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Leona Lewis
Leona LewisSoulsängerin Leona Lewis (tsch) Als "die nächste Whitney Houston" wurde sie uns angekündigt, als neuer Mega-Giga-Superstar und als "die bessere Celine Dion". Ob wir in Deutschland aber eine neue Whitney oder Celine brauchen, wo viele doch schon die alten nicht mehr hören wollen, war fraglich. Noch dazu, weil diese neue Whitney als Produkt aus der britischen TV-Talentsuchshow "The X Factor" hervorgegangen ist. Aber die Plattenfirma behielt Recht: Leona Lewis ist mit dem Song "Bleeding Love" die neue Nummer eins - nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Erde. Anlässlich ihres Debütalbums "Spirit" kam sie zum Interview nach München. Anzeige Dass ein Talentshow-Sieger im Licht der Öffentlichkeit steht, ist bekannt. Dass er mehr als nur nationales Interesse evoziert, kommt hingegen selten vor. Leona Lewis aber wurde, noch während sie in der Castingshow "The X-Factor" um ihr Weiterkommen zitterte, von zwei wichtigen internationalen Musikmagnaten unter die Fittiche genommen: von ihrem britischen Landsmann und Sony-Manager Simon Cowell, auch Juror beim US-Castingshow-Pendant "American Idol", und von der wandelnden Musikbiz-Legende Clive Davis, Chef von J-Records und Entdecker von Alicia Keys und - Whitney Houston. Dass sich diese beiden Größen auf ein junges, schüchternes Ding aus einer Castingsendung stürzten, kommt nicht von ungefähr: Sie setzten auf Leonas außergewöhnlich gute Stimme, ihre unverbrauchte Frische und ihr zauberhaftes Multikulti-Aussehen, das von einer walisisch-irisch-italienischen Mutter und einem afrikanischen Vater mit Wurzeln in Guinea stammt. Dazu entwaffnet Leona mit unprätentiösem Charme, mit ihrer verletzlichen, authentischen Ausstrahlung und einer ehrlichen, positiven Haltung. Sie hat einen festen Freund, ist treu, bodenständig und aus einer Londoner Commonwealth-Mix-Ecke, in der das Leben zwar hart, aber herzlich ist. Ihre Eltern saßen in der TV-Show zitternd und mit Tränen in den Augen im Publikum. Ihr ist nichts in den Schoß gefallen. Das mag der Volksgeschmack. Trotzdem hat Leona Lewis internationales Format, das sie erst im Rahmen der viermonatigen Sendung entfaltete. Sie verfügt über eine stadionfüllende Stimme und den Look eines Topmodels. Und nun, da man ihr international gültige Songs auf den Leib schneiderte, deren tragender Soulpop die niederen Bedürfnisse von Asiaten, Amerikanern oder Europäern gleichermaßen befriedigt, hat sie auch eine großartige Karriere eingeschlagen. Auch wenn sie der "Stern" ob der Unentschlossenheit des Stils als "singenden Modellbaukasten" bezeichnete. Trifft man die 22-Jährige - gefühltes Alter 16 -, wirkt sie ein wenig verlegen, wie eine Schulabgängerin bei ihrer Abschlussrede. An ihre Musik hat sie unkomplizierteste Ansprüche: "Für mich ist das Wichtigste, dass sich möglichst viele Menschen meinen Songs anschließen können. Die Tatsache, dass nun so viele Leute in die Läden gehen und mein Album kaufen, sagt mir, dass sie sich damit identifizieren können." Dass sich die Käufer dabei gar nicht mit ihren eigenen Inhalten, sondern mit denen unzähliger Profi-Komponisten und -Producern identifizieren, stört Leona nicht weiter: "Es gibt zwei Songs auf dem Album, die ich mitschrieb: 'Whatever It Takes' und 'Here I Am'. Außerdem kann ich mich mit den Songs identifizieren, sie wurden für mich geschrieben. Und das Cover 'The First Time Ever I Saw Your Face' ist einer meiner Lieblingssongs, seit ich denken kann." - Ein Roberta-Flack-Lied, das auch von Celine Dion gecovert wurde. Auf dem nächsten Album aber möchte Leona mehr Eigenes hören, schließlich schreibt sie auch selbst Songs: "'Here I Am' handelt von Freundschaft, von echter Treue. Ich bin sehr aufgehoben in einem starken Kontext von Freunden und meiner Familie. Alle lieben mich bedingungslos. Ob ich nun berühmt bin oder nicht." Selbst nun, da sie bereits Prinz Charles ein Ständchen singen durfte, stehen ihre Freunde zu ihr: "Ich hörte oft, dass sich Freunde abwenden, wenn man berühmt wird, aber da hatte ich Glück. Ich kenne alle schon so lange, dass sich nun niemand an meiner Karriere stört. Sie standen in der ersten Reihe, als ich in verrauchten Schmuddelpubs vor 20 Leuten auftrat. Und nun sind sie immer noch da!" Nur die Tatsache, dass Leona plötzlich auf der Straße erkannt wird, befremdet sie: "Ich bin doch nur Leona", denkt sie dann, "das Mädchen von um die Ecke!" Die Ecke, das war im Londoner Stadtteil Islington. Dort lebte die Familie Lewis ein normales Leben, fröhlich und arbeitsam, dazu stets ein bisschen pleite. Dem keltischen Erbe ihrer Mama Maria, einer Sozialarbeiterin und Teilzeit-Ballett-Lehrerin, verdankt Leona die eleganten Sprünge von der Kopf- zur Bruststimme, kleine Kiekser, die ihr helfen, ihre Stimme von denen der anderen Souldiven abzuheben. Dazu kommen italienisches Temperament und Schönheit sowie der tiefe Soul ihres afrikanisch-stämmigen Vaters Joe, ebenfalls ein Sozialarbeiter und dazu ein begeisterter Hobby-DJ: "Mein ganzes Leben war von Musik und Tanz begleitet. Mein Dad spielte mir seine Soulplatten vor und meine Mama tanzte Ballett mit mir. Schon mit fünf Jahren wollte ich Sängerin werden." Leonas Eltern pochten stets darauf, dass ihre Kinder ihre wahre Passion entdecken und danach leben sollten. Leona hat zwei Brüder, Kyle (21) und Bradley (26). "Der eine begeisterte sich für Autos, das ist sein Ding, Karosserien, Motoren, er wollte Automechaniker werden. Der andere ist fasziniert vom Film, davon, wie er entsteht und gemacht wird. Er ist nun in einer Produktionsfirma tätig. Auch meine Brüder sind ihren echten Interessen gefolgt." Die Mutter bezahlte der kleinen Leona Gesangs- und Tanzstunden, so lange Geld da war. Mit fünf Jahren durfte sie auf die "Sylvia Young Theatre School", obwohl der teure Unterricht die Familie finanziell fast ruinierte. Dafür lernte sie bereits mit acht Jahren klassischen Gesang und Jazz. "Glücklicherweise bekam ich mit 14 ein Stipendium an der Brit School, eine Performing Art School. Mit 17 verließ ich die Schule, um in der Musikbranche Fuß zu fassen, sang Studiosessions, kleine Konzerte und Jingles." Aber nichts passierte, ein Debütalbum namens "Twilight" entstand, kam aber nie heraus. Eigentlich war sie schon bereit, aufzugeben. Ihr Sandkastenfreund, der 24-jährige Elektriker Lou Al-Chamaa, mit dem sie seit fünfeinhalb Jahren zusammen ist, überredete sie, bei "The X Factor" mitzumachen. Der Rest ist Geschichte. Eine der erfolgreichsten Newcomergeschichten aller Zeiten, die mit der Show, dem Sieg und einem Ein-Million-Pfund-Plattenvertrag bei Sony BMG begann. Inzwischen unterschrieb Leona einen Sechs-Millionen-Euro-Vertrag über sechs Alben - ein Rekord für Newcomer. Leona scheint eine Frau der Superlative zu sein: Vier Tage nach dem Finale erschien Lewis' Debütsingle "A Moment Like This", und schon vor Ausstrahlung des Finales kam sie auf eine Million Vorbestellungen. Die Nachfolgesingle "Bleeding Love" wurde in England im Oktober 2007 veröffentlicht und ging am ersten Tag mehr als 66.000-mal über die Ladentheke. Damit gehört der Song zur erfolgreichsten "Ersten Woche" einer Single im Jahr 2007. Sie erreichte Platz eins der englischen und inzwischen auch der deutschen Charts, und das Album "Spirit" verkaufte weltweit bereits 13 Millionen Einheiten. Die Rechnung der Plattenbosse ist aufgegangen. Bleibt zu hoffen, dass Leona bald selbst das Sagen hat, wenn es um die Auswahl der Songs geht, und dass sie ein so wunderbarer Mensch bleibt, wie sie momentan zu sein scheint. Kati Hofacker |
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