(tsch) Es dauert nicht lange, bis Tim Burton Köpfe rollen lässt. Nach wenigen Filmminuten und einer wilden Jagd durch nebelverschleierte Wälder säbelt der ominöse hessische Reiter seinem nächsten Opfer das Haupt vom Rumpf. Seltsame Dinge geschehen in dem kleinen Ostküsten-Nest Sleepy Hollow, und Kult-Regisseur Burton ("Corpse Bride") sorgt in seinem gleichnamigen Horrormärchen dafür, dass diese mysteriösen Ereignisse in ein passendes, düsteres Film-Licht getaucht werden. "Sleepy Hollow" (1999), nun im ZDF zu sehen, ist eine romantische Rächer-Fantasie im Gothic-Look und gleichzeitig Burtons bisher bester Film.
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Der nächste Streich des Erfolgsteams Burton, Depp und Bonham Carter heißt übrigens nicht nur so ähnlich: "Sweeney Todd", der am 21. Februar in die Kinos kommt, ist ein musikalischer Thriller. Johnny Depp sieht darin irgendwie wieder aus wie "Edward mit den Scherenhänden", tritt aber als blutdurstiger Barbier auf - und will ebenfalls Rache. In "Sleepy Hollow" steht er noch auf der anderen Seite.
Hier verbinden sich Kunst und Kommerz zu einer gelungenen Mischung aus eindrucksvollen Action-Szenen voller Special Effects und einer bedrohlich wirkenden Schauer-Szenerie. Getragen wird der Film von einer Riege ebenso namhafter wie exzellent agierender Schauspieler, unter denen besonders Johnny Depp in der Rolle des Constable Ichabod Crane herausragt.
Crane soll eine rätselhafte Mordserie aufklären, die die Bewohner von Sleepy Hollow in Angst und Schrecken versetzt. Es wird gemunkelt, dass der sagenumwobene kopflose Reiter - ein ehemaliger deutscher Söldner aus dem Reich der Untoten - hinter den Verbrechen steckt. Der rational denkende Crane verwirft diese Mutmaßungen zunächst als Hirngespinste abergläubischer Hinterwäldler - bis er den Mann ohne Kopf auf frischer Tat ertappt. Fortan ist sein Vertrauen in die Macht der Vernunft erschüttert, ein Umstand, der durch seine Bekanntschaft mit der rätselhaften Katrina Van Tassel (Christina Ricci, die am 8. Mai in "Speed Racer" in die Kinos kommt) und ihrer Stiefmutter Lady Mary (Miranda Richardson) noch verstärkt wird.
Hingebungsvoll frönt Regie-Exzentriker Tim Burton seinem Faible für die legendären B-Movies der englischen Hammer-Studios aus den 50er-Jahren. Johnny Depps zurückhaltender Stil erinnert an das Hammer-Aushängeschild Peter Cushing. Doch während ihm im Laufe des gesamten Films kein einziges Lächeln über die Lippen kommt, sorgen Splatter-Exzesse und Christopher Walkens skurrile Performance als kopfloser Reiter schließlich auch noch dafür, dass die in Burton-Filmen obligatorischen humorvollen Elemente nicht zu kurz kommen.
Bernd Fetsch
Wer will sich dem beherzten Ichabod Crane (Johnny Depp) in den Weg stellen? (ZDF / Clive Coole)
Der deutsche Söldner (Christopher Walken) wird zum Kopflosen Reiter und nimmt fürchterliche Rache. (ZDF / Clive Coole)
Lady Van Tassel (Miranda Richardson, links) und ihre Tochter Katrina (Christina Ricci) stehen vor einem Rätsel. (ZDF / Clive Coole)
Datum: 10.01.2008
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