(tsch) Die Erinnerung an David Finchers "Sieben" erwacht, wenn der Regen am düsteren Tatort Paris nicht aufhört zu fallen und sich damit eine genretypische Grundsituation formiert. Der junge, engagierte und regeltreue Polizist Paul Nerteaux (Newcomer Jocelyn Quivrin) soll herausfinden, wer drei türkische Frauen bestialisch ermordet hat. Bei den Ermittlungen unter den Landsleuten der Toten stößt er auf Schweigen. Widerwillig holt er einen schmierigen älteren Kollegen mit zweifelhafter Moral und einschlägigen Erfahrungen im orientalischen Milieu zu Hilfe: Jean-Louis Schiffer (Jean Reno). Dieser erweist sich in Chris Nahons Thriller "Imperium der Wölfe" (2005), den das Zweite nun in seiner Reihe "Montagskino" als Free-TV-Premiere zeigt, als Bestie unter Bestien.
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Anna Heymes (Arly Jover, bekannt aus "Blade"), Gattin eines hohen Funktionärs des Innenministeriums, leidet seit einem Monat unter Halluzinationen und regelmäßigen Amnesie-Anfällen. Das geht so weit, dass sie ihren Mann nicht mehr erkennt und sich ihrer selbst nicht mehr sicher ist.
Während einer Sitzung bei der Psychologin Mathilde Urano (Laura Morante) kommt die Hypothese auf, dass ihr Gesicht verändert wurde. Der Verdacht fällt auf ihren Mann. Eine vor ihm verheimlichte Röntgenuntersuchung am Kopf bringt Überraschendes zutage: Annas Schädel ist voller Metallklammern. Wenn das Gedächtnis versagt, kann nur noch der Körper etwas über die Herkunft erzählen. Ein befreundeter Biologe untersucht sie und bringt Anna auf eine Spur. Diese führt nach Anatolien.
Das Weiterspinnen der Möglichkeiten der Neurologie wie im Science Fiction und die Faszination für Geheimbünde und organisierte Kriminalität gehören zu den Themen des Schriftstellers und Reporters Jean-Christophe Grangé. Aus seiner Feder stammt auch der Erfolgsroman "Die Purpurnen Flüsse", der ebenfalls verfilmt wurde - wieder mit Jean Reno, der derzeit für "Pink Panther 2" vor der Kamera steht. Eine Leinwandadaption eines Grangé-Thrillers lässt sich scheinbar nicht von dem französischen Star trennen, der auch hier überzeugend den Undurchsichtigen gibt. Als zwangspensionierter Cop ist er der nationalistisch radikal eingestellten Terrororganisation "Graue Wölfe" auf der Spur, die Menschenhandel und Drogengeschäfte betreibt. Angeblich sei viel Bestechungsgeld geflossen, um den Showdown des Films überhaupt im Gebiet der realen "Grauen Wölfe" an Originalschauplätzen im türkischen Kappadokien drehen zu können.
Chris Nahons "Das Imperium der Wölfe" sieht ein wenig aus wie ein Bewerbungsschreiben für Hollywood. Der Newcomer aus dem Dunstkreis von Erfolgsregisseur und Produzent Luc Besson - er initiierte Nahons ersten Film, das Actionspektakel "Kiss of the Dragon" - nahm sich anscheinend seinen Mentor zum Vorbild. Auch wenn es diesem Thriller ein wenig an persönlichem Stil fehlt, fesselt er mit den durch Farbgruppen Atmosphäre schaffenden Bildern, der nervösen Montage und der starken, geheimnisvollen Story, die immer wieder gewollt verschleiert wird.
Pauline Kunze
Jean-Louis Schiffer (Jean Reno), ein zwangspensionierter Cop, kennt sich mit den kriminellen Machenschaften im türkischen Viertel von Paris bestens aus. (ZDF / Laurent Denis)
Der junge Polizist Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) soll den Mord an drei rothaarigen Frauen aufklären. (ZDF / Laurent Denis)
Anna Heymes (Arly Jover), eine Frau aus besten Pariser Kreisen, leidet unter Gedächtnisverlust. Als sie seltsame Narben in ihrem Gesicht entdeckt, gerät sie in Panik. (ZDF / Laurent Denis)
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