Zuletzt hatten Slut schlichtweg Pech. Rechtliche Auseinandersetzungen, die so ganz offenbar nicht zu erwarten waren, verhinderten die Veröffentlichung ihrer Version der "Dreigroschenoper". Was das werden hätte können, oder was das wurde - vermutlich liegen irgendwo in einem Keller in Ingolstadt die Masterbänder herum - zeigte eine EP, die's zumindest in die großen Download-Portale schaffte. Dass die Band, die nach dem letzten Studioalbum "All We Need Is Silence" eigentlich alles ad acta zu legen schien, trotzdem weitermacht, ist eine schöne Sache und ganz offenbar so etwas wie eine Notwendigkeit. "StillNo1" ist eine dementsprechend zwingende Platte, die keine Rücksicht auf sich selbst nimmt und die sich ihre Einflüsse in der eigenen Bandgeschichte, aber auch beim britischen Pop der Frühneunziger holt.
"We're still Number One" heißt es, knapp bilanzierend im Titeltrack. "If I could do it, i'd change nothing" wenig später. Musikalisch wird das von breit angelegten Indie-Gitarren begleitet, die sich zu jenem Wall Of Sound türmen, den sich deutsche Bands eigentlich eher selten zutrauen. Das folgende "If I Had A Heart" geht noch weiter. Simple Bilder sind es, die hier gezeichnet werden. Slut verschlüsseln kaum. Das erledigt die Musik, hier etwa in Form von Streicher-Synthies, die sich leicht windschief als Stichwortgeber für Sänger Christian Neuburger generieren.
Es fällt schwer, auf "StillNo1" so etwas wie Schwachpunkte auszumachen. Natürlich, die erste Single "Wednesday" fällt etwas aus dem Rahmen und ist nicht unbedingt repräsentativ für diese ja doch eher laute Platte, in deren Kontext dieser Psychedelic-Piano-Ansatz gezwungen wirken mag. Aber schlecht ist der Song natürlich nicht, nur eben störrisch weit weg vom Rest der Lieder, von diesen rücksichtslosen und manchmal toll euphorisierenden Pop-Krachern, von denen "Odds And Ends" übrigens der beste ist. Bemerkensweit, wie weit draußen Slut mittlerweile angekommen sind, wie weit sie sich von den Genre-Beliebigkeiten entfernt haben. Dass sie es schaffen, gleichzeitig dem Vorgänger treu zu bleiben und mehr Offenheit, mehr Breite zu schaffen, ist da wohl der beste Beweis für.
Jochen Overbeck
Datum: 12.02.2008
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