Marc Forster
Frage: Wie kamen Sie zu diesem Film?
Forster: Ich habe "Drachenläufer" 2003 zum ersten Mal gelesen. Rebecca Yeldham, eine der Produzentinnen, gab es mir und wollte mich an Bord holen. Zu diesem Zeitpunkt ging das nicht, weil es noch kein Drehbuch gab, aber ich liebte das Buch. 2005, während ich grade
an "Schräger als Fiktion" arbeitete, hat sie mir den ersten Entwurf des Drehbuchs geschickt. Ich liebte es und fand, dass David das Buch wirklich perfekt umgesetzt hat.
Anzeige
Frage: Dies ist nach "Stay" Ihre zweite Zusammenarbeit mit Drehbuchautor David Benioff.
Forster: David ist eine wunderbare, offene und großzügige Person. Er ist sehr kooperativ und arbeitet gern gemeinsam. Er versteht die Visionen der Regisseure und versucht, mit ihr zu arbeiten.
Frage: Was hat Sie an der Story gereizt?
Forster: Sie hat mich in ihren Bann gezogen weil es das erste Mal war, dass ich eine Geschichte über diesen Teil der Welt sah, die vor allem eine menschliche, eine Familiengeschichte war.
Frage: Sie haben Khaled Hosseinis Bestseller auf die Leinwand gebracht " was war Ihnen dabei besonders wichtig?
Forster: Ich wollte einen Film machen, der dem Buch gerecht wird und die Kultur respektiert, denn ich stamme nicht aus diesem Teil der Welt und wollte sicherstellen, dass die Details aufgenommen werden und die emotionale Komplexität der Charaktere stimmt.
Frage: Was fühlten Sie, als Sie zum ersten Mal das Buch lasen?
Forster: Ich war überwältigt und sah mich mit einer Welt konfrontiert, über die ich bislang nichts wusste. Trotzdem war die emotionale Bindung zu diesen Menschen, die ich nicht kannte, so stark, dass es mal wieder bewiesen hat, dass wir alle " unabhängig von Nationalität und Religion " irgendwie verbunden sind. Es war nicht nur emotional, sondern ging irgendwie auch in den Kopf, weil es mich auf vielerlei Art berührt hat.
Frage: Wann haben Sie beschlossen, dass der Film hauptsächlich in Dari, der in Afghanistan gesprochenen Sprache, gedreht werden sollte?
Forster: Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe und an diese Kinder dachte, die ihre Drachen steigen lassen, konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie in Englisch miteinander sprechen. Sie mussten Dari sprechen! Und später im Film, wenn sie nach Amerika ziehen, was sollten sie dann sprechen? Gebrochenes
Englisch? Das hätte überhaupt keinen Sinn gemacht.
Frage: Welche Recherchen haben Sie im Vorfeld angestellt?
Forster: Ich habe mich über die Kultur informiert und versucht, mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Außerdem habe ich viele Bücher und Dokumentationen angesehen und bin natürlich in das
Land gereist. Ich habe Zeit dort verbracht, um Verständnis für die Menschen und ihr Leiden während der letzten 30 Jahre zu gewinnen.
Frage: Aber das Buch war Ihr hauptsächlicher Bezugspunkt?
Forster: Für mich war das Buch immer der Star, und es gibt viele Beispiele für auf Büchern basierende Filme, die nicht funktionierten. Wenn die Menschen, die das Buch lieben, den Film nicht mögen, verliert man sein gesamtes Publikum. Denn sie sind dein erstes Publikum.
Frage: Wie haben Sie die richtigen Kinder für die Rollen gefunden?
Forster: Casting-Direktorin Kate Dowd, mit der ich auch für "Wenn Träume Fliegen Lernen" zusammengearbeitet habe, hat auf der ganzen Welt gesucht und sich tausende von Kindern angesehen. Sie flog anderthalb Monate vor mir nach Kabul und brachte mich in zwei Schulen " dort habe ich die Kinder getroffen. Dann habe ich sie richtig kennen gelernt und sogar Drachen mit ihnen steigen lassen.
Frage: Haben die Kinder Ihnen beigebracht, Drachen steigen zu lassen?
Forster: Nun, eigentlich hatte ich einen Drachenmeister, der es mir beigebracht hat, und es hat sich wirklich gelohnt.
Frage: Zu den erwachsenen Schauspielern: Warum haben Sie Khalid Abdalla für die Hauptrolle des Amir ausgewählt?
Forster: Ich habe ihn in "Flug 93" gesehen und fand, dass er ein unglaubliches Charisma hatte, obwohl er in dem Film nicht viel tun konnte, weil er einfach nur dasaß. Er hat diese Rolle wirklich eingenommen.
Frage: Wie haben Sie die "Nahkampf"-Drachenszenen gedreht?
Forster: Wir hatten einen Drachenmeister, der uns geholfen hat, die Choreographie für diese Szenen auf dem Computer zu entwerfen. Sobald wir wussten, was wir machen wollten, haben wir ausgeknobelt, wie wir das drehen können. Im Grunde genommen war es ein Mix aus Drachen-Aufnahmen am Boden und vom Helikopter sowie CGI.
Frage: Was hat der Autor Khaled Hosseini gesagt, als er endlich den fertigen Film und, gewissermaßen, in den Drachenszenen auch einen Teil seiner Kindheit auf der großen Leinwand sah?
Forster: Ich glaube Khaled mag den Film sehr, er war immer eine große Unterstützung. Er ist begeistert von dem Film und der Tatsache, dass wir seine Kultur und sein Buch ehren.
Frage: War es Ihnen besonders wichtig, dass der Film Khaled gefällt?
Forster: Ja, mein Ziel war immer, dass er aus dem Film herausgeht und findet, dass ich seinem Buch gerecht werden konnte. Denn es ist sein Baby, seine Kreation und seine Story.
Das Interview wurde uns freundlicherweise von UIP zur Verfügung gestellt.
|
"Drachenläufer"-Regisseur Marc Forster dreht gegenwärtig an "Bond 22" (UIP)
Marc Forster mit seinen beiden Kinderstars (UIP)
Das Plakat zum Film (UIP) |
|