Natürlich erfüllt "Whatcha Say" die Kriterien, die ein Hit eben zu erfüllen hat. Eine Hookline, die man nicht so schnell vergisst, deren Originalität man aber durchaus in Frage stellen kann. Ein netter, gefälliger Rhythmus, der Pop ist, aber eben auch R'n'B und damit zielgruppenmaximierend. Eine wirklich niedliche Geschichte über die Liebe und darüber, dass es sich manchmal lohnt, die zu retten. Dass Jason Derulo mit dem Song sofort an die Spitze der amerikanischen Albumcharts schoss und auch in Deutschland durchaus erfolgreich war, ist also nicht verwunderlich. Ob ihm das mit seinem selbstbetitelten Debüt ebenfalls gelingen wird, ist eine andere Frage.
Es ist nicht so, dass Derulo nicht weiß, was er da macht. Im Gegenteil, er ist einer, der es trotz seines jungen Alters - gerade mal 20 Jahre ist der Mann aus Florida alt - vielleicht etwas zu genau Bescheid weiß. In den vergangenen Jahren verdingte sich Derulo als Songwriter für andere - etwa für Genregrößen wie P Diddy oder Lil Wayne. Der Mann, mit dem er jetzt sein Debüt entwarf, ist auch kein unbekannter. Der Produzent und Labelbesitzer J.R. Rotem arbeitete mit vielen, die in der R'n'B-Welt Rang und Namen haben. Er produzierte Sean Kingstons Nummer-eins-Hit "Beautiful Girls", aber auch Singles von Ashley Tisdale, Britney Spears oder Sarah Connor.
All die eint freilich auch eine gewisse Glätte, und genau die ist das Problem dieses Albums. Es ist natürlich ehrenhaft, dass Derulo auf die üblichen Features verzichtet, dass er in Sachen Songwriting auf jede externe Hilfe verzichtete und außer Rotem niemanden an die Knöpfchen ließ. Der bedient sich jedoch Song für Song der gleichen Mittel. Ein Beat, der kontemporären R'n'B mit eigentlich schon wieder durchgenudelten Eurodance-Patterns aufmöbelt, nachzuhören im wirklich furchtbaren "The Sky's The Limit". An anderer Stelle, etwa in "What If" ertrinkt die Stimme in tiefen Streicherteppichen, drittes Stilmittel ist die Stimmverfremdung - den von Jay-Z proklamierten "Death Of Autotune" wünscht man sich da wirklich herbei. Insgesamt also nur überschaubar gut - es wäre schön, Jason Derulo einmal nur am Klavier, nur an der Gitarre zu hören.
Jochen Overbeck
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