierung aus dem Rock- und Bluesbereich, Wahwahs, Hammond, Geige, Tablas, feine Gitarren und Bass (Paul McCartney auf "Peace Dream"). Und natürlich seine Drums, deren Qualität nach anfänglichen Schmähungen in den 60-ern überall als herausragend betrachtet wird. Insgesamt gibt es keinen Song, der einen alten Mann erschrecken würde, dafür aber nach wie vor Texte voller Liebe, Friede, Hoffnung und auch ein bisschen Zwinkerauge. Und dazu eine liebenswerte Session mit ein paar versierten Freunden im gemütlichen Studio oder der örtlichen Pub-Bühne. Ehrlich, rockig, nostalgisch. Ganz anders als Paul.
Kati Hofacker
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