(tsch) Die großen Dramen spielen sich im Kleinen ab. Das ist es, was die österreichische Regisseurin Barbara Albert in "fallen" (2006) eindrucksvoll schildert. Das intensive, still inszenierte Drama ist nach dem Film "Nordrand" (1999) bereits der zweite Beitrag der Regisseurin beim Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. "fallen" ist das starke Porträt von fünf nicht minder starken Frauen, die ihre weichen Seiten vor sich verbergen, die jedoch in einer einzigen Nacht hervorbrechen.
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14 Jahre ist es her, eine Ewigkeit, dass sich Nina (Nina Proll), Brigitte (Birgit Minichmayr), Nicole (Gabriela Hegedüs), Alex (Ursula Strauss) und Carmen (Kathrin Resetarits) nicht mehr gesehen haben. Anfangs beschnuppern sich die fünf Freundinnen von früher noch recht zaghaft. Da ist Skepsis gegenüber dem Erfolg und dem Reichtum von Carmen, die inzwischen eine gefragte Schauspielerin ist. Da ist die Überraschung über den kugelrunden Schwangerschaftsbauch der unkonventionellen Nina, die derzeit arbeitslos ist. Und Bedrückung darüber, dass Nicole eigentlich nur für ein paar Tage auf Freigang aus dem Gefängnis draußen ist, an ihrer Seite ihre zwölfjährige Tochter Daphne (Ina Strnad).
Der Grund, warum sie nach so langer Zeit wieder aufeinandertreffen, ist ein trauriger, auf den ersten Blick eigentlich recht unwichtiger: die Beerdigung ihres ehemaligen Physiklehrers. Doch, was zunächst nur ein Pflichttermin ist, entwickelt sich schon bald zum großen Wiedersehen, das für alle fünf Frauen wichtiger sein soll, als sie zunächst annehmen. In Gesprächen werden alte Ideale überdacht, das Erreichte wird kritisch beäugt. Alte Wunden brechen auf und neue Gefühle keimen auf. In dieser einen Nacht und den zwei Tagen nach der Trauerfeier, in denen sich Nina, Brigitte, Nicole, Alex und Carmen einfach "fallen" lassen, von Ort zu Ort, von Party zu Party, von Erinnerung zu Erinnerung treiben lassen, ist nichts, wie es vorher war.
Mit viel Liebe und Gespür für ihre Figuren formt Barbara Albert die Charaktere. Lässt sie sprechen, ohne ihnen ein Wort zu viel in den Mund zu legen. Vielmehr sprechen ihre Gesichter. So lässt Barbara Albert dem prominenten Schauspielensemble aus Österreich freien Lauf im Spiel. Ein Freiraum - "Wir sind frei" lautete auch das ehemalige Motto der fünf Freundinnen -, den die starken Darstellerinnen gekonnt auszufüllen wissen.
Nina Fischer
Credits: V:Novapool Pictures, A 2006, R: Barbara Albert, D: Nina Proll, Birgit Minichmayr, Gabriela Hegedüs u.a.
Kinostart: 17. Januar 2008
Die alten Freundinnen Alex (Ursula Strauss), Brigitte (Birgit Minichmayr), Nina (Nina Proll), Nicole (Gabriela Hegedüs) und Carmen (Kathrin Resetarits) treffen sich nach 14 Jahren wieder. (Zoom Medienfabrik)
"fallen" ist das starke Porträt von fünf nicht minder starken Frauen. (Zoom Medienfabrik)
Mit viel Liebe und Gespür für ihre Figuren formt Barbara Albert die Charaktere in ihrem Film "fallen". (Zoom Medienfabrik)