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Asterix bei den Olympischen Spielen

Asterix bei den Olympischen Spielen

(tsch) Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Manchmal verdirbt aber auch ein Koch, der sich um zu viele Sachen gleichzeitig kümmert, das Gericht. In diesem Falle einen Film, und der Koch ist Produzent, Co-Drehbuchautor, Casting-Agent, Co-Regisseur und Kindheitstraum-Verwirklicher Thomas Langmann. Der Sohn der französischen Produzenten- und Regie-Legende Claude Berri ("Zusammen ist man weniger allein") hat es sicherlich gut gemeint, mit dem Comic-Heiligtum der Franzosen. Nur, er hat sich dabei ganz schön verhoben. "Asterix bei den Olympischen Spielen" ist nicht wirklich ein ganz schrecklich böser Film, aber so unbarmherzig albern und unentschlossen, dass das Zuschauen bisweilen zu einer heftigen Zumutung wird, wenn man der Grundschule schon entfleucht ist.

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Der neue Asterix-Film ist die dritte Realverfilmung der Comics von René Goscinny und Albert Uderzo. Die erste, "Asterix & Obelix gegen Caesar", war ein ziemlich düsteres Werk, dem jeglicher Sinn für die Leichtigkeit der Vorlage fehlte. "Asterix & Obelix: Mission Kleopatra", der Nachfolger, allerdings war ein begeisterndes Feuerwerk an schrägem Witz, charmantem Blödsinn und comic-gerechter Story mit umwerfenden Darstellern. Und nun das.

Zunächst einmal lief irgendetwas beim Casting daneben. Da der alte "Asterix" Christian Clavier nicht mehr mitmachen konnte oder wollte, musste ein neuer her. Clovis Cornillac übernahm die Rolle, die ihm allerdings ein paar Nummern zu groß ist. So hölzern und unwirklich war selten ein Gallier. Vielleicht liegt's daran, dass sich Cornillac in letzter Zeit vor allem als knallharter Actionheld ("Sky Fighters", "Scorpion") verdingte. Da braucht man schließlich vor allem Muskeln und keine differenzierte, gut getimte Mimik. Betroffen davon ist auch Obelix, den Gérard Depardieu, wohlwollend ausgedrückt, routiniert gibt. Doch beide haben sowieso nur Nebenrollen. Wirklich.

Sportliche Wettkämpfe zwischen größenwahnsinnigen Römern, unbesiegbaren Galliern und zahlreichen anderen Nationen im Jahr von "Peking 2008", eine Liebesgeschichte zwischen einem romantischen Franzosen und einer schönen griechischen Prinzessin, einen Vater-Sohn-Konflikt und atemberaubende Kulissen - das hört sich recht unterhaltsam an. Ist aber meilenweit von der Comic-Vorlage entfernt. In "Asterix bei den Olympischen Spielen" wehrt sich der verschmitzte Schnauzbartträger nicht mehr gegen Cäsars Kollektiv-Beleidigung aller Gallier. Er verkommt zu einer Randfigur in einer teuren (78 Millionen Euro Produktionsbudget) Nummernrevue mit platten Witzen vom Grabbeltisch.

Die Ironie, der subversive Charme, der augenzwinkernde Humor - all das fehlt völlig in diesem Film, der zudem ohne klare Linie auskommen muss. Es gibt die schöne Prinzessin Irina ("Alice"-Model Vanessa Hessler). Es gibt den trotteligen Romantix (langweilig: Stéphane Rousseau), der ihr Herz mit von Obelix diktierten Liebesbriefen gewonnen hat. Und es gibt den hinterfotzigen Brutus (Benoît Poelvoorde), dem sie versprochen ist. Der Fiesling will nicht nur die Prinzessin gewinnen, sondern auch seinen Vater loswerden. Cäsar entgeht den albernen Anschlagsversuchen jedoch immer wieder und sonnt sich die meiste Zeit im eigenen Spiegelbild. Alain Delon als Herrscher Roms ist eigentlich ein Besetzungscoup, jedoch kann auch die graue Eminenz des französischen Kinos nichts gegen das schwachsinnige Drehbuch ausrichten.

Das sieht vor, dass der Gewinner der Olympischen Spiele die schöne Prinzessin zur Frau erhält. Asterix und Obelix machen sich also auf, um Romantix zum Liebesglück zu verhelfen und Brutus zu ärgern. Der schmiedet derweil finstere Komplotte gegen Papa und übt sich bei den Wettkämpfen in Tricks und Schummeleien. Es wird also eifrig gedopt, manipuliert, bestochen. Witzischkeit kennt eben keine Grenzen, obwohl sie hier offensichtlich an selbige stößt. Doping, Wettbetrug und so weiter, und so fort. Gähn. Gähn. Langeweile. Der Humor ist kalkuliert und vorhersehbar, zotig dazu, ihm fehlt das überraschende Moment, also die Grundvoraussetzung. Und wenn es dann doch mal für eine nette Idee gereicht hat, dann wird sie gnadenlos überzogen. Zum Beispiel, wenn Alain Delon vor dem Spiegel steht und einen Monolog über das Altern beginnt. "Eiskalter Engel" sei er gewesen, "Leopard" und "Panther - das geht so lange, bis wirklich jeder die Filmreferenzen verstanden und sich der Witz längst verabschiedet hat.

Manche Sachen, die man zu sehr will, die zu einer Obsession werden, gehen schief. Man verliert die Objektivität, den nötigen Abstand. Man muss auch Verantwortung abgeben können. Eine Kritik, der sich Thomas Langmann nun stellen muss. Er arbeitete teilweise gleichzeitig an Finanzierung, Drehbuch und Casting, übernahm sogar die Co-Regie ("keine Frage des Vertrauens, sondern des Engagements) und erfüllte sich mit der Produktion einen Kindheitstraum. Den mag man nun als Zuschauer nun schwer teilen, weil er zu offensichtlich auf eine glitzernde Oberfläche abzielt.

Da gibt es zwar Mini-Auftritte von Michael Schumacher im "Ben Hur"-Wagenrennen, da schweigt Michael "Bully" Herbig als zungenloser Leibwächter beredt, da werden ausschweifende Bilder in beeindruckenden Kulissen fotografiert, und da wird CGI-Technik zelebriert, weil man es halt kann. Aber technische Spielereien und ein Gastauftrittsweltrekord - unter anderen von Zinedine Zidane, Tony Parker und Jean Todt in mehr oder weniger sinnvollen Szenen aufgestellt - reichen halt nicht aus. Oder um es mit Obelix' Worten zu sagen: Die spinnen, die ...

Andreas Fischer

Credits:
V:Constantin, F 2007, R: Frédéric Forestier, Thomas Langmann, D: Gérard Depardieu, Clovis Cornillac, Alain Delon u.a.

Laufzeit: 117 Min.

Kinostart:
31. Januar 2008


"Asterix bei den Olympischen Spielen" ist der sträflich alberne dritte Realfilm über den beliebten Comic-Gallier.
"Asterix bei den Olympischen Spielen" ist der sträflich alberne dritte Realfilm über den beliebten Comic-Gallier. (Constantin / Les Editions Albert René / Goscinny-Uderzo)

Sie lieben und sie zanken sich: Asterix (Clovis Cornillac, links) und Obelix (Gerard Dépardieu) sind im griechischen Olympia unterwegs.
Sie lieben und sie zanken sich: Asterix (Clovis Cornillac, links) und Obelix (Gerard Dépardieu) sind im griechischen Olympia unterwegs. (Constantin / Les Editions Albert René / Goscinny-Uderzo)

Julius Cesar (Alain Delon) weicht mit stoischer Gelassenheit den Attentats-Versuchen seines Sohnes Brutus aus.
Julius Cesar (Alain Delon) weicht mit stoischer Gelassenheit den Attentats-Versuchen seines Sohnes Brutus aus. (Constantin / Les Editions Albert René / Goscinny-Uderzo)

Datum: 29.01.2008

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