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Heiner Lauterbach

"Zumindest habe ich eine Meinung"

Schauspieler Heiner Lauterbach

(tsch) Nein, dieser Mensch hat mit dem früheren Heiner Lauterbach - oder zumindest dem, der sich der Öffentlichkeit präsentierte - wirklich nichts mehr gemein. Von Alkohol- und Sex-Exzessen, mit denen der Schauspieler früher regelmäßig in den Schlagzeilen war, ist heute keine Spur mehr. Lieber lässt er sich mit seiner Frau Viktoria und den beiden Kindern Maya und Vito beim glücklichen Familienurlaub am Strand ablichten. Auch im Interview gibt sich der bald 55-Jährige erstaunlich tiefsinnig - vielleicht ist dies auch nur eine Seite von ihm, die er früher nicht herausgekehrt hat. Statt über Frauen und Partys spricht er über Themen wie gesunde Ernährung, Glaube, Kirche und Religion. Anlass ist der Thriller "Das Papst-Attentat", der am Sonntag, 16. März, 20.15 Uhr, bei RTL ausgestrahlt wird und in dem er einen brutalen Auftragskiller spielt. Wenige Tage zuvor ist Lauterbach in zwei weiteren großen TV-Produktionen zu sehen: Im historischen Zweiteiler "Die Gustloff" (02.03, 03.03, 20.15 Uhr, ZDF) ist er ein verbitterter Kapitänleutnant. Und im Drama "Die Entführung" (05.03., 20.15 Uhr, ARD) gibt er den verzweifelten Vater, dessen Sohn entführt wurde.

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teleschau: In diesen Wochen gibt es ja "Heiner Lauterbach satt" im Fernsehen - über mangelnde Arbeit können Sie sich derzeit nicht beklagen, oder?

Heiner Lauterbach: Das ist nicht wahr. Es sind vorher keine Filme von mir gekommen und werden auch hinterher keine ausgestrahlt. Dass diese vier 90-Minüter - "Die Gustloff" ist ja ein Zweiteiler - jetzt alle innerhalb eines so kurzen Zeitraums laufen, ist grauenhaft, aber das kann man nicht mehr ändern. Das ist einfach ein Zufall.

teleschau: Mit diesen drei Filmen bedienen Sie ja ein sehr breites Spektrum - welche dieser Rollen war für Sie denn die anspruchsvollste?

Lauterbach: Das ist schwer zu sagen. Es handelt sich ja um völlig unterschiedliche Rollen, das ist das Positive an der Sache. Ich versuche grundsätzlich verschiedene Dinge zu machen, mal Theater zu spielen, meinetwegen einen Kinofilm, dann einen Fernsehfilm, zu synchronisieren, Hörspiel aufzunehmen, dann eine Lesung ... damit es nicht so langweilig wird. Und innerhalb des Genres versuche ich auch verschiedene Seiten zu bedienen, das heißt, auch mal Regie zu führen. Oder auch abwechselnd Komödien, Dramen, Krimis zu machen, damit ich mich auch verändere in der Arbeit.

teleschau: In "Das Papst-Attentat" spielen Sie einen Auftragsmörder, Sie sind also primär der Böse. Allerdings ist die Figur nicht so eindimensional angelegt, im Laufe des Films wird sie einem sogar fast sympathisch - hatten Sie hier ein gewisses Mitspracherecht?

Lauterbach: Mitspracherecht hat man meistens bei solchen Produktionen. Man trifft sich ja im Vorfeld, wenn das Buch noch in der Bearbeitungsphase ist, und wird in den meisten Fällen sogar angeregt, sich da einzubringen. Umso glaubhafter wird das Ganze dann ja auch, wenn man seine Persönlichkeit mit einbringt. In diesem Fall war die Wandlung der Figur allerdings schon vorgegeben. Das fand ich auch ganz gut, weil das eine gewisse Fallhöhe in sich hat, die immer interessant zu spielen ist. Ich finde so einsame, schweigsame Wölfe immer gut.

teleschau: Können Sie die Entwicklung dieses Mannes nachvollziehen, der ja erst durch einen Schicksalsschlag zum Killer wurde?

Lauterbach: Ja. Ich glaube, jeder Mensch oder jeder Mann, der eine Familie hat, kann sich leicht in so eine Situation hineindenken. Wobei ich im normalen Leben überhaupt nichts von Rache halte, weil sie nur Unglück bringt. Man sollte immer nur das tun, was einen weiterbringt im Leben, und Rache bringt einen selten weiter. Allerdings gibt es Momente, die über solche Überlegungen hinausgehen. Wenn zum Beispiel meiner Familie so etwas angetan würde, dann kann ich mich schon in die Lage dieses Mannes versetzen. Dann hört der klare Verstand auf, und man reagiert animalisch.

teleschau: In dem Film geht es ja auch um Kirche, Religion, um eine Prophezeiung. Können Sie persönlich mit diesen Themen etwas anfangen?

Lauterbach: Klar. Als normal denkender Mensch befasst man sich mit diesen Dingen und hat da seine Meinung zu. Ich bin Agnostiker, ich glaube an das Wahrscheinliche, was mit Logik zu erklären ist. Was aber nicht zu verwechseln ist mit einem Atheisten, weil ich ja auch nicht ausschließen kann, dass es einen Gott gibt. Es ist nur sehr unwahrscheinlich, dass einer - wie auch immer man ihn bezeichnen mag - also dass ein Gott dies alles hier so geschaffen hat auf der Welt, dass sich alles so perfekt ineinanderfügt. Noch unwahrscheinlicher ist: Dieser Jenige muss auch von jemandem geschaffen worden sein. Insofern glaube ich da eher daran, dass das alles, die Natur, von der Evolution so geschaffen wurde, wenn auch mit sehr vielen Zufällen, die dazu nötig sind, um einen Planeten mit Leben zu erfüllen. Die Erde muss sich in einer ganz bestimmten, ellipsenförmigen Umlaufbahn um die Sonne bewegen, um diese Temperatur, die sie überhaupt lebensfähig macht, zu bekommen. Ein bisschen näher an die Sonne ran, dann wäre es viel zu heiß, ein bisschen weiter weg, wäre es viel zu kalt, um da Leben entstehen lassen zu können. Deswegen gibt es wahrscheinlich auch so wenig Leben im Universum, weil so viele Dinge zusammenkommen müssen.

teleschau: Offenbar haben Sie sich schon intensiver mit diesem Thema beschäftigt ...

Lauterbach: Ja, natürlich. Ich bin ja, wie viele von uns, in Mitteleuropa in eine christliche Umgebung hinein erzogen worden, was ich auch sehr schön finde. Ich habe, abgesehen von so dummen Entscheidungen wie das Verbieten der Verhütung, auch nichts gegen die Kirche. Man sollte jedem Menschen seinen Glauben lassen, und er ist auch in vielen Dingen sehr gut. Die Zehn Gebote zum Beispiel, es ist schon eine sinnvolle Sache, sich daran zu halten. Ich habe auch meine Kinder taufen lassen. Aber letztlich muss man dann für sich eine Entscheidung fällen, an was man eigentlich glaubt. Und man muss nicht durch die Gegend laufen und versuchen, alle zu bekehren. Aber zumindest habe ich eine Meinung. Ob sie richtig ist oder nicht, sei dahingestellt.

teleschau: Sie versuchen also, Ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, alles kennenzulernen?

Lauterbach: Ja, unbedingt. Zumal wir in Bayern wohnen, da ergibt sich das sowieso (lacht). Ich denke nur, es ist wahrscheinlich einfacher, später aus der Kirche auszutreten, als umgekehrt sie in Anspruch zu nehmen, wenn man nicht getauft ist und von seinen Eltern atheistisch aufgezogen wurde. Außerdem ist es ja auch wunderschön, dieses Weihnachten und der Osterhase für die Kinder.

teleschau: Gibt es etwas, was Sie Ihren Kindern mitgeben wollen?

Lauterbach: Viele Dinge, aber die unterscheiden sich nicht von denen, die andere Eltern ihren Kindern mitgeben wollen. Dass sie anständige Leute werden sollen. Dass sie viel ausprobieren können im Leben. Aber man sollte sich so verhalten, dass man anderen Menschen nicht auf den Wecker geht, man sollte nicht neidisch und missgünstig sein, weil das voraussetzt, dass man sein Leben lang unglücklich sein wird. Schon aus Egoismus sollte man das sein lassen, abgesehen davon, dass es eine fiese Charaktereigenschaft ist.

teleschau: Sie und Ihre Frau haben die Schirmherrschaft der ANAD e.V. übernommen, einer Initiative, die sich um essgestörte Kinder und Jugendliche kümmert. Wie kam es dazu?

Lauterbach: Meine Frau und ich hatten schon seit längerer Zeit überlegt, uns irgendwo mal richtig einzubringen, anstatt immer nur auf Wohltätigkeitsveranstaltungen zu gehen und irgendwelche Dinge zu versteigern. Da fanden wir die ANAD eine gute Sache, zumal wir selbst auch viel auf Ernährung und Bewegung achten. Da es, berechtigterweise natürlich, den meisten Menschen darum geht, denen zu helfen, die nichts zu essen haben, schlagen wir uns auf die Seite derer, die oft zu viel zu essen haben. Dieser vermeintlichen Randgruppe - es sind mehr Menschen betroffen, als man denkt - versuchen wir zu helfen.

teleschau: Sie geben also nicht nur ihren Namen dafür her, sondern engagieren sich auch persönlich?

Lauterbach: Ja. Es ist eine sehr angenehme Arbeit, weil man zum einen nicht permanent unterwegs ist, um Gelder aufzutreiben. Zum anderen werden da keine großen Gala-Dinners veranstaltet, sondern sehr spartanische Empfänge, bei denen man in zugigen Zelten steht und miteinander kommuniziert. Wir wollen uns auch in Schulen breitmachen und den Kindern und Eltern zeigen, wie man sinnvolle Schulbrote macht. Wir wollen zeigen, was gesund ist, und die Menschen an ein vernünftiges Ernährungsprogramm heranführen. Wie wir alle wissen: Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist stecken, und von gesunden Geistern brauchen wir ja viele in unserem Land.

teleschau: Sie blicken auf ein ziemlich aufregendes und zum Teil recht exzessives Leben zurück. Zum Erfolg im Beruf kam in den letzten Jahren nun auch das Glück in der Familie hinzu - haben Sie das Gefühl, nun "angekommen" zu sein?

Lauterbach: Mein Gott, angekommen ... "Der Weg ist das Ziel", sagt schon das bekannte Sprichwort, und das finde ich eigentlich recht gut. Man muss sehen, dass man seinen Lebensweg sinnvoll gestaltet, und ankommen tut man eigentlich erst mit dem Tod. Und noch lebe ich ja.

Frank Rauscher


"Von gesunden Geistern brauchen wir ja viele in unserem Land": Heiner Lauterbach.
"Von gesunden Geistern brauchen wir ja viele in unserem Land": Heiner Lauterbach. (Viktoria Lauterbach)

"Zumindest habe ich eine Meinung. Ob sie richtig ist oder nicht, sei dahingestellt": Heiner Lauterbach spricht offen über seine Einstellung zur Religion.
"Zumindest habe ich eine Meinung. Ob sie richtig ist oder nicht, sei dahingestellt": Heiner Lauterbach spricht offen über seine Einstellung zur Religion. (Viktoria Lauterbach)

Vieles hat sich in Heiner Lauterbachs Leben verändert.
Vieles hat sich in Heiner Lauterbachs Leben verändert. (Viktoria Lauterbach)

Datum: 18.02.2008

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