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Adrien Brody

Vom Bullen umgerannt

Schauspieler Adrien Brody

(tsch) Drei Brüder auf Selbstfindungstrip. Was aus deutscher Feder tristes Gähnkino wäre, präsentiert Wes Anderson ("Die Royal Tenenbaums") als knallbunte Komödie mit Tiefgang, eine schräge Mischung aus Familiendrama und Slapstick. "Darjeeling Limited" (Kinostart: 03.01.) heißt das Roadmovie auf Schienen und Oscarpreisträger Adrien Brody spielt darin Peter, den ältesten der drei Whitman-Brüder. Deren Mutter (Anjelica Huston) versteckt sich vor ihrer Familie in einem Bergkloster am Himalaya und meditiert ausgiebig. Um sie zu besuchen, nötigt Peter Whitman seine Brüder (Owen Wilson und Jason Schwartzman) zu einer Zugfahrt quer durch Indien, im Gepäck ein Laminiergerät, unzählige Reisekoffer und noch mehr Neurosen. Im Interview spricht Adrien Brody über Staatsakte und Stierkampf.

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teleschau: Sie sind ein Neuling in der Wes-Anderson-Sippe ...

Brody: Und ich empfinde es als eine Ehre, dass Wes mich mit offenen Armen aufgenommen hat! Weil ich der einzige Neuling war, musste ich mich auch als Einziger auf die Anderen einstellen. Am schwersten war das bei Owen Wilson. Er ist so ein Trauerkloß (lacht). Im Ernst: Wenn die Kamera nicht lief, dann spielten wir uns auf wie kleine Jungs und alberten nur herum. Ich hatte mir ein Motorrad zugelegt. An drehfreien Tagen und abends nach Drehschluss unternahmen wir damit Touren.

teleschau: Peter Whitmans Vater ist tot. Die Mutter versteckt sich vor den eigenen Kindern und Peters Brüder sind beziehungsunfähig. Erhofft er sich seelische Heilung von dieser Reise?

Adrien Brody: Im Unterschied zu seinen Brüdern hat Peter immerhin eine Beziehung. Er fühlt sich den Herausforderungen von Vaterschaft und lebenslanger Partnerschaft nur nicht gewachsen. Vielleicht glaubt er ja, das Vatersein üben zu können, wenn er auf dieser Reise den fürsorglichen Alleswisser spielt, der seine Schutzbefohlenen durchs wilde Indien lotst.

teleschau: Der Film ist eine Ausstattungsorgie, vom Luxuskoffer bis zu den Schlafanzügen. Durften Sie etwas von den Requisiten behalten?

Brody: Meinen Pyjama leider nicht, und auch keinen der tollen Koffer. Die hat sicherlich alle Wes Anderson genommen. Fragen Sie ihn! (lacht). Nur Peters große Sonnenbrille aus dem Film durfte ich als Geschenk behalten.

teleschau: Indien strahlt in "Darjeeling Limited" in den schönsten Farben. Wurde der Film vom indischen Fremdenverkehrsamt gesponsert?

Brody: (lacht) Nein, aber er wirkt wie eine Einladung in dieses wunderbare Land. In Indien fühlt man sich sofort willkommen und aufgenommen, trotz des unglaublichen Chaos, das dort herrscht. Hat man sich erst einmal an die totale Reizüberflutung gewöhnt, kann man dieses Land und seine Menschen genießen.

teleschau: Waren Sie vorher schon einmal in Indien?

Brody: Ich war schon privat mit Freunden dort. Diese Reise damals berührte mich sehr. Ein Aufenthalt in diesem Land lehrt einen die Distanz vom Materiellen. In Indien braucht man sehr wenig, und dennoch wird einem jeden Tag vor Augen geführt, wie glücklich man sich im Leben schätzen kann. Denn viele der Menschen dort besitzen rein gar nichts. Dort einen ganzen Film zu drehen, war allerdings ein himmelweiter Unterschied zu einem Urlaub.

teleschau: Inwiefern?

Brody: Beinahe der gesamte Film entstand in Rajasthan, in fahrenden Zügen, auf Märkten, in Dörfern. Wir benötigten für die Aufnahmen in den Eisenbahnabteilen eine Ausnahmegenehmigung der indischen Bahnbehörde. Die zu bekommen, war ein richtiger Staatsakt. Der Dreh vor Ort zwang uns zur Improvisation. So war zum Beispiel jeder sein eigener Maskenbildner. Aber das tat der Authentizität der skurrilen Figuren sehr gut.

teleschau: Wie authentisch war der Dreh zu Ihrem nächsten Film "Manolete", in dem Sie den gleichnamigen, tragisch verunglückten Stierkämpfer spielen?

Brody: Beim Kampftraining wurde ich von einem Übungsbullen umgerannt. Der war für einen Stier zum Glück sehr zierlich. Es tat trotzdem ziemlich weh. Danach hatte ich eine Ahnung davon, unter welchem Druck ein Torero in der Arena steht.

Kerstin Lindemann


Für seine Darstellung eines jüdischen Klavierspielers im Kriegsdrama "Der Pianist" wurde Adrien Brody mit einem Oscar geehrt.
Für seine Darstellung eines jüdischen Klavierspielers im Kriegsdrama "Der Pianist" wurde Adrien Brody mit einem Oscar geehrt. (Buena Vista Inernational Television)

In der Kinokomödie "Darjeeling Limited" begibt sich Adrien Brody (links) mit Jason Schwartzman (Mitte) und Owen Wilson auf Sinnsuche nach Indien.
In der Kinokomödie "Darjeeling Limited" begibt sich Adrien Brody (links) mit Jason Schwartzman (Mitte) und Owen Wilson auf Sinnsuche nach Indien. (20th Century Fox)

Die große Sonnenbrille durfte Adrien Brody (Mitte) als Erinnerung an den "Darjeeling Limited"-Dreh behalten.
Die große Sonnenbrille durfte Adrien Brody (Mitte) als Erinnerung an den "Darjeeling Limited"-Dreh behalten. (20th Century Fox)

Datum: 07.01.2008

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Diskussion: "Adrien Brody"

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