(tsch) An der Kinokasse hatte Morgan Spurlock mit seinem Frittenfilm wahnsinnigen Erfolg, in den USA standen die McDonalds-Bäuche Schlange an Kinokasse und Popcorn-Stand, in Deutschland brachte es "Super Size Me" (2004) immerhin auf knapp 300.000 zahlende Zuschauer. Das ist, zumal für einen Dokumentarfilm, sehr beachtlich. Womit das Genre Dokumentarfilm angesprochen ist: Damit hat Spurlocks Filmchen eigentlich nichts am Hut. So amüsant und eklig, so schockierend und greifbar sein Film auch ist, er bleibt eine gut gemeinte, aber allzu belehrende und plakative Polemik. Das Erste zeigt ihn nun spät in der Nacht.
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Einen Monat lang ernährte sich der vorher kerngesunde und fitte New Yorker Filmemacher einzig und allein mit Produkten aus dem Angebot von McDonalds. Als Folgen traten ein: eine Gewichtszunahme von zwölf Kilo, Anstieg des Körperfettanteils von elf Prozent auf 18 Prozent, ein Cholesterinspiegel von ungesunden 230 (vorher 168) und eine dramatische Verschlechterung der Leberfettwerte - sein Arzt riet zum Abbruch. Seine Freundin auch, denn die Libido sank mit jedem Mahl auf ein absolut nachwuchsunfreundliches Maß.
Es bleibt beim Genuss von "Super Size Me" ein gespaltenes Gefühl. Einerseits ist es durchaus richtig und wichtig, den Menschen den Spiegel der eigenen Dummheit hinzuhalten. Aber Lernen ist eben auch ein produktiver Prozess, den jeder anders gestaltet. Eines grinsenden, posierenden und Halbwahrheiten verbreitenden Filmemachers als Oberlehrer bedarf es dazu nicht. Schwierige, komplexe Themen werden in leicht zu verarbeitende Portionen zerlegt, was nicht ins Konzept passt, wird "vergessen", Animationsfilmchen und die tollpatschig-belehrende Präsenz der Macher vor der Kamera, all das erhöht lediglich den Unterhaltungswert.
Und schon ist der Dokumentarfilm für das neue Jahrtausend fertig: Charmant, politisierend, polemisch, aber auch nicht ganz korrekt. Damit ist er ein Kind der Zeit. Ohne Frage, das Publikum will in erster Linie unterhalten werden, das dazugehörige Wissen, wird als Beilage empfunden. Ein gefundenes Fressen also für Spurlock, der schon immer mal munter auf den Branchenriesen McDonalds einprügeln und mit erhobenem Zeigefinger den Ernährungswahnsinn der Amerikaner aufs Korn nehmen wollte.
Jasmin Herzog
Filmemacher Morgan Spurlock schaut sich konservierte Organe an, die auf Grund von falscher Ernährung verformt sind. (ARD / Degeto)
Dokumentarfilmer Morgan Spurlock lässt sich die Menge an Zucker auf dem Tisch aufbauen, die er in 31 Tagen Fast Food Diät zu sich genommen hat. (ARD / Degeto)
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