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Fable - The Lost Chapters

Jenseits von Gut und Böse

Mehr Waffen, mehr Quests, mehr Möglichkeiten - mehr Spaß? Wir testen als einer der ersten "Fable - The Lost Chapters" für PC.

(tsch) Als das Action-Rollenspiel "Fable" von den Lionhead Studios im vergangenen Jahr für die Xbox auf den Markt kam, machte sich trotz bester Verkaufszahlen erst einmal ein wenig Ernüchterung breit: Zu kurz und zu eindimensional fanden viele Spieler das Vergnügen. Von Designer-Legende Peter Molyneux ("Magic Carpet", "Dungeon Keeper", "Black & White") hatte man einfach etwas mehr erwartet. Nun erscheint mit "Fable: The Lost Chapters" die gepimpte PC-Version des Rollenspiels.

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Dass es sich dabei nicht um eine schlichte Umsetzung des Konsolentitels handelt, darauf verweist schon der erweiterte Name. Und in der Tat haben die Lionhead-Leute noch einmal tüchtig Hand an "Fable" gelegt: Die Hintergrundstory, die in der Xbox-Version nur holzschnittartig und bruchstückhaft erzählt wurde, wird nun unter anderem durch neue Quests und Gegenden wesentlich plastischer: "30 Prozent mehr Inhalt" könnte nach Angaben von Peter Molyneux auf der Packung von "The Lost Chapters" stehen.

Die Erweiterungen liegen vielfach im Detail, in der größeren Auswahl an Waffen, Ausrüstungsgegenständen oder Zaubersprüchen. Auch die nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten des Helden, die schon im Original für witzige Momente sorgten, wurden nochmals erweitert. So können charmante Helden etwa durch heiße Flirts erreichen, dass ihnen die ganze Damenwelt des Fantasy-Landes Albions zu Füßen liegt. Muskelprotze schlagen harmlosere Gegner indes durch ihr Erscheinungsbild in die Flucht - oder durch unflätiges Furzen. Manchmal jedoch ist es einfach nur nützlich, ein paar Leute dazu zu bewegen, einem ein Stück weit durchs Abenteuer zu folgen ...

"Fable: The Lost Chapters" mag auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Action-Rollenspiel mit netter 3-D-Grafik erscheinen. Doch es steckt viel mehr hinter dem Konzept, das unverkennbar die Handschrift von Peter Molineux trägt. Im Grunde ist "Fable" eine Art digitaler Bildungsroman: Die Story zeichnet die Entwicklung des Protagonisten vom Kind bis zum gereiften, kampferprobten Helden nach. Was in dieser charakterlichen Entwicklung "unterwegs" passiert, liegt zum großen Teil in der Hand des Spielers. Er kann durch seine Entscheidungen beeinflussen, wie edel oder abgefeimt sein Held am Ende sein wird.

In der Regel wird das virtuelle Alter Ego sowohl gute als auch böse Züge in sich tragen - die Abstufungen sind hier jedoch fein und in ihren Auswirkungen durchaus komplex. Das Verhalten des Helden spricht sich beispielsweise sehr schnell unter den Bewohnern von Albion herum und beeinflusst, wie wohlwollend oder ablehnend sie ihm gegenüberstehen. Auch bestandene Abenteuer hinterlassen ihre sichtbaren Spuren - sei es nun in Form von Narben, die von hitzigen Kämpfen herrühren, oder in den sich mit zunehmender Erfahrung allmählich steigernden Fähigkeiten. Je nachdem, wie der Spieler die erworbenen Erfahrungspunkte auf die Kategorien Kräfte, Fertigkeiten und Willensstärke verteilt, wird seine Figur im Lauf des Spiels ganz individuelle Züge annehmen.

Die Aufträge der NPCs sind äußerst vielseitig, die Quests erfreulich überschaubar. Lässt sich das Ganze in dem idyllischen Dörfchen Oakvale noch recht beschaulich mit der Suche nach einem verschollenen Teddybären an, folgen später Aufgaben mit Gruselfaktor (Anspielungen auf "Sleepy Hollow" finden sich nicht nur in der genialen "Fable"-Titelmusik von Filmkomponist Danny Elfman), in denen es richtig zur Sache geht. Derber britischer Humor kommt während des gesamten Spiels auch nicht zu kurz: So wird der Held bei einer bestimmten Quest immer wieder zum Friseur geschickt, um mit seiner Haartracht die Gunst einer jungen Frau zu gewinnen - nur um sich am Ende sagen zu lassen, wie bescheuert er mit seinem seltsamen Schnurrbart aussieht. Oft gibt es für ein und dieselbe Aufgabe mehrere mögliche Lösungen, die unterschiedliche Spielertypen ansprechen. Der Schwierigkeitsgrad bleibt dabei immer fair und lässt keinen Frust aufkommen.

Dass "The Lost Chapters" eine Konsolenumsetzung ist, merkt man dem Spiel nicht an. Deutliche Verbesserungen an der Grafik und am Benutzerinterface sorgen dafür. Die PC-Fassung bietet wesentlich detailliertere Texturen als das Ur-"Fable", trotzdem bleibt der Titel optisch hinter anderen aktuellen zurück. Vor allem das kantige Design der Charaktere und die Darstellung von Wasser als schlichte blaue Fläche sind eben nicht mehr zeitgemäß. Dem Spielspaß tut dies im Gegensatz zu den langen Ladezeiten beim Wechsel von einer Location zur nächsten jedoch keinen Abbruch.

Auf dem PC steuert sich "Fable" per Tastatur und Maus wesentlich komfortabler als auf der Xbox. Elemente aus dem Inventar lassen sich komfortabel und schnell über frei belegbare Hotkeys aufrufen. Einfacher geht's kaum.

Mit "The Lost Chapters" scheinen wir nun das fertige Spiel in Händen zu halten, während "Fable" für die Xbox im Nachhinein wie eine unvollendete Vorstufe wirkt. Auch wenn man sich relativ flott bis zur Endsequenz vorarbeiten kann, bietet "Fable: The Lost Chapters" trotzdem eine Menge Langzeitmotivation. Es ist beispielsweise ungemein interessant, mit guten und bösen Verhaltensweisen zu experimentieren und zu erkunden, wie unterschiedlich die Spielewelt auf das Verhalten des Helden reagiert. Die "Verlorenen Kapitel" eignen sich sowohl für anspruchsvolle Rollenspieler als auch für Genre-Neulinge - trotz Einsteigerfreundlichkeit kommt die Komplexität nicht zu kurz. Ein rundum empfehlenswerter Titel.

Herbert Aichinger




Datum: 18.09.2005

Diskussion: "Fable - The Lost Chapters"

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