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Irakfilme

Hollywood und der Irakkrieg: Flop oder doch noch top?

In Sachen Irak und Naher Osten ist im Kino „No End in Sight“. Doch das Publikum tut sich mit Hollywoods Aufarbeitung des Problemfelds Irak, Afghanistan & Co. schwer. Die Kriegsfilme „Von Löwen und Lämmern“ und „Machtlos“ floppten jüngst trotz jeder Menge Star-Power und namhaften Regisseuren. Der „schmutzige Krieg“ will als Filmsujet nicht so richtig funktionieren. Warum, das fragt sich Gebhard Hölzl.

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Krieg und Kino gehören zusammen. Der französische Philosoph und Medienkritiker Paul Virilio hat zum Thema mehrere Bücher veröffentlicht, 1989 beispielsweise „Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung“, in dem er die Scheinwerfer im 20th Century Fox-Emblem mit den Scheinwerfern der Flak-Batterien des Zweiten Weltkriegs in Beziehung setzt. Ein wissenschaftlicher Ansatz, der den durchschnittlichen Kinogänger wenig interessieren dürfte. Der will nur das Produkt Film, die (Unterhaltungs-)Ware, mit der der Produzent sein Geld verdient. In Europa setzt man Kino gerne mit Kunst gleich, in den USA ist Film primär eine Industrie, nach der Autofabrikation die zweitgrößte. Deshalb ist man in Hollywood stets bemüht, den Trend, den Markt vorauszuahnen. Zwei Jahre Produktionszeit muss man minimal für eine Big-Budget-Produktion veranschlagen. Gute Nasen sind in der Traumfabrik also gefragt, und damit erklärt sich auch der Hang zu den leidigen Fortsetzungen – was einmal gut gegangen ist, wird wohl auch ein zweites Mal reüssieren.

Vietnamkrieg als Referenz

So ist es auch zu deuten, dass gewisse (ehemals höchst erfolgreiche) Genres in regelmäßigen Abständen „wiederbelebt“ werden, ob der Western – siehe „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ und „Todeszug nach Yuma“ – oder der Kriegsfilm. Letztgenannte Gattung erlebt in der Traumfabrik gerade eine Renaissance, wobei sich formal und inhaltlich Parallelen mit dem Film über den Vietnamkrieg geradezu aufdrängen. 1975 endete mit der Einnahme Saigons der nie erklärte Krieg in Südostasien. 1978 und 1979 sorgten die ersten, diesbezüglich wegweisenden Werke, „Coming Home - Sie kehren heim“, „Die durch die Hölle gehen“ bzw. „Apocalypse Now“, für Furore – „The Green Berets”, John Waynes Wildwest-Variante des Konflikts aus dem Jahre 1968, kann in diesem Zusammenhang als pure Propagandamaßnahme getrost vergessen werden.

Prominente Namen für die „gute Sache“

Gleich mehrere Kriegsfilme zum Themenkreis „Konfliktherd Naher Osten“, sei es nun Irak oder Afghanistan, sind bereits angelaufen – und bislang alle mehr oder weniger gefloppt! Robert Redfords „Von Löwen und Lämmern“ etwa, in dem das „Sundance Kid“ mittels geschliffener Dialoge dem „War on Terror“ den Krieg erklärt. Zu didaktisch war dieses Werk, zu kalkuliert, zu klug und zu wenig spektakulär in seinen Kampfszenen. Da half selbst nicht, dass Tom Cruise und Meryl Streep mit von der Partie waren. Oder Gavin Hoods („Tsotsi“) höchst ehrenwertes Projekt „Machtlos“, in dem ein aus Ägypten stammender US-Wissenschaftler unter Terrorverdacht gerät und in einem Foltergefängnis landet. Reese Witherspoon wirkte da mit, wieder Meryl Streep und auch Alan Arkin („Catch 22“) sowie Jake Gyllenhaal. Alle leisteten sie ihren Beitrag für die „gute Sache“, bezogen gegen die Politik der Bush-Administration Stellung. Wie andere Kollegen auch. Der Nutzen? Keiner!
Die breite Masse will auf der Leinwand nicht das eigene Scheitern sehen, das eigene Unvermögen. Der Cowboy soll immer noch nach erfolgreich vollbrachten Taten in den Sonnenuntergang reiten. Aber das entspricht nicht den Tatsachen.

Verletzte Herzen, versehrte Seelen

Die Tatsachen spiegeln sich jedoch in den Filmen – mit unerbittlicher Konsequenz. „This is the end“ singt Jim Morrison schon bei Francis Ford Coppola und der Urwald geht dabei in Flammen auf. Der Vietnam-Heimkehrer Jon Voight sitzt im Rollstuhl und der gebrochene Christopher Walken jagt sich beim russischen Roulette eine Kugel durch den Kopf. Die Tage von guts & glory sind vorbei. Selbst der Zweite Weltkrieg wird von den alten Kämpen umgeschrieben – siehe Clint Eastwoods „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“. Der Krieg hat seine Helden versehrt, im Herzen und in der Seele – „Hearts and Minds“ heißt 1974 Peter Davis’ Oscar-gekrönte Dokumentation zum Sujet. Heute ist das genauso. Krieg ist und bleibt Wahnsinn, siehe David O. Russells sarkastische Golfkriegs-Komödie „Three Kings“.

Bald im Kino: „Im Tal von Elah“ von Paul Haggis

Und auch zu Hause ist die Welt längst nicht mehr in Ordnung: Ein Vater – Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones, der Inbegriff eines amerikanischen good guy – zieht in Paul Haggis´ („L.A. Crash“) „Im Tal von Elah“ (Deutschland-Start: 6. März) los, um den Sohn zu suchen. Einen Irak-Heimkehrer, der spurlos verschwunden ist. Bald verdichten sich die Vermutungen, dass er von eigenen Kameraden nach durchzechter Nacht getötet wurde. Zum Schluss hisst der Ex-Marine und Patriot Jones die US-Flagge, verkehrt herum. Das symbolisiert, was das Volk fühlt: Trauer, Wut, Verwirrung, Verletzung....

Dramatisches cinéma verité

Wie schwierig es ist, den Krieg zu greifen, zu begreifen, das beweist alleine die Vielzahl der verschiedenen Annäherungen, die möglichen Perspektiven. Die meisten Kriegsfilme treffen ins Herz – aber nur bei denen, die sich ohnehin des Themas und seiner Problematik bewusst sind. Die, die diese Arbeiten erreichen sollen, bleiben weg. Zu wenig Action, zu viel Intellekt – schlicht keine Unterhaltung. Ein Vorurteil, aber ein schwer zu überwindendes. Trotz bester Beispiele, dass Anspruch und Effekt durchaus in Einklang gebracht werden können. Da wären „Ein mutiger Weg“ mit Angelina Jolie, die Michael-Winterbottom-Werke „In This World“ sowie „Road to Guantanamo“ oder im weitesten Sinn natürlich auch Michael Moores sarkastischer Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“.

Noch ohne Starttermin: „Redacted“ von Brian De Palma

Nicht zu vergessen: Marc Forsters aktuelle Bestsellerverfilmung „Drachenläufer“ und Brian De Palmas „Redacted“, der hierzulande trotz des Regie-Preises der Filmfestspiele von Venedig noch keinen Starttermin hat und in den USA lächerliche 25.000 Dollar einspielte. Ein Desaster. Dabei versteht der Mann sein Geschäft, ist in punkto Kriegsfilm erfahren, siehe „Grüße“ und „Die Verdammten des Krieges“. Aber vielleicht hat er bei seinem cinéma-verité-Thriller um die Vergewaltigung und Ermordung einer Irakerin durch G.I.s einfach zu genau hingeschaut – der Kunstgriff mit den alternierenden Blickwinkeln und der Vermischung der Stile kommt noch erschwerend hinzu.

In Arbeit: „Body of Lies“ von Ridley Scott, „Imperial Life in the Emerald City“ von Paul Greengrass, „Bush” von Oliver Stone

Große Hoffnungen setzt Hollywood auf Ridley Scotts Kriegsfilm „Body of Lies“, der in den USA am 10. Oktober 2008 starten soll. Leonardo DiCaprio, Russell Crowe und „Blackbook“-Star Carice van Houten spielen in dem Terrorthriller nach einem Roman von David Ignatius die Hauptrollen. Und dann wäre da noch der ebenfalls hoch gehandelte Kriegsfilm „Imperial Life in the Emerald City“, der von der Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak handelt. Paul Greengrass dreht im Moment mit Matt Damon und Greg Kinnear, US-Start ist 2009. Oliver Stone arbeitet laut US-Presseberichten gleich an drei Projekten, die sich alle um das Thema Krieg drehen: „Jawbreaker“ soll den amerikanischen Afghanistan-Feldzug behandeln. In „Pinkville“ will Stone das Massaker von My Lai aufarbeiten, das Projekt wurde jedoch wegen des Autorenstreiks erst mal auf Eis gelegt. Die neueste Nachricht: Oliver Stone plant ein Biopic über George W. Bush, Arbeitstitel: „Bush“.

Startet demnächst: „Der Krieg des Charlie Wilson“ von Mike Nichols

Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang natürlich (Deutschland-Start: 7. Februar) von Mike Nichols’ „Der Krieg des Charlie Wilson“ („Die Reifeprüfung“), in dem ein texanischer Abgeordneter (Tom Hanks) mit Hilfe einer Millionärin (Julia Roberts) und einem ausgeschlafenen CIA-Mann (Philip Seymour Hoffman) die afghanischen Rebellen bei deren Freiheitskampf gegen die Sowjets unterstützt. Auf Tatsachen soll diese Satire beruhen und man ist sofort geneigt, dies zu glauben. Mit allen Folgen, die heute noch tagtäglich in der Zeitung nachzulesen sind. Der Krieg ist vor allem Geschäft, wie das Kino auch. Und die Waren lassen sich zu unterschiedlichen Zeiten verschieden gut verkaufen. Das muss Charlie Wilson lernen und mit ihm der Zuschauer. Wer’s nicht glaubt, der kann sich an entsprechende Dokumentationen halten: „Gunner Palace“, „Iraq in Fragments“, „Occupation: Dreamland“, „The War Tapes“ und besonders „No End in Sight“. Hier analysiert Charles Ferguson, Doktor der Politischen Wissenschaften, den Irak-Krieg, seiner Meinung nach eine „apokalyptische Litanei von Fehlentscheidungen“. Man glaubt, Augen und Ohren nicht zu trauen bei den drei Kapiteln, die schlicht „The Void“ (Leere), „Things Fall Apart“ (Dinge fallen auseinander) und „Chaos“ heißen. Hat man diese Kompilation von Dokumentaraufnahmen, TV-Ausschnitten und Interviews gesehen, dieses Dossier staatlicher Inkompetenz durchlitten, will man wirklich keinen Kriegsfilm mehr sehen. Die Realität ist schlimmer als jede Fiktion – darum flüchtet man sich ja im Kino so gerne in die Illusion.


Tommy Lee Jones und Charlize Theron spielen die Hauptrollen in dem Heimkehrerdrama "Im Tal von Elah"
Tommy Lee Jones und Charlize Theron spielen die Hauptrollen in dem Heimkehrerdrama "Im Tal von Elah"

Paul Haggis, Regisseur von "Im Tal von Elah" und L.A. Crash"
Paul Haggis, Regisseur von "Im Tal von Elah" und L.A. Crash"

Das deutsche Plakat zum Film (Kinostart: 06. März 2008)
Das deutsche Plakat zum Film (Kinostart: 06. März 2008)

Datum: 26.01.2008

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Diskussion: "Irakfilme"

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