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Jeanne Moreau

"Das Gewissen? Bleibt"

Schauspielerin Jeanne Moreau

(tsch) Ikone des französischen Autorenkinos, leidenschaftliche Femme fatale, Muse der "Nouvelle Vague" - Jeanne Moreau, eine der führenden Charakterdarstellerinnen Frankreichs, vereint viele Attribute. Respektvoll nennt man sie nur "Die Moreau", wie sonst bei Greta Garbo oder Marlene Dietrich üblich. Ihr unglaubliches Gespür für die Regie-Avantgarde bescherte ihr eine Filmografie, in der einige der bedeutendsten europäischen Regisseure der damaligen Zeit auftauchen: Von Orson Welles über François Truffaut, von Louis Malle bis Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders - Jeanne Moreau hat mit allen gearbeitet und die meisten davon - wie sie selbst sagt - geliebt. Am 23. Januar 2008 wird die "Grande Dame" des französischen Kinos 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigen ARD und ARTE einige ihrer Klassiker als Hommage.

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Nein, einen Lieblingsregisseur könne sie unter den zahlreichen Film-Legenden nicht ausmachen, sagte Jeanne Moreau in einem Interview. Es gebe nichts Intimeres als die Zusammenarbeit des Schauspielers mit seinem Spielleiter: "In kürzester Zeit entsteht keine freundschaftliche, sondern eine sehr, sehr enge, tiefe Beziehung. Ich habe meine Karriere nicht geplant. Die Regisseure sind alle auf mich zugekommen. Ich muss auf sie anziehend gewirkt haben, irgendetwas sahen sie in mir." Unnahbar, verführerisch, lebensfroh, verletzlich - ihre Rollen waren so vielfältig wie sie selbst, und oft genug wurde die echte Jeanne Moreau mit ihrem Filmcharakter gleichgesetzt. Vor allem die Figur der frivolen, durchtriebenen Schönheit haftete ihr lange an: "Ich hatte Liebhaber", bekennt sie, "aber da war ich ja nicht allein".

Geboren 1928 in Paris, als Tochter eines französischen Hoteliers und einer britischen Tänzerin, studierte sie später am Pariser Konservatorium und arbeitete von 1948 bis 1952 als Theaterschauspielerin an der "Comédie-Française" und am "Théâtre National Populaire" von Jean Vilar. Es folgten erste Filmrollen und schließlich der Durchbruch mit Louis Malles Kriminalfilm "Fahrstuhl zum Schafott", in dem sie eine mörderische Ehefrau spielt, die ihren Mann beseitigen will.

Die wohl bekannteste Figur, die Jeanne Moreau verkörperte, ist die schöne Catherine in der melancholischen Dreiecksgeschichte "Jules und Jim" (1962) von François Truffaut. Der Film gilt als Klassiker der "Nouvelle Vague", einer Stilrichtung, die im französichen Kino der späten 50er-Jahre entstand. Das Liebesdrama behandelt die Geschichte zweier Freunde, die sich vor Beginn des Ersten Weltkrieges in die gleiche Frau verlieben. Jeanne Moreau selbst hält eine "ménage à trois" für unmöglich: "Die Gefühlslagen sind zu kompliziert", so lautet ihre sachliche Analyse zur offenen Beziehung. ARTE zeigt das Meisterwerk noch einmal am Montag, 21. Januar, um 21.00 Uhr, und am Mittwoch, 23. Januar, 20.00 Uhr, folgt ein "Kultur-Spezial" zur Ausnahmeschauspielerin. Natürlich lässt es sich der Kultursender auch nicht nehmen, einen ganzen Themenabend über die "Grande Dame des Kinos" zu machen: Am 27. Januar 2008 um 20.40 Uhr strahlt ARTE die Satire "Tagebuch einer Kammerzofe" aus, und im Anschluss kommt die aktuelle Dokumentation "Jeanne Moreau - Im Film und ganz privat" von 2007.

Nicht nur mit den besten Regisseuren, sondern auch mit der "Crème de la Crème" der französischen Schauspielgarde arbeitete Jeanne Moreau zusammen: Jean-Paul Belmondo ("Stunden voller Zärtlichkeit", 1960), Gérard Depardieu ("Die Ausgebufften" 1974, "Les Miserables", 2000) und Jean Reno ("Nikita", 1990) gehörten ebenso zu ihren Co-Stars wie die andere "Femme fatale" des französischen Films, Brigitte Bardot. Mit der attraktiven Blondine drehte die Moreau 1965 die Revolutionskomödie "Viva Maria!" (Regie: Louis Malle), die mit einer heißen Striptease-Szene aufwartet und damit Mitte der 60er-Jahre für einen handfesten Skandal sorgte. Als Hommage an die französische Schauspielerin zeigt die ARD den Film am Mittwoch, 23. Januar, um 0.20 Uhr. Es folgt um 2.15 Uhr ein weiterer Klassiker, der Spielfilm "Der gelbe Rolls-Royce" von 1964, in dem Jeanne Moreau neben so bekannten Weltstars wie Ingrid Bergman, Shirley McLaine, Omar Sharif und Alain Delon agiert.

Mit mittlerweile 80 Jahren kann Jeanne Moreau auf eine stattliche Anzahl nationaler und internationaler Filmerfolge zurückblicken und betrachtet jeden Tag ihres Lebens, insbesondere nachdem sie 1960 den Krebs besiegte, "als Geschenk". Mit Freude liest sie Honoré de Balzac und Marcel Proust, den umstrittenen französischen Starautor Michel Houellebecq ("Elementarteilchen") verehrt Jeanne Moreau sogar, sieht sie in ihm doch einen Visionär, wenn auch einen dunklen. Angst vor dem Tod hat die Schauspielerin nicht, zu häufig wurde sie mit ihm - auch während des Krieges - konfrontiert. Am Ende, so Jeanne Moreau einmal gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", zähle nur die Moral: "Es geht nicht um Trauer oder Glück. Sondern um richtig oder falsch. Am Ende stehen wir alleine da vor unserem Gewissen. Auf der Leiter, die Jakob in der Bibel im Traum sieht, bin ich deshalb immer nur nach oben gegangen: Es gab Niederlagen, einige sogar. Aber ich habe - in guten wie in schlechten Zeiten - immer meiner eigenen Moral standgehalten. Das Leid vergeht. Das Gewissen? Bleibt."

Jana Große


Mit "Fahrstuhl zum Schafott" wurde Jeanne Moreau über Nacht zum französischen Superstar.
Mit "Fahrstuhl zum Schafott" wurde Jeanne Moreau über Nacht zum französischen Superstar. (BR)

Eine provokante Rolle, die sie berühmt machte: Jeanne Moreau als Tänzerin Maria I (rechts, hier mit Brigitte Bardot).
Eine provokante Rolle, die sie berühmt machte: Jeanne Moreau als Tänzerin Maria I (rechts, hier mit Brigitte Bardot). (ARD / Degeto)

Die Tänzerinnen Maria I (Jeanne Moreau, rechts) und Maria II (Brigitte Bardot) machen mit ihren Stripkünsten alle verrückt.
Die Tänzerinnen Maria I (Jeanne Moreau, rechts) und Maria II (Brigitte Bardot) machen mit ihren Stripkünsten alle verrückt. (ARD Degeto)

Datum: 30.12.2007

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