Alain Delon
Geheimnisvoller EinzelgängerSchauspieler Alain Delon (tsch) Das Leben, ein Drahtseilakt: Alain Delon, der geheimnisvolle Mann mit den stahlblauen Augen, will nicht fassbar sein. Dabei ist das öffentliche Urteil längst gefällt: Das Klischee des schönen, eiskalten Ganoven haftet ihm an, seit er in diversen Rollen skrupellose Bösewichte verkörperte. Eine gewisse Affinität zum Verbrechen kann man der "Film-Noir"-Ikone auch nicht absprechen: "Wäre ich nicht Schauspieler geworden, hätte ich gerne auch die Gangsterlaufbahn eingeschlagen", gab Delon einmal im Interview zu. In den letzten Jahren hat sich der 72-jährige Franzose auf der Leinwand rar gemacht und die künstlerische Qualität der französischen Filme beklagt. Für die Rolle des großen Helden ist er aber immer noch zu haben: In "Asterix bei den Olympischen Spielen", der am 31. Januar ins Kino kommt, übernahm er den Part des römischen Kaisers Julius Caesar. Anzeige Im Herbst 2005, kurz vor Delons 70. Geburtstag, verkündete das französische Magazin "Paris Match" die alamierende Nachricht: Der alternde Schauspieler sei einsam, depressiv, gar lebensmüde und nur durch die Liebe einer Dame zu retten. Alain Delon, der Frauenheld, der Herzensbrecher, der makellos schöne Adonis, sucht auf diesem Weg nach einer Partnerin? Oder war es einfach nur Zeit für einen Persönlichkeitswandel? "Mein Image ist das des knallharten Mackers. So einer darf keine Schwächen zeigen. Aber mir ist das scheißegal. Ich nehme mir das Recht zu sagen, was ich denke", sagte er kampfeslustig dem "Stern". Berechnend, arrogant, egoman sei er, sagen die einen, charmant und liebevoll, urteilen andere. "Ich liebe es, dass man mich liebt, wie ich liebe, wenn ich liebe - mit Haut und Haaren, leidenschaftlich, besitzergreifend, verrückt", philosophierte Delon und berichtete von zahlreichen Avancen seit Bekanntwerden der vermeintlichen Todessehnsucht. Ihn retten wollen die Frauen: "Aber was soll das? Sie meinen ja nicht mich, sie meinen den Mythos Delon. Und den hält keine aus." Auch die deutsche Schauspielerin Romy Schneider, mit der er von 1959 bis 1964 eine schlagzeilenträchtige Beziehung führte, wäre an ihrer Zuneigung zu dem "Enfant terrible" fast zerbrochen. "Lieber eine unglückliche Leidenschaft erleben als im Glück schnarchen", bekannte die "Sissi"-Darstellerin zwar, schnitt sich jedoch die Pulsadern auf, als sie von Delon wegen der Aktrice Nathalie Bathélemy verlassen wurde. Mit viel Glück konnte Romy Schneider vor dem Suizid gerettet werden. 1968 stand das ehemalige Bohemien-Traumpaar nach "Christine" (1958) wieder gemeinsam vor der Kamera - für die dunkle Dreiecksgeschichte "Der Swimmingpool". Bis zu ihrem Tod 1982 waren die beiden eng befreundet, "Adieu, ma puppele" schrieb Delon in einem Abschiedsbrief, den "Paris Match" im gleichen Jahr veröffentlichte. Auch die anderen Beziehungen, aus denen insgesamt drei Kinder hervorgingen, waren zum Scheitern verurteilt. Zuletzt verließ ihn vor einigen Jahren seine zweite Frau Rosalie. Delon lebt heute mit mehreren Hunden und Pferden zurückgezogen in dem kleinen Dorf Douchy, 130 Kilometer entfernt von Paris. "Meine Tiere", blickt er resigniert zurück, "haben mich nie enttäuscht und mein ganzes Leben lang glücklich gemacht". Vieles aus der Vergangenheit des Schauspielers, gerade der Kindheit, bleibt rätselhaft, geheimnisvoll, unausgesprochen. Geboren am 8. November 1935 in Sceaux, wuchs Delon nach der Trennung seiner Eltern bei einer Pflegefamilie in Fresnes auf. Nach diversen Schulverweisen und einem Internat-Aufenthalt trat er bereits mit 17 Jahren in die französische Armee ein und zog als Fallschirmjäger in den Indochinakrieg. Beteiligung an Folter, Mord - darüber schweigt sich der Franzose aus, sagt jedoch rückblickend: "Das war die glücklichste Zeit meines Lebens. In einer einzigen Nacht habe ich dort die Gesetze des Dschungels und des Tötens gelernt und mich, mit der Waffe in der Hand, als richtiger Mann gefühlt." Das ist die andere, dunkle Seite des erklärten Patrioten und Napoleon-Verehrers Alain Delon. Die Klischees kommen nicht von ungefähr, immer wieder wurden ihm (unbewiesene) Verbindungen zur Unterwelt nachgesagt. Auch auf der Leinwand spielt er am liebsten den eiskalten Verbrecher: "Die Killer lassen bitten" war 1957 seine Film-Premiere. Unvergessen sind auch seine Auftritte als charmanter Mörder Tom Ripley in "Nur die Sonne war Zeuge" (1960) oder als Profikiller Jef Costello in dem Meisterwerk "Der eiskalte Engel" (1967). Rollen, die das Image definierten. Waren die 70-er und die 80-er noch von großem Schaffensdrang geprägt, zog sich der schöne Schauspieler in den Folgejahren zunehmend vom Kino zurück: Es genügte seinen hohen Qualitätsmaßstäben nicht mehr, wie er einmal sagte. Seit 2000 drehte Delon nur noch sporadisch, hauptsächlich fürs Fernsehen. Der Blockbuster "Asterix bei den Olympischen Spielen" ist sein erster Kinofilm seit über zehn Jahren. Und auch wenn die Komödie bei den Kritikern durchfiel, für Alain Delon war es ein Wunsch-Movie, wie er in einem Interview bekannte: "Ich habe das Drehbuch gelesen, die letzte Seite umgeschlagen und gesagt: Ich bin dabei. Wenn ich einen letzten Film in meinem Leben, innerhalb meiner Karriere machen will, dann diesen." Es wäre ihm zu wünschen, dass er diese Aussage nochmal überdenkt. Denn die Realverfilmung der beliebten Comic-Reihe kann in den Kategorien Charakterzeichnung, Dramaturgie und Inszenierung kaum überzeugen. - Auch wenn Alain Delon den narzisstischen Caesar mit viel Leidenschaft und Selbstironie spielt. Jana Große |
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