Die in Koblenz gegründete Band Blackmail war eine kantige Indie-Band mit zwei Eckpfeilern: den kreativen Brüdern Carlos und Kurt Ebelhäuser und dem sensationellen Sänger Aydo Abay. Nach der Trennung von Blackmail vor gut einem Jahr veröffentlicht Letzterer nun mit seiner bereits vorher existenten zweiten Band Ken ein Doppelalbum mit dem Titel "Yes We".
Hinter der Überschrift steckt wohl nicht nur das nahe liegende Wortspiel, sondern auch der notwendige Trotz, nun ohne die vertrauten Bandpartner ein gutes Album zu stemmen. Eines, das höheren Ansprüchen genügen muss, als nur Spielwiese zu sein.
Das Ergebnis: Die wohlig schroffe, warme Stimme Abays scheppert nicht mehr durch die Blackmail-Unwetter, sondern krönt die verspielteren Ken-Melodien. Und das ist gut so, um es mit einem anderen medienaffinen Politiker zu sagen. Die Single "Get A Life" bezirzt den Hörer, ein Ohrwurm von so durchdringender Qualität, poppig und simpel, dass er fast schon wie ein ewiger Klassiker wirkt.
Schlicht gestrickt ist nur wenig auf diesem Album: Oft schleppen Ken ihre Songs durch den Elektronikdschungel, bauen Störfrequenzen ein und Spannung auf, bis zu jenem Moment, wenn der Gesang den Hörer erlöst. Großartige Titel zeugen von der Kreativität des vielseitigen Ensembles, das auf "Yes We" künstlerisch von Drummer Michael Borwitzky ergänzt wird, auch Keyboarder Marcel von der Weiden durfte diesmal mitspielen, nicht nur abliefern.
Ein Miteinander, das möglicherweise eine Gegenbewegung zu den Streitereien mit Blackmail war und Früchte trug. "Yes We" ist aufregend und schmeichelnd, fordernd und mit ziemlicher Sicherheit eines der herausragendsten Alben dieses Jahres. Dazu trägt die Liebe zum Detail bei, das großartige Songwriting und nicht zuletzt die Gestaltung und Präsentation des Albums. So gibt es eine Remix-, manchmal auch eine Rework-Version der Songs auf einer zweiten CD dazu - plus eine Umformung des Dire-Straits-Welthits "Brothers In Arms", die zu Diskussionen führen wird. Angeregten, nicht aufgeregten.
Ken auf Deutschland-Tournee
21.04., Wiesbaden, Räucherkammer
23.04., Stuttgart, Kellerclub
25.04., München, 59to1
26.04., Köln, Luxor
27.04., Dortmund, FZW
28.04., Berlin, Magnet
29.04., Hamburg, Hafenklang
30.04., Hannover, Chez Heinz
Claudia Nitsche
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