(tsch) Viel erwartet hatte 1990 niemand mehr vom fünften Aufguss der "Rocky"-Saga, den kabel eins wiederholt. Umso ernüchternder war, dass der Film selbst die schlimmsten Befürchtungen unterbot. Sylvester Stallones Drehbuch erwies sich als Langeweile pur, Regisseur John G. Avildsen filmte fantasielos und ohne jedes Gespür für die Thematik. Und mit Tommy Morrison wurde eine denkbar schlechte Besetzung für die Rolle des ehrgeizigen Jung-Boxers Tommy gefunden, dessen einzige Qualifikation zur Schauspielerei die Tatsache zu sein schien, dass sein Großonkel John Wayne war. Die Ära "Rocky" schien endgültig beendet. Doch der wirkliche Schlusspunkt wurde erst 16 Jahre später gesetzt. Und siehe da: "Rocky Balboa" (2006), der sechste und letzte Teil, verschaffte einem der größten Kinohelden aller Zeiten dann doch einen würdigen Abgang.
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Es wurde immer schlimmer. Während Teil 1 der "Rocky"-Saga 1976 achtmal für den Oscar nominiert wurde und drei der begehrten Trophäen erhielt, konnten die drei Fortsetzungen die Kritiker nicht mehr überzeugen. Der erste Film setzte Glanzlichter bei den Dialogen und in der Entwicklung der Charaktere, der zweite bot zumindest noch die spannendsten Boxkämpfe. Danach scheiterten alle Versuche, den Stoff weiterzuentwickeln, kläglich. Es musste etwas geschehen mit dem Boxer Rocky Balboa. Nach dem vierten Film, der Rocky in Russland kämpfen ließ und die Ost-West-Problematik miserabel aufgearbeitet hatte, versuchte man mit dem fünften Teil eine Rückkehr zu den Ursprüngen.
Eine Brücke sollte geschlagen werden, nicht nur inhaltlich, sondern auch beim Stab des Films. John G. Avildsen, der im ersten Teil 14 Jahre zuvor schon Regie geführt hatte, ließ sich erstaunlicherweise noch einmal überreden, nachdem vorübergehend Hauptdarsteller Sylvester Stallone selbst das Ruder in der Hand hatte. Teil V lässt den Weltmeister, der seine Schlagstärke gegen den Russen Drago unter Beweis gestellt hat, wieder zurück in das Armenviertel kommen - dorthin, wo alles begann. Der Steuerberater hat Rocky betrogen, all das schöne Geld ist futsch. In "Little Italy" versucht sich Balboa daraufhin als Trainer eines jungen Talents. Gedacht hatten sich die Filmemacher wohl: Rocky soll in dem aufstrebenden Boxer Tommy (Tommy Morrison) sich selbst wiederentdecken. Und mit ihm soll auch die Begeisterung beim Zuschauer neu erwachsen.
Claas Nielsen
Der Boxweltmeister Rocky (Sylvester Stallone) erklärt seinen Rücktritt. (kabel eins / United Artists)
Völlig verarmt kehrt der ehemalige Boxweltmeister Rocky (Sylvester Stallone) nach Little Italy zurück. (kabel eins / United Artists)
Der Ex-Boxweltmeister Rocky (Sylvester Stallone, rechts) bekommt eines Tages eine neue Chance: als Trainer des jungen Boxtalents Tommy (Tommy Morrison), der sich als gelehriger Schüler und Fighter der Extraklasse erweist. (kabel eins / United Artists)
Datum: 20.01.2008
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