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Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Die Liebe in den Zeiten der Cholera

(tsch) Mike Newells Breitwand-Drama "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" erwägt nicht eine Minute, Männer als Zielgruppe zu integrieren. Dem endlich für das große Publikum entdeckten und soeben mit dem Golden Globe ausgezeichneten Javier Bardem obliegt die schwierige Aufgabe des großen Liebhabers, der im Jahr 1879 sein Herz verliert. Doch er ist ein armer Telegrammbote, der Liebesbriefe schreibt und 51 Jahre, neun Monate und vier Tage auf seine Angebetete warten muss.

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Kaum ein Mann, der ob dieses Satzes nicht zumindest die Augenbraue hochziehen wird. Und es gibt nichts daran zu rütteln: Die Romanverfilmung des Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez aus dem Jahr 1985 ist massig aufgetragener Schmalz. Die Gefühle sind überlebensgroß. Ronald Harwood, der bereits beim "Pianist" zeigte, wie massiv er im Umgang mit der Tränendrüse sein kann, kümmerte sich ums Drehbuch.

Mike Newell blickt als Regisseur auf ein buntes Potpourri an Filmen, von "Harry Potter" über "Donnie Brasco" und "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" zu "Mona Lisas Lächeln", einem nicht ganz so erfolgreichen Drama mit Julia Roberts. Nichts, was ihn auf den ersten Blick prädestiniert, diese Lovestory zu inszenieren. Doch dem 65-Jährigen Briten war klar, dass in diesem Film nur Bildgewalt zählt. Opulenz gilt hier nichts in der Kür, muss Pflichtteil sein.

Ein halbes Jahrzehnt, inszeniert am Originalschauplatz, in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena. Flirrend, in den Klauen der Cholera. Angetrieben vom überzeugenden Javier Bardem, dem spanischen Chamäleon unter den wandlungsfähigen Schauspielern, der auch als geprügelter Hund eine mehr als solide Leistung abgibt.

Sein Florentino Ariza lässt jeden Basset, jene Hunde mit den hängenden Augen, als Ausdruck purer Lebensfreude erscheinen. Ein Charakter, der, nicht nur im positiven Sinne, undurchschaubar ist. Der oft an der Grenze zur Lächerlichkeit treibt. So inbrünstig er vor dem Balkon der Geliebten auch Geige spielt.

Wenn er feststellt, dass das Geld nicht reicht, um die schöne, zugezogene Fermina (Giovanna Mezzogiorno mit Ähnlichkeit zu Jodie Foster) beziehungsweise das geltungssüchtige Herz ihres Vaters (Generationswechsel für John Leguizamo) zu erobern, verfällt er in tiefen Gram. Weiter wird dieser entfacht, als sich der smarte Arzt Juvenal Urbino (Benjamin Bratt) für seine Angebetete interessiert.

Fatal, die Ironie des Schicksals. Er untersucht sie auf Cholera, doch sie ist gesund, um anschließend an den erfolgreichen, smarten Doktor verschachert zu werden. Man heiratet, gebärt ein Kind, und so geht die Zeit ins Land. Innere und äußere Katastrophen werden ohne großes Aufhebens abgehandelt. Ohne Spannungsbogen, mag mancher befinden. Doch was zählt, ist, wie jene knapp 52 Jahre den gebeutelten Ariza zu einem seltsamen, doch keineswegs nur trauernden Greis wandeln.

Er erzählt seine Erlebnisse, führt Buch über Frauen, die ihm reihenweise verfallen, 622 an der Zahl, und verrät sogar sein Erfolgsrezept.

Es wird sehr viel geweint in diesem Drama, vorzugsweise im Hause des jungen Verschmähten und seiner liebenden Mutter, die, beglückt von der Fähigkeit ihres Sohnes erst mal rät: "Genieß den Schmerz", die hilft, wo sie kann, zu retten versucht, was möglich ist, ihn letztlich in die Fremde schickt, damit sein Herz wieder zusammenwachse.

51 Jahre und neun Monate, weit mehr als ein halbes Leben, wartet dieser Mann, und Zeit ist das zweite Element, das sich dieser Film gönnt. Langsam kriecht ein grasgrüner Papagei den Baum entlang, immer weiter. Zittrig folgt der gebrechliche Mann auf der Leiter dem unartigen Tier, das ihn das Leben kosten wird.

Diese ersten Minuten verraten, dass Newell es nicht spannend machen will. Er will genau hinsehen, den Blick nach eigenem Ermessen intensivieren. Es geht um ewige Liebe, an der - was die Treue des Herzens angeht - nicht gezweifelt wird. Dieser Film starrt lange, um dann von der Neige zu erzählen, davon, wie es ist, wenn passiert, was sein soll.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Tobis, USA 2007, R: Mike Newell, D: Unax Ugalde, Javier Bardem, Benjamin Bratt u.a.

Laufzeit: 139 Min.

Kinostart:
21. Februar 2008


Mike Newell verfilmt das Werk des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez.
Mike Newell verfilmt das Werk des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. (Tobis Film)

Der abgewiesene Florentino Ariza (Unax Ugalde) ist fest entschlossen, auf Fermina zu warten - auch wenn es sein ganzes Leben lang dauert.
Der abgewiesene Florentino Ariza (Unax Ugalde) ist fest entschlossen, auf Fermina zu warten - auch wenn es sein ganzes Leben lang dauert. (Tobis Film)

Auch nach vielen Jahren kann Florentino Ariza (Javier Bardem) seine erste große Liebe nicht vergessen.
Auch nach vielen Jahren kann Florentino Ariza (Javier Bardem) seine erste große Liebe nicht vergessen. (Tobis Film)

Datum: 18.02.2008

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