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Der Jane Austen Club

Der Jane Austen Club

(tsch) Frauenfilm, ruft es aus dem Kino heraus. "Frauenfilm!" mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter. Eine Handvoll Freundinnen lesen so lange die großen Romanzen von Jane Austen, bis sie ansatzweise im eigenen Leben passieren. Das ist für den Alltag der größte Nonsens, als romantische Komödie dank eines exzellenten Teams und einem überzeugenden Drehbuch sehr gelungen.

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Robin Swicord hat ein gutes Händchen bei der Auswahl der Darsteller. Die Damen von Kathy Baker über Amy Brenneman zu Maria Bello sind so sympathisch wie es die "Magnolien aus Stahl" seinerzeit im Jahr 1990 waren, als jener Film außer Konkurrenz bei der Berlinale lief.

Sylvia (Brenneman) wird von ihrem Mann (Jimmy Smits) verlassen. Sie aufzumuntern ist das ganze Unterfangen des Buchclubs. Und Jocelyn (Bello), die Hundezüchterin, soll über den Verlust eines Rassetieres hinweggetröstet werden.

Sie ist es, die sogar ein sanftmütiges Exemplar Mann für die Leseabende aufgabelt. Einer, der Abwechslung bringen könnte für Sylvia, so plant das die Kupplerin, ungeachtet der Tatsache, dass der junge Herr (Hugh Dancy - wenn der Nachname mal nicht Programm ist) schon in eine andere verliebt ist.

So geht das reihum, die Wirren des Lebens machen sie alle kirre. Prudie (Emily Blunt), die Lehrerin, vor allem, der das atemraubendste aller Schicksale blüht, als sie sich in einen Schüler verliebt. Dieser Klassiker unter den verbotenen Affären wird neu und unerwartet inszeniert, zeigt die Qualität, die die Autorin an den Tag legt.

Robin Swicord befasste sich mit Joy Fowlers Roman, nachdem sie, aus beruflichen Gründen, mehrfach Austens Werke und Briefe durchgeackert hatte. Sie kehrte zurück von der Analytik zur Schutzsuche. Dieses wohlige Gefühl, das einem Bücher geben, wenn man in sie versinkt.

Austen füttert Frauen, befriedigt den Wunsch nach Geborgenheit, nach der großen Liebe und nach Gerechtigkeit. Die Autorin formuliert dies so: Die Figuren in Austens Welt machen sich Sorgen um Geld, müssen mit peinlichen Familienmitgliedern fertig werden, gesellschaftliche Kränkungen einstecken und verbringen viel mehr Zeit, als sie sollten, mit der Hoffnung, sich zu verlieben. Sie sind wie wir, nur ohne die Zwölf-Stunden-Arbeitstage. Mutig findet sie Fowlers Roman, weil er im Jetzt einen altmodischen Buchclub gründet, eine wirkliche Gemeinschaft, kein virtueller Chat.

Man muss Jane Austens Romane nicht zwingend kennen, um mit den Filmfiguren und ihren Motiven aus dem "Jane Austen Club" etwas anfangen zu können. Doch die weite Verbreitung der britischen Autorin und die Schwemme an Leinwandadaptionen erleichtern der sympathischen Komödie natürlich den Zugang zu einem größeren Publikum.

So oberflächlich die romantischen Ausflüge anmuten, so durchdacht sind jene Romane des 19. Jahrhunderts. Denn nicht die Liebe allein bestimmt das Geschehen. Es geht vielmehr um Verantwortung füreinander, um das Vermeiden von Demütigungen und - um sympathische Männerrollen. Das eint Robin Swicord mit Jane Austen. Swicord hat in der Vergangenheit Betörendes wie "Die Geisha" oder Liebenswertes wie "Betty und ihre Schwestern" verfasst. Sie nun als Debütantin im Regiestuhl zu bezeichnen, fällt schwer. Denn die erfahrene Schreiberin inszeniert souverän, arrangiert nie einfältig.

Wenn sie diese Frauen und den einen Mann aufeinander loslässt, weitet die 55-Jährige verlässlich die Herzen ihrer Zuschauer.

Noch lange werden sie darüber diskutieren, ob man ausprobieren muss, um zu wissen - oder ob man sich selbst gut genug kennt, um Eventualitäten auszuschließen. Dieser Buchclub trägt sie alle weg. Doch nicht wegen seiner Überdosis Schaum und Romantik. Es ist vielmehr die Bissigkeit, das Gewitzte, das Kluge, das Überkandidelte und der kleine Hoffnungsschimmer, was diesen Film so kurzweilig macht. So lange, bis man dann da sitzt und unbewusst dieser Handvoll Frauen beide Daumen drückt. Ob allerdings das Urteil von Männern so ausfällt, bleibt ein wenig fraglich.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2007, R: Robin Swicord, D: Maria Bello, Kathy Baker, Emily Blunt u.a.

Laufzeit: 105 Min.

Kinostart:
7. Februar 2008


Sechs kunterbunt zusammengewürfelte Persönlichkeiten diskutieren über sechs Bücher von Jane Austen.
Sechs kunterbunt zusammengewürfelte Persönlichkeiten diskutieren über sechs Bücher von Jane Austen. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Bernadette (Kathy Baker) gründet den "Jane Austen"-Buchclub.
Bernadette (Kathy Baker) gründet den "Jane Austen"-Buchclub. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Prudie (Emily Blunt) und Dean (Marc Blucas) haben es sich mit einem Buch im Bett gemütlich gemacht.
Prudie (Emily Blunt) und Dean (Marc Blucas) haben es sich mit einem Buch im Bett gemütlich gemacht. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 05.02.2008

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