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Wächter der Nacht

Wächter der Nacht

(tsch) Das Maßgebliche, das von "Wächter der Nacht" in Erinnerung bleibt, sind zuckende Blitze und imposante Computeranimationen. Sicherlich, man mag in dieser Science-Fiction-Geschichte irgendwann den Faden verloren haben. Aber bis man ihn wieder findet, faszinieren Bilder, die eine visuelle Sensation sind. Und für die lässt sich der russische Regisseur Timur Bekmambetov gerne feiern.

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Er stellte seine "Wächter der Nacht" bei der diesjährigen Berlinale mit so stillem, selbstverständlichem Selbstbewusstsein vor, dass man ihn als eben solche Besonderheit einordnet wie seinen Film. "Ja, wir sind so weit." Aus Russland kommt in diesem Herbst ein großer Beitrag für die internationale Kinolandschaft. Kein kleines, anstrengendes Werk über die Sorgen des Landes, sondern visionäres Popcorn-Kino, das keine Kosten scheut.

Die "Wächter der Nacht" wurden massiv beworben, der Trailer fand als Dauergast bei den Fantasy Filmfesten sein Zielpublikum - und so sollte dem glanzvollen Start dieser russischen Trilogie nichts mehr im Wege stehen. Inhaltlich weichen die hippen, vorwiegend von jungen Leuten gelesenen Bestseller von Sergej Lukyanenko gar nicht so sehr von "Star Wars"-ähnlichen Grundfesten ab: Die Hüter des Lichts und die Krieger der Finsternis stehen einander gegenüber. Nur leben sie unter uns, die Guten beschützen die Menschen wie Engel vor den Bösen.

Schon der Einstieg, der die Schlacht der Kontrahenten vor 1.000 Jahren sagenhaft - und auch brutal - bebildert, drückt das Publikum in die Kinosessel und knipst die Aufmerksamkeit an. Der gnadenlose Kampf endet mit einer Einigung. Man wolle sich die Macht teilen, die Hellen wachen fortan über die Nacht, die Dunklen sind die Wächter des Tages. So könnte die Balance gehalten werden.

Die Prophezeiung besagt jedoch, dass eines Tages jemand auftauchen wird, der die Kraft hat, das Gleichgewicht zu verändern und die Welt, so er sich auf die Seite der dunklen Macht schlägt, ins Unheil stürzt. Dieser knifflig verwobene Showdown wird im Moskau des Jahres 1992 passieren.

Die zentrale Figur ist Anton (Konstantin Khabensky), der über Umwege den Weg zu den Guten fand und als Seher für Ordnung sorgt. Er muss einen kleinen Jungen finden, der von Vampiren gequält wird. Gleichzeitig verwirrt ihn eine Frau in der U-Bahn (Maria Poroshina), die in ihm schreckliche Visionen auslöst. Alleine die tägliche Arbeit der "Hellen", ihre Verwandlung in Tiere, würde schon für ein bildgewaltiges Spektakel reichen. Die Schauplätze der realen Stadt Moskau bekommen unter den Fittichen von Bekmambetovs eingespieltem Team ein unheimliches Flair.

Sogar etwas so wenig Subtiles wie Blut spielt immer wieder eine faszinierende Rolle, führt beinahe ein Eigenleben in dieser atemlosen Produktion, die schon im Vorfeld von großen Regisseuren mit der Einzigartigkeit von "Herr der Ringe" und "Matrix" verglichen wurde.

Tatsächlich entwirft der Science-Fiction-Krimi nicht nur revolutionäre Bilder und Actionsequenzen, sondern auch eine spannende Story. Mit vergleichsweise lächerlichen vier Millionen musste die Crew auskommen und war offensichtlich willens, das fehlende Budget durch große Kreativität auszugleichen, während der Regisseur spielend mit dem Druck umging, dass "Wächter der Nacht" doppelt so viel finanziellen Input erhielt als der bisher teuerste Film des Landes. Russland will mitspielen. Bekmambetov, der Mann aus Kasachstan, der Profi für Spots und Clips, wird dafür sorgen, denn sein Trilogie-Auftakt verzeichnet bereits jetzt 16 Millionen Dollar auf der Habenseite. Ein echter "El Mariachi" also - der Erstling und Karrieregrundstein von Robert Rodriguez, den dieser für einen Appel und ein Ei drehte.

Es darf gefeiert werden, auch beim russischen TV-Sender Channel 1, der den Film produzierte. Wenn Realismus und digitale Bilder so aufregend harmonieren, dann ist sie da: die Zukunft. Und die Sensation wird keine Eintagsfliege bleiben. Teil zwei und drei, "Die Wächter des Tages" und "Die Wächter der Dämmerung", sind schon eingetütet.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Fox, RUS 2004, R: Timur Bekmambetow, D: Konstantin Khabensky, Valeri Zolotukhin, Wladimir Menschow u.a.


Anton (Konstantin Khabensky) ist als Wächter der Nacht in der U-Bahn unterwegs.
Anton (Konstantin Khabensky) ist als Wächter der Nacht in der U-Bahn unterwegs. (2005 Twentieth Century Fox)

Anton (Konstantin Khabensky, links) soll Yegor (Dima Martynov) vor Vampiren beschützen, die es auf das Blut des Jungen abgesehen haben.
Anton (Konstantin Khabensky, links) soll Yegor (Dima Martynov) vor Vampiren beschützen, die es auf das Blut des Jungen abgesehen haben. (2005 Twentieth Century Fox)

Vampirin Larissa (Anna Dubrovskaya) nimmt Yegor in ihre Gewalt.
Vampirin Larissa (Anna Dubrovskaya) nimmt Yegor in ihre Gewalt. (2005 Twentieth Century Fox)

Datum: 27.09.2005

Diskussion: "Wächter der Nacht"

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