(tsch) Das Leben an sich ist eines der ungerechtesten. Da sucht die ganze Welt nach der großen Liebe, und wenn man sie dann gefunden hat, bleibt keine Zeit sie zu genießen. Vergessen kann man sie aber auch nicht. Glück und Tragik liegen auch in Richard LaGraveneses "P.S. Ich liebe Dich" dicht beieinander. Wobei sich das gefilmte Glück auf eine sehr charmante Einstiegsszene beschränkt, in der Holly (Hilary Swank) und Gerry (Gerald Butler) ihre Liebe mit aller Hingabe und allen Schwierigkeiten herrlich unprätentiös zelebrieren. Eine Szene später ist Gerry tot - ein Gehirntumor hat sein Leben genommen und Holly in eine tiefe Depression gestürzt.
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Manche Leute behaupten, es gibt nur die eine wahre, große Liebe im Leben. Wenn das wahr ist, dann hat Holly alles verloren. Ihre Beziehung zu Gerry war eine Art Schablone für das Glück, die von der irischen Autorin Cecilia Ahern entworfen wurde. Ihr Roman "P.S. I Love You" führte monatelang diverse Bestsellerlisten in der Welt an und diente als Vorlage für den gleichnamigen Film von Regisseur Richard LaGravenese, der als Drehbuchautor bereits literarische Vorlagen "König der Fischer", "Die Brücken am Fluss" und "Der Pferdeflüsterer" für die Leinwand adaptierte.
Nach Gerrys Tod hat Holly allen Lebensmut verloren. Sie schließt sich wochenlang in ihr Appartement ein, sieht sich Filme mit Bette Davis, der Hollywood-Diva mit den traurigsten Augen der Welt, an und kann ihren Verlust nicht überwinden. Alles macht keinen Sinn mehr, und das Leben ist so leer. Bis sie eines Tages einen Brief von Gerry erhält. Der hatte das Elend seiner geliebten Frau nämlich vorhergesehen und vorgesorgt. In seinen Briefen, die alle mit "P.S. Ich liebe Dich" enden, stellt er Holly Aufgaben, die sie langsam an das Leben ohne ihn gewöhnen sollen.
Unter den argwöhnischen Augen ihrer Mutter (Kathy Bates) und zusammen mit ihren Freundinnen Sharon (Gina Gershon) und Denise (Lisa Kudrow) holen diese Briefe Holly langsam zurück ins Leben. Gerry hat sich sehr einfühlsame, aber bestimmte Aufgaben ausgedacht, die ihre gemeinsame Zeit feiern und Holly zeigen, wie sehr er jede Sekunde mit ihr genossen hat. Gleichzeitig führen die Briefe Holly aber auch sehr bestimmt auf einen Pfad zurück ins Leben, das auch ohne Gerry weitergeht, weil es eben weitergehen muss. Sie wird eines Tages nach Irland fahren und dort, wo sie Gerry kennengelernt hat, endlich loslassen können.
Richard LaGravenese, der nach "Freedom Writers" (2006) bereits zum zweiten Mal in Folge mit Hilary Swank zusammenarbeitete, schießt bei der Leinwandadaption der wunderschönen und trotz aller Traurigkeit optimistischen Geschichte hin und wieder über das Ziel hinaus. Ganz so, als würde er der Kraft der Melancholie nicht vertrauen. Dabei bringt Aherns Vorlage alles mit, was ein großes Kinoerlebnis ausmacht: starke Charaktere, eine lebensnahe Story, viel Gefühl ohne gefühlig zu sein.
LaGravenese jedoch will dem Kitsch gar nicht entkommen. Er baut auf Klischees und Oberflächlichkeiten, Dramaturgie und szenischer Aufbau des Films orientieren sich an den gängigen Hollywoodmustern, mit wenig Gefühl für Timing und Kern der Story. Hier wird auf die Tränendrüse gedrückt, bis es keine Taschentücher mehr gibt. Weil das am einfachsten ist und Sentimentalität der kleinste gemeinsame Nenner ist. Ganz abgesehen davon, dass Hilary Swank in der Hauptrolle wie ein Fremdkörper wirkt und eine klassische Fehlbesetzung in dieser am Ende ärgerlich simpel gestrickten romantischen Komödie ist.
Andreas Fischer
Credits: V:Tobis, USA 2007, R: Richard LaGravenese, D: Hilary Swank, Gerard Butler, Lisa Kudrow u.a.
Laufzeit: 129 Min.
Kinostart: 17. Januar 2008
Die große Liebe von Gerry (Gerald Butler) und Holly (Hilary Swank) findet ein viel zu frühes, tragisches Ende. (Tobis)
Holly (Hilary Swank) findet nach dem Tod ihres Gatten nur sehr schwer zurück ins Leben. (Tobis)
Ein Bild von einem Mann: Gerry (Gerald Butler) gewann Hollys Herz im Handstreich. (Tobis)
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