(tsch) Was wird eine Band machen, nachdem sie eine Herbsttour und den erfolgreichen Start eines neuen Albums hinter sich gebracht hat? Sich auf die Weihnachtseinkäufe vorbereiten, dem Nikolaus eine unnötige "Best Of" in den Stiefel schmuggeln oder ganz einfach auf der faulen Haut liegen? Nicht so Subway To Sally. Wer die Bühnen liebenden Sympathieträger der deutschen Szene kennt, der weiß: Kurze Pause und weiter geht's. Am 14.12. beginnt ihre Weihnachtstour.
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"Wir haben einen wahnsinnig erfolgreichen ersten Tourblock hinter uns. Erfolgreich nicht nur in dem Sinne, dass die Häuser voll waren, sondern auch in dem Sinne, dass wir emotional sehr viel mit nach Hause genommen haben", so das Resümee von Texter und Gitarrist Bodenski. Die passende Erklärung dafür hält er bereits parat: "Es gibt einfach noch keine Routine im Hause Subway To Sally, sondern wir können uns immer noch darüber freuen, dass die Leute zu uns kommen und zu uns halten." Nicht umsonst gilt die Truppe als eine der besten Live-Bands Deutschlands. Aber nicht nur das: Die DVD "Nackt" befindet sich auf der Zielgeraden zur Goldauszeichnung, und ihr jüngstes Kind, ein ausgewachsener "Bastard", kennt sich in den hiesigen Charts ebenfalls bereits bestens aus.
Dieser wurde natürlich gebührend in die Konzertwelt eingeführt: "Die Reaktionen der Leute auf die neuen Songs waren außergewöhnlich gut. Es gibt ja gerade auf dieser Platte eine Menge Songs, die im Vorfeld schon fast als Hits gehandelt wurden: 'Meine Seele brennt', 'Auf Kiel', 'Tanz auf dem Vulkan'. Die funktionieren auch alle super, der heimliche Knaller jedoch ist komischerweise 'Die Trommel'. Der besitzt ein Potenzial, das uns selber überrascht hat", gesteht Bodenski. Die genannten Titel mögen ein Indiz dafür sein, dass die enorme Bandbreite von "Bastard" auch live begrüßt wird. Auf dem Album stehen metallische Riffs neben balladesken Tönen sowie Momenten, in denen einige Fans an frühere Zeiten zurückdenken werden. "Es gibt ein paar Elemente, die in Verbindung mit Platten wie 'Foppt den Dämon' oder 'Bannkreis' zu sehen sind, und wir wollen auch in Zukunft nicht aus den Augen lassen, wo wir herkommen", bestätigt Bodenski. Nebenbei, der Mann heißt eigentlich Michael Boden. "In der zehnten Klasse habe ich in einem Theaterstück mitgespielt. Es stammte von einem polnischen Autor, und der Regisseur hat an alle Namen seiner Schauspieler diese polnischen Endungen gehängt. Bei mir kam Bodenski raus, und seit der Zeit ist das mein Spitzname, meine zweite Haut."
Der Spitzname ist geblieben, die Band hat sich verändert. "Wir sind den langen Weg gegangen: über irische und schottische Volksmusik, über Mittelalter- und Renaissancemusik. Wir haben uns mit diesen Dingen, die an der Wiege unserer eigenen Musikkultur stehen, auseinandergesetzt." Viele Elemente der Vergangenheit sind auf "Bastard" wiederzufinden. "Wir haben diesmal alles nur danach beurteilt, ob uns der Song gefällt oder nicht, und haben da alles reingepackt, was wir an Möglichkeiten haben", so die Erläuterung. "Wir sind mit dem, was wir über die Jahre gemacht haben, vollkommen im Reinen. Wir hatten Platten wie 'Engelskrieger', die sehr karg waren", holt Bodenski aus. "Dort war sehr wenig von den Melodien und Instrumenten vorhanden, die mit unserer frühen Zeit verbunden werden. Aber auch das war ein Befreiungsschlag, und ich versuche die Leute immer wieder daran zu erinnern, in welcher Zeit dieses Album entstanden ist. Das war 2001, direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Damals war die Welt für einen Augenblick völlig anders, und das musste natürlich verarbeitet werden."
Nach dem "Engelskrieger" kam "Nord Nord Ost", welches durch die Konzentration auf den Gitarristen Ingo Hampf ebenfalls ein sehr spezielles Album geworden ist: "Nord Nord Ost' war - und das war so gewollt und wurde von der Band unterstützt - die Umsetzung der Vision eines Einzelnen. Das war ein Experiment von uns und wir würden so was jederzeit wiedermachen, wenn es Sinn macht. Um den Prozess weiter spannend zu halten und weiter kreativ zu sein, muss man verschiedene Wege gehen. Das ist das, was wir rückblickend auch anderen Bands mit auf den Weg geben können. Wenn du dich immer auf die gleiche Art und Weise in den Proberaum stellst und die Songs ausarbeitest, dann fängst du irgendwann an, dich zu wiederholen."
Damit sind wir zurück in der Gegenwart. Ein "uneheliches Kind eines hochgestellten Vaters und einer Mutter aus niedrigerem Stand", so lautet eine der Bedeutungen des Wortes "Bastard". Wer sind denn die Eltern des Albums? "Augenzwinkernd muss man sagen, dass diese Platte eine Mutter und viele Väter hat. Frau Schmitt hat zum ersten Mal zwei Songs mit beigesteuert. Als Autoren waren so viele Leute, wie lange nicht mehr beteiligt. Ein anderer Grund, warum wir die Platte so genannt haben, ist der, dass dieser Titel etwas trotzig ist und für den Charakter der Platte steht. Sie rockt ja und ist ein bisschen rauer als der Vorgänger, der sehr lyrisch und episch war."
Das Rocken wird auch bei den kommenden Live-Konzerten wieder eine tragende Rolle einnehmen, wenngleich Subway To Sally weitaus mehr zu bieten haben: "Ich glaube, dass zu uns Leute kommen, die mehr wollen als nur Songs, die drei Harmonien und eine Hookline haben. Leute, die ein bisschen nach Tiefe und Ernsthaftigkeit suchen, ohne dabei zu vergessen, dass man auch feiern kann. Unsere Konzerte sind ja nicht traurig, sondern eine Ode an das Leben. Auch wenn wir manchmal von Blut, Teufel und Tod singen, geht's ja eigentlich um die Liebe zum Leben. Ich glaube, dass wir ein Anti-Angebot zu diesem banalen Zeug sind, welches über die Medien auf die Leute einstürmt." Wenn es jemand noch nicht getan hat: Es wird höchste Zeit, dieses Angebot anzunehmen.
14.12., Lindau, Vaudeville
15.12., Glauchau, Alte Spinnerei
16.12., Bochum, Ruhr Congress
18.12., Würzburg, Soundpark Ost
19.12., Braunschweig, Jolly Joker
20.12., Kassel, Musiktheater
21.12., Losheim, Alte Eisenbahnhalle
22.12., Gießen, Hessenhalle
26.12., Osnabrück, Halle Gartlage
27.12., Hamburg, Docks
28.12., Dresden, Alter Schlachthof
29.12., Bad Salzungen, pressewerk
30.12., Potsdam, Lindenpark
Alexander Diehl
Seit über zehn Jahren spielen Subway To Sally ganz oben in der deutschen Mittelalter-Rock-Szene mit. (Nuclear Blast)
Mit einem "Bastard" auf Tour: Subway To Sally. (Nuclear Blast)
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