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Sylvester Stallone
Zurück über den KampfSchauspieler Sylvester Stallone (tsch) John Rambo sollte sterben. Das sah nicht nur die Romanvorlage vor. Ein solches Ende wurde tatsächlich gedreht. Quentin Tarantino sprach Sylvester Stallone einmal darauf an. "Es war ein Fehler, Rambo damals nicht umkommen zu lassen", sagte er, die beiden Fortsetzungen im Blick. "Aus künstlerischer Sicht magst Du recht haben", antwortete Stallone und zitierte Kirk Douglas: "Not artistic, but commercial." Nun, da mit "John Rambo" der vierte und mit Abstand brutalste Film der Reihe in die Kinos kommt (Start: 14.02.), lässt sein Autor, Regisseur und Hauptdarsteller keine Gelegenheit aus, auf die politische Situation in Birma hinzuweisen. Und Sätze zu sagen wie diesen: "Krieg ist die Hölle, und er wird nie einen Sieger haben." Wohl aber räumt er gleichsam ein, dass die Wiederweckung der alten Helden die einzige Chance war, die Sly - den Vornamen Sylvester mag er nicht sonderlich - noch blieb. Anzeige
Stallone ist eine der interessantesten Figuren Hollywoods, lassen sich doch an seiner Karriere viele Mechanismen der Branche ablesen. Arnold Schwarzenegger und er - das waren die prominentesten und sicher auch besten Actionhelden der 80er-Jahre, jener Zeit, in der es im Kino an allen Enden knallte und krachte und Science-Fiction George Lucas vorbehalten war. Mit "Terminator 2" drehte Schwarzenegger den spektakulärsten Actionfilm aller Zeiten. Mit "First Blood" (1982), dem ersten "Rambo", schuf Stallone den wahrscheinlich besten. In den Jahren darauf ließ er zwei Fortsetzungen folgen, die auf bloße Ballerei und auf ein wenig Komik setzten, von der Presse aber zu Recht verrissen und vom Publikum belächelt wurden. Nun will er wieder anknüpfen an alte Zeiten. Was bleibt ihm übrig? Zum Gouverneur eignet er sich nicht (wohl aber unterstützt er seinen Freund Arnold Schwarzenegger bei jeder sich bietenden Gelegenheit). Er hat es versucht. Stallone drehte Komödien ("Ich mag das Genre, aber es ist einfach nicht das Richtige für mich"), drehte geistreiche Dramen. Für "Copland", in dem er einen gescheiterten Polizisten spielt, gab er sich mit gerade einmal 60.000 Dollar Gage zufrieden, doch sein Publikum begleitete ihn nicht ins nächste Stadium. Noch 2002 hatte Stallone Fortsetzungen von "Rocky" und "Rambo" aus Altersgründen kategorisch ausgeschlossen. Nun gibt es beide, und der 61-Jährige lächelt Kritik an der Glaubwürdigkeit dieser Figuren locker weg. Wie ihm überhaupt die Fähigkeit zur Selbstironie in diesen Tagen zugutekommt. "Das war's. So etwas mache ich auf keinen Fall noch einmal. In meinem nächsten Film sitzen zwei Leute an einem Tisch und unterhalten sich." Eine "brutale Erfahrung" sei der Dreh zu "John Rambo" gewesen, erinnert sich Stallone an die Arbeit in Nordvietnam. Temperaturen über 40 Grad, ein Set mitten im Dschungel. 165 verschiedene Schlangenarten. Davon 90 giftig. Stallones Worte an die Crew: "Wir erleben hier etwas ganz Besonderes. Wenn wir hier fertig sind, werden wir aufatmen, aber wir werden uns auch hierher zurücksehnen." Die Beteiligten, 570 Leute waren es bei "John Rambo", erinnern sich allesamt voller Faszination an den beinharten Dreh. Überschwänglich lobende Worte für Regisseure sind nichts Außergewöhnliches in Hollywood, doch in diesem Fall klingen sie nach. Stallone - der Organisator, der Motivator, der Strippenzieher. Kurze, bisweilen gar "brutale" Anweisungen als Regisseur. Und rücksichtsloser Umgang mit sich selbst als Darsteller. Nur einen Stunt (ein Sprung von einem Berg bei einer Explosion) hat er nicht selbst gemacht. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Doch soll sich der gebürtige New Yorker mit dem Film für weitere Aufgaben hinter der Kamera empfohlen haben. Zwei neue Projekte aus dem Actiongenre sind angedacht. Stallone genießt die wieder gewonnene Verantwortung. "Falls etwas schiefgeht, muss ich es nicht bedauern. Dann sage ich mir: Ich habe mein Bestes gegeben. Ich kann niemandem die Schuld geben außer mit selbst." Und, das gibt er zu: Die Angebote, die das neue Hollywood einem Alten wie ihm unterbreitet, sind selten. Stallone muss es schon selbst richten. Unterstützt wird er dabei von seiner Familie, zuvorderst seiner dritten Ehefrau Jennifer Flavin, mit der er drei Kinder hat (dazu kommen zwei aus seiner ersten Ehe). Mit ihr lebt er gemeinsam in Los Angeles. Sie sei, erinnert er sich, den Wiederaufnahmen von "Rocky" und "Rambo" gegenüber nicht gerade positiv eingestellt gewesen. Doch gerade der Achtungserfolg von "Rocky Balboa" überzeugte sie - und nicht nur sie - davon, dass einer wie Sylvester Stallone auch im von der Jugend dominierten Hollywood noch seine Chance hat - sofern er sie denn zu ergreifen bereit ist, den Glauben an sich bewahrt und sich dabei ernst nimmt. Um eine Komödie zu promoten, ließ sich Sylvester Stallone einmal auf einen Kurzbesuch im mexikanischen "Big Brother"-Haus blicken. So etwas käme für den neuen Stallone nicht mehr in Frage. Weil er wieder der Alte ist ... Tom Ruder |
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