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Krieg der Welten

Krieg der Welten

(tsch) Das Vorspiel ist erfreulich kurz. Kaum zehn Minuten sind vergangen, schon zieht ein Sturm auf. Es blitzt, aber es donnert nicht, und noch einige Minuten später gerät der Zuschauer kaum vorbereitet zum eigentlichen Höhepunkt des Films. Die Außerirdischen sind da. Schon wieder. Als hätten sie es nicht schon in den 90er-Jahren im Kino oft genug versucht. Steven Spielberg hielt es dennoch für richtig, den H.G.-Wells-Roman "Krieg der Welten" ein weiteres Mal zu verfilmen (2005). Nach knapp zwei Stunden Film aber ist klar: Notwendig wäre das nicht gewesen.

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Schon 1953 brachte der Regisseur Bryan Haskin das Thema ins Kino, damals unter dem Titel "Kampf der Welten". Mit durchaus erstaunlichen und daher auch zu Recht mit dem Oscar prämierten Effekten angereichert, entstand ein Film, der die Menschen wie auch in der Buchvorlage als absolut chancenlose Kreaturen sah. So ist es auch diesmal. Gegen die riesigen dreibeinigen Maschinen und ihre Schusswaffen ist kein Kraut gewachsen. Häuser und Brücken stürzen ein, menschliche Leben verpuffen einigermaßen unblutig. Was also bleibt, ist die Flucht. Und auf der muss der Zuschauer eine Familie begleiten.

Ray Ferrier (Tom Cruise) ist ein braver, etwas einfacher gestrickter Arbeiter, der für zwei Tage von seiner Ex-Frau (Mirando Otto) die gemeinsamen Kinder überlassen bekommt. Sein Sohn (Justin Chatwin) ist misslaunig und spätpubertierend, seine Tochter Rachel (Dakota Fanning) eine zunächst noch ziemlich großmäulige Nervensäge. Das alles samt auffällig schwacher Dialoge wird bald zum Kernproblem eines Films, der das Schicksal dieser drei Personen zu jedem Zeitpunkt über das der restlichen Welt stellt. Doch es fällt schwer, die drei zu mögen, sich mit ihnen zu ängstigen, mit ihnen zu hoffen.

Tom Cruise, dem das Drehbuch nur einige wenige dankbare Szenen bietet, bleibt über weite Strecken ein recht farbloser, ja langweiliger Typ, dessen Geschichte auch in diesem Kriegsszenario eigentlich gar nicht erzählenswert ist. Hinzu kommt, dass gerade nach den Ereignissen der letzten Wochen es nicht immer leicht fällt, Tom Cruise vorurteilsfrei bei seinem Kampf gegen fremde Mächte zu beobachten. Die Scientology-Schlagzeilen samt der beängstigenden Videoaufnahmen mit dem flammenden Redner Cruise schaffen Assoziationen auch bei diesem Film, die hier allerdings jedoch kaum angemessen erscheinen.

Während der Originalfilm noch darauf verzichtete, die Außerirdischen selbst ausführlich zu zeigen, geht Spielberg dieses Wagnis ein. Denn nach einer Weile sind Vater und Tochter Ferrier gefangen in einem Haus und schlagen sich dort recht wacker gegen die Eindringlinge, die übrigens ein recht freundliches, aber doch Alien-typisches Erscheinungsbild abgeben. Der Sohn zog es aus einigermaßen undurchschaubaren Gründen vor, sich einer vorbeiziehenden Horde Soldaten anzuschließen und mit ihnen in den Kampf zu ziehen.

So wird die Schlacht immer weiter reduziert auf einige wenige Personen und damit zunehmend uninteressant. Die mörderische Dimension, die die Attacke aus dem All zum Beispiel in "Independence Day" entwickelte, kann in Spielbergs Erzählung nicht entstehen.

Ganz bewusst verzichtete der Regisseur auf die bislang üblichen Bestandteile eines Katastrophenfilms: Tatsächlich werden weder bekannte Gebäude in Schutt und Asche gelegt, noch schaltet sich die Politik ein. Und weit und breit kein Wissenschaftler, der über die Motive der Invasoren und deren potenzielle Schwachstellen faselt. Zweifellos ein richtiger Ansatz, den Spielberg hier verfolgte, doch verlässt er sich allzu sehr auf die Wirkung seiner drei Hauptfiguren und verliert darüber die eigentliche Katastrophe beinahe aus den Augen.

"Krieg der Welten" ist ein aufwendiges, dank weniger Längen auch recht unterhaltsames Event-Movie mit vielen netten, visuellen Effekten, das sich jedoch selbst einer zweiten, bedeutenderen Ebene verschließt. So wird in der Buchvorlage unverhohlen die Frage gestellt, ob die Invasion nicht auch eine Art faire Vergeltung sein könnte für die Gräueltaten, die der Menschheit unter sich selbst anrichtete. Der "Krieg der Welten" ist eigentlich keine zweidimensionale Sensationsgeschichte, doch zu genau der hat sie Steven Spielberg nun gemacht. Ein Film ohne Botschaft also, wohl aber mit einem typisch amerikanischen Finale, das in diesem Fall schon beinahe lächerlich wirkt.

Kai-Oliver Derks


Während seine Kinder alleine zu Hause sind, muss Ray Ferrier (Tom Cruise) erleben, dass der Erde der Krieg erklärt wurde.
Während seine Kinder alleine zu Hause sind, muss Ray Ferrier (Tom Cruise) erleben, dass der Erde der Krieg erklärt wurde. (ProSieben / 2004 Paramount Pictures)

Ray Ferrier (Tom Cruise) und seine Tochter (Dakota Fanning) stehen im Mittelpunkt der Neuverfilmung von Regisseur Steven Spielberg.
Ray Ferrier (Tom Cruise) und seine Tochter (Dakota Fanning) stehen im Mittelpunkt der Neuverfilmung von Regisseur Steven Spielberg. (ProSieben / 2004 Paramount Pictures)

Ray Ferrier (Tom Cruise) will seine Tochter (Dakota Fanning) unter allen Umständen beschützen.
Ray Ferrier (Tom Cruise) will seine Tochter (Dakota Fanning) unter allen Umständen beschützen. (ProSieben / 2004 Paramount Pictures)

Datum: 23.02.2008

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Artikel ID 196319

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