logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Der Krieg des Charlie Wilson
Der Krieg des Charlie Wilson

Der Krieg des Charlie Wilson

(tsch) Drei Ausnahmeschauspieler treffen in diesem amüsanten und doch hintergründigen Polit-Drama aufeinander: Tom Hanks verwaltet nicht mehr nur sein Imperium, sondern tritt als trinkfreudiger Kongressabgeordneter vor die Kamera. An seiner Seite Philip Seymour Hoffman und eine Julia Roberts, die tatsächlich von innen heraus glänzt. "Der Krieg des Charlie Wilson" ist ein lohnenswerter Film.

Anzeige
Counter

 

Charlie Wilson betreibt Politik in Texas. Das passiert im Zweifel so, dass er der Lässigere ist, lässiger im Drapieren der Cowboystiefel auf dem Beistelltisch, wo er sich noch vor dem Mittagessen ein wenig Hochprozentiges in seinen Kaffee mixen lässt. Wilson kann mit Menschen und die, mit denen er nicht kann, können ihn mal. Tippen, so befindet er breitbeinig, kann man seinen Sekretärinnen beibringen, und deswegen stellt er nur Dralle im Playmate-Format ein.

Schon in der ersten Szene liegt Wilson im Whirlpool. Doch von der semierotischen Einstellung soll man sich nicht täuschen lassen. Die Frauen interessieren den Playboy und Whikeyfan nur, wenn Zeit ist. Sein Blick ruht auf dem Fernseher, der die Nachrichten zeigt. Wilson ist ein Mann mit Verstand. Als in den frühen Achtzigern die Sowjetunion mit Afghanistan kämpfte, hatte der Kongressabgeordnete das Pech, hinschauen zu müssen. Er begann im Kleinen, fing an einzugreifen, reiste schließlich um die Welt und bildete Allianzen unter benachbarten Ländern. Besorgte eine Menge Geld, Millionen, die die afghanischen Freiheitskämpfer erhielten.

Das klingt nun alles dramatisch, nach einer Menge erforderlichem Vorwissen. Doch die Politik in diesem Drama ist, so viel Platz sie auch einnimmt, eher sekundär und zudem verständlich dargestellt.

Trotz des satirisch-bissigen Untertons geht es darum, zu zeigen, dass Dinge möglich sind, die kein Mensch glaubt. Dass ein Politiker, der viel zu klein ist, um wichtig zu sein, eine Menge ausrichtet. Seine Geschicklichkeit ist das Faszinierende. Eine Geschicklichkeit, die wiederum nicht ohne negative Folgen bleibt. Regisseur Mike Nichols erzählt mit vielen Nuancen und aus verschiedenen Blickwinkeln, das ewige Umdrehen der gleichen Münze macht seinen Film über diese wahre Episode im Weltgeschehen so geistreich.

Nicht zu glauben, wie Tom Hanks nach wenigen Minuten den Gestus dieses schmierig-sympathischen Typen verinnerlicht, eine Rolle, die augenscheinlich gar nicht zum biederen Oscar-Preisträger passen will. Eine Rolle, für die man ihm die Trophäe durchaus ein weiteres Mal antragen könnte. Doch die Academy hat sich nicht einmal zu einer Nominierung durchgerungen. Verkraftbar für den teuersten aller Schauspieler, denn dieses Drama ist ihm Anliegen genug.

Mit Pathos und einem ordentlichen Maß an Vaterlandsliebe wird nicht gespart. Amerika, so suggeriert Wilsons Krieg, ist Land der Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Da kann ein Frauenheld plötzlich das Richtige tun, mit Hilfe einer Jet-Set-Diva (Julia Roberts) und einem gescheiterten CIA-Agenten (Philip Seymour Hoffman), der bereits in der ersten Szene eine Glasscheibe mit dem Hammer zerschmettert. Sie alle sind keine Engel, aber auf ihre Art unglaublich geschickt und in ihrem Bereich gewiefte Taktiker. Hanks und Roberts ergeben ein perfektes Liebespaar, ein cleveres Team. Sie manipulieren, tricksen und sind stille Gewinner hinter ihrem lauten Wesen.

Mike Nichols trägt nichts zur Schau, dekoriert kaum. Überraschend sind die Akzente, die der Regisseur am Anfang und zum Schluss mit Kampfszenen setzt. Auf den ersten Blick sind deren Brutalität und Direktheit in dem leichtfüßig-verschmitzten Film mit seinem plumpen Charme deplatziert. Doch diese Menschenjagd bettet all die Duelle mit Worten in einen realistischen Rahmen. So geht es trotz aller Paragrafenverdreherei von Schreibtischtätern doch um Krieg. Und zum Schluss, wenn sich die Kämpfer in Afghanistan über ihre Gegenschläge freuen, bleibt - hoffentlich - dieses schale Gefühl.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Universal, USA 2007, R: Mike Nichols, D: Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman u.a.

Laufzeit: 102 Min.

Kinostart:
7. Februar 2008


Trotz des satirisch-bissigen Untertons in "Der Krieg des Charlie Wilson" geht es darum, zu zeigen, dass Dinge möglich sind, die kein Mensch glaubt.
Trotz des satirisch-bissigen Untertons in "Der Krieg des Charlie Wilson" geht es darum, zu zeigen, dass Dinge möglich sind, die kein Mensch glaubt. (Bildvermerk: 2007 Universal Studios)

Nicht alle sind vom Alleingang des Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks) begeistert.
Nicht alle sind vom Alleingang des Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks) begeistert. (2007 Universal Studios / Francois Duhamel)

Joanne Herring (Julia Roberts) macht Charlie Wilson (Tom Hanks) ein verlockendes Angebot.
Joanne Herring (Julia Roberts) macht Charlie Wilson (Tom Hanks) ein verlockendes Angebot. (2007 Universal Studios / Francois Duhamel)

Datum: 04.02.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Der Krieg des Charlie Wilson"

Um eine Diskussion zu "Der Krieg des Charlie Wilson" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 196447

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    War on Terror
    Das Zukunftsszenario, das Digital Realitys prachtvoller Echtzeitstrategie-Brocken "War on Terror" zeichnet, geht unter die Haut: In nur zwei Jahren soll die ganze Welt vollends in einen Krieg mit dem Terror ...

    Planet Terror
    Keine Frage: Robert Rodriguez ist ein Multitasker. Oder auch eine One-Man-Show. Er ist Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und auch gleich noch sein eigener Komponist. Nach "Sin City", "From Dusk Till ...

    "Planet Terror" erscheint später auf DVD
    Lieber spät als nie: Ursprünglich sollte Robert Rodriguez' Horror-Streifen "Planet Terror" mit Naveen Andrews ("Lost"), Freddy Rodriguez ("Six Feet Under") und Rose McGowan ("Charmed") in den Hauptrollen ...

    Planet Terror
    Sie wollten die billig produzierten Sex-, Karate-, Horror- und Actionfilme aus den Schmuddelkinos ihrer Kindheit wieder aufleben lassen - also taten sich die Regisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez ...

    The War Within - Vom Opfer zum Attentäter
    Die Täterperspektive hat in Hollywood nicht gerade Konjunktur. In der filmischen Verarbeitung des amerikanischen Terrortraumas brachte etwa Paul Greengrass den gekidnappten "Flug 93" über Pennsylvania ...

    München
    Auch wenn sich Steven Spielberg mit seiner Verfilmung der Biografie Abraham Lincolns einem patriotischen Thema widmet, kann man ihm Angst vor heikleren historischen Stoffen nicht vorwerfen. In "Schindlers ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 4132 - task = view - option = com_content - limitstart= 0