(tsch) Regisseur F. Gary Gray scheint sich zu einem Spezialisten für skurrile Fortsetzungen zu entwickeln. Nach seinem Remake von "The Italian Job" bereitet er gerade "The Brazilian Job" vor. 2005 führte er zehn Jahre nach dem Original die Gangster-Komödie "Schnappt Shorty" fort. Wenngleich diese inhaltlich nicht viel zu bieten hatte, was sich weiter erzählen ließe. Gray setzte auf vollkommene Coolness. Allein der Titel steht für ein propagiertes Lebensgefühl: "Be Cool". Nun kommt die auf Hochglanz polierte Gauner-Posse dank ProSieben ins Free-TV und offenbart erneut, dass heute keine Geschichte mehr nötig ist, um lustige Geschichten zu erzählen.
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Chili Palmer, erneut in fast schon lethargischer Eleganz dargeboten von John Travolta, hat keine Lust mehr auf das Filmgeschäft. Er will sich ins Musikbiz vorwagen. Die Frau eines (gerade von der russischen Mafia auf offener Straße erschossenen) Freundes reizt ihn nicht nur ob ihres musikalischen Riechers, sondern vornehmlich durch ihre körperlichen Vorzüge: Uma Thurman gefällt sich sichtlich in knapper Bikini-Wäsche. In einer munter zusammengeworfenen Mischung aus Vorurteilen über das verbrecherische Geschäft, die nur gut 331.000 deutsche Kino-Zuschauer hatte, findet das einstige "Pulp Fiction"-Traumpaar wieder zueinander.
Chili entdeckt in einer Bar eine Sängerinnen-Sensation, was er intuitiv zu nutzen weiß. Er formt das hübsche Talent (Christina Milian) zu einem Superstar. Das ist alles einfach gestrickt, und aus zwingender Notwendigkeit entzündet sich am Erfolg des Goldkehlchens ein Krieg der Musik-Mafia. Da entpuppen sich erfolgreiche schwarze Produzenten, die ihre Kinder liebevoll und in absolutem Luxus aufziehen, als grobschrotige Gangster mit Geländewagen, die derart aufgemotzt nicht einmal in den protzigsten Videoclips bei MTV durchs Bild fahren würden. Die Chefs von Plattenfirmen kämpfen um ihre vertraglich geknebelten Sangespüppchen, indem sie mitunter gerne auch mal Scharfschützen anheuern, um Konkurrenten auszuschalten. Das ist in der schieren Übertreibung der Inszenierung durchaus amüsant.
Eine Überraschung ist, dass der schauspielernde Wrestler "The Rock", mit bürgerlichem Namen Dwayne Johnson, die Lacher für sich verbuchen kann (ob ihm das noch einmal gelingt, ist ab 27. März in der Kinokomödie "Daddy ohne Plan" zu sehen). Als Bodyguard, der von der großen Hollywoodkarriere träumt, spielt er Comedy-Stars wie Vince Vaughn und Danny DeVito locker an die Wand. Vor allem für Videoclip-Junkies kann diese millionenschwere Parodie mit erzählerischen Unwuchten zu einem humorigen Feuerwerk avancieren - schließlich versucht sich auch ein Rapper von Outkast auf der Leinwand.
Chili Palmer will mit seiner alten Freundin Edie (Uma Thurman) eine angeschlagene Plattenfirma wieder fit machen. (ProSieben / Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.)
Als neuer Manager der Sängerin Linda Moon hat Chili Palmer (John Travolta, links) ein Supertalent und mit seiner alten Freundin Edie (Uma Thurman), Besitzerin von NTL-Records, auch eine Plattenfirma an der Angel. (ProSieben / Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.)
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