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Bon Jovi: Have A Nice Day

Bon Jovi Have A Nice Day

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Das Beste, was man über ein neues Bon Jovi-Album sagen kann, ist immer noch der Satz: "Es ist alles beim Alten geblieben." Bei keiner anderen Band würde man eine Stiländerung weniger erwarten, ach was: keiner anderen Band würde man eine Stiländerung weniger verzeihen als Bon Jovi, die auch auf "Have A Nice Day" ihrem erdigen On-the-road-Poprock treu bleiben. Mal wieder eine Nuance lauter, vielleicht noch eine Spur roher, mögen die vom rockigen Live-Charakter der letzten World-Tour angetouchten Songs daherkommen, und schwülstige Balladen sucht man diesmal vergebens. Aber der musikalische wie lyrische Phrasenreichtum blieb erhalten. Und das geht wohl bei keiner anderen Band dieser Welt so sehr in Ordnung wie bei Bon Jovi.

Phrasen hin, Selbstzitate her: Dieses Ohrwurm-Händchen und die Souveränität, mit der die Band inzwischen Hit an Hit reiht, ist unglaublich. Aber es ist eben so, und es wird sich auch niemals ändern: Bon Jovi, insbesondere der Frontmann himself, spaltet die Musikgemeinde. Für die einen verkörpert er alles Schlechte, was das Wort "Mainstream" meint, für die anderen ist der eher klein gewachsene Sänger, der größte Rockstar aller Zeiten: Jon Bongiovi. Weder die eine, noch die andere Verallgemeinerung ist angemessen, schon alleine deshalb, weil bei solchen Diskussionen gerne unterschlagen wird, dass "Bon Jovi" in erster Linie der Name einer kompletten Band ist. Und diese Band um Frontmann Jon und seinen kongenialen Gitarrero Richie Sambora hat Musikgeschichte geschrieben, und sie lässt sich auch weiterhin nicht davon abhalten. Das neueste Kapitel ist gespickt mit klassischen, hymnenhaften Bon Jovi-Rockern, von denen es jeder einzelne zum Welthit schaffen könnte. Das ist nicht einmal übertrieben: Einen Vorgeschmack gab ja bereits die Single "Have A Nice Day", und mit diesem unverschämt eingängigen, geradlinigen Rocker ist die Richtung auch ziemlich exakt vorgegeben. Hier darf fleißig gerockt und mitgesungen werden, Songs wie "Last Man Standing" oder "I Am" klingen wie Relikte aus einer fast vergessenen Arena-Rock-Welt, aber es ist eine Welt, in der niemand so up to date ist, wie Bon Jovi. Das Stadion ist ihr zu Hause. Nicht so sehr die Landstraße, auch wenn sie das hundertmal gerne selbst so sehen würden. Denn, da kann er noch so mit seiner verzerrten Rockröhre protzen und kopfnickend auf seine Klampfe einschlagen, von der Integrität einer wirklichen Rocklende ist Jon nach wie vor meilenweit entfernt. Das wird gerade dann überdeutlich, wenn er mit einer vemeintlichen authentischen, staubigen Road-Attitüde kokettiert. Da heißt ein Song - im Bon Jovi-Sinn gewiss ein überragendes Stück - doch glatt "Story Of My Life" ... Hätte nicht unter genau diesem Titel nicht schon längst auch ein gewisser Mike Ness, Frontmann von Social Distortion, eine Hymne auf sich selbst zum Besten gegeben, wir hätten Jon den coolen Macker fast abgekauft. Aber so, mit dem Bild von Mike und dessen wirklich nach Leben, Asphalt und Schweiß stinkendem Song im Kopf, wird einem erst bewusst, was eine wahre Rocklegende ist. Nícht schimpfen! - Den Denkanstoß haben Bon Jovi mit dem Titel selbst geliefert ... Dann schon lieber wieder Schmacht-Balladen à la "Bed Of Roses".

Frank Rauscher


Datum: 18.09.2005

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