Mit Schwung und Schmackes
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Das ist doch schon mal erfrischend neu, dass eine Ballettaufzeichnung - und sei es, wie hier, ein bunter Abend - mal nicht einfach vor dem schweren Brokatvorhang beginnt, sondern draußen vor der Türe und in der Stadt, die in diesem Falle allerdings San Francisco heißt. Das bedeudet: Lustige Fahrt mit dem Cable-Car vor die Pforte. Und auf geht's mit Schwung und Schmackes."Mixed Bill", gemischtes Programm, steht auf dem Theaterzettel. Da ist nun für jeden Ballett-Freak das Passende dabei. Von Händel über Chausson und Gottschalk bis zu Tschaikovsky und Prokofiev reicht das Programm, das uns die muntere Truppe des berühmten American Ballet Thetre bietet. Auf dem Schnittpunkt von Klassik und Moderne balancieren sie zu Händels Concerti grossi ("Airs"), als gelte es auf dem Geländer der Golden Gate Bridge zu schweben und nicht im gastgebenden Memorial Opera House. In leichhthin verschwebenden, gleichwohl exakten Bildern vollführen sie ihre Gruppierungen und Pas de deuxs. So exakt sind die Spiegelbilder und Verdoppelungen, dass man die Trickmaschine am Schneidetisch an der Arbeit mutmaßt. Und das harte, weiße Bühnenlicht lässt die pastellnen Farben sprechen, leichte Überblendungs-Schlieren nimmt der Zuschauer sicher in Kauf. Schweren Opiumduft im Jugendstil verbreitet das Nacht-Bühnenbild im Scherenschnitt-Park des "Jardin aux Lilas" (Fliedergarten), doch selbst hier wirken die klassichen Gesten der Tänzer und Tänzerinnen sehr zeitlos-modern. Beim Pas de deux "Der schwarze Schwan" wird der dem Klassischen nicht mehr gar so geneigte Tanzfreund schon eher seine Schwierigkeiten haben: Museum der - allerdings - besten Sorte. Derlei Vorbehalte werden aber mit der Balkonszene aus "Romeo und Julia" (in Kenneth McMillans Choreographie) schnell entsorgt: Welch graziles Schmachten des Liebespaares Natalia Makarova und Kevin Mckenzie, der 1992 die Leitung der Compagnie übernahm. Schließlich: Es lebe der Zirkusmarsch in "Great Gallopping Gottschalk" von 1982. Zirzensiche Körperfreude, muntere Lustigkeit in pastellenen Farben , als wäre es aus Picassos rosa Periode. Die Qualität der Musik-Wiedergabe lässt - zeitlich relativiert - kaum etwas zu wünschen übrig. Die Nahaufnahmen der Kamera (aus der TV-Schule des Brian Large) wirken noch immer sehr neu.
Hans Czerny
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| Schönes aus San Francisco: Das "American Ballet Theatre". (Warner Music) |
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