Plastik kann alles. Kuschelig-weiche Pullover sind genauso aus Kunststoff wie schusssichere Westen. Und "Plastic Beach"? Kann auch alles. Kein Wunder, denn der Name bezeichnet das neue Album der Pop-HipHop-Comicband Gorillaz, die vom musikalischen Tausendsassa Damon Albarn (Blur; The Good, The Bad and The Queen) gemeinsam mit Comiczeichner Jamie Hewlett (Tank Girl) ins Leben gerufen wurde. Nach "Gorillaz" und "Demon Days" haben sich 2D, Noodles und Murdoc jetzt also auf eine fiktive einsame Insel zurückgezogen, die im Zivilisationsmüll fast erstickt. Erstaunlich, wie leichtfüßig ihr neues Album trotz der trostlosen Umgebung klingt.
Ganz so einsam ist die Insel aber doch nicht: Die Liste der Gaststars auf "Plastic Beach" ist lang und hochwertig. Dabei sind zum Beispiel Mos Def, De La Soul (die schon bei den Aufnahmen zu "Demon Days" geladen waren) und Snoop Dogg. Aber es tauchen auch einige Namen auf, die nicht unbedingt zu erwarten waren, wie etwa Soullegende Bobby Womack, Rockveteran Lou Reed oder das Libanesische Nationalorchester für Arabische Musik.
Die Gäste dieser sehr speziellen Strandparty bringen natürlich alle ihren eigenen Stil mit, sodass sich auf dem Album HipHop mit orientalischen Einflüssen und Elektropop mit Soul mischen. Doch "Plastic Beach" ist alles andere als musikalisches Recycling, denn Damon Albarn verschmilzt die verschiedenen Elemente mit dem typischen Gorillaz-Sound zu einem organischen Ganzen. Allerdings stechen aus diesem Ganzen eher einzelne Momente heraus als einzelne Songs. Etwa der Moment in "Sweepstakes", in dem das Hypnotic Brass Ensemble mit vollem Blechbläsereinsatz loslegt, oder der Wechsel zwischen dem Refrain im Werbejingle-Klang und dem Rap-Part in "Superfast Jellyfish". Eines der wenigen Stücke, das mühelos für sich alleine stehen kann, ist das seltsam hypnotische "Rhinestone Eyes", an dem keine Gastmusiker beteiligt waren.
Echte, formatradiotaugliche Hits wie "Clint Eastwood" oder "Feel Good Inc." sucht man auf "Plastic Beach" vergebens. Das macht das Album nicht schlechter, aber auch nicht unbedingt leichter hörbar. Für den häppchenweisen Konsum ist "Plastic Beach" eben eher ungeeignet. Die gute Nachricht: Da es so unheimlich abwechslungsreich ist, wird es auch in der Dauerschleife nicht so schnell langweilig. Echter Kunst-Stoff eben.
Sabine Metzger
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