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Goldfrapp

Wärme statt Sex

Band Goldfrapp

(tsch) Bislang stand die Personalunion von Sängerin Alison Goldfrapp und ihrem Produzent Will Gregory für außergewöhnlichen Electro-Pop mit knisternden Film-Noir-Atmosphären, stilvollen Chanson-Elementen und groovenden Lounge-Sounds. Zudem wurde die blasse Britin durch ihre sexy Fotoshootings zum Pin-Up-Girl des Pop. Jetzt, beim vierten Album "Seventh Tree", ist alles anders. Alison und ihr bäriger Produzent freuen sich schon im Vorfeld auf ihrer Website, dass ihr Album die Fans schockieren werde. Also nachgefragt.

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teleschau: Das Album scheint schräg zu sein, wenn Ihr die Fans vorab warnt.

Alison Goldfrapp: Wir wollen die Fans auf unserer Website sanft darauf vorbereiten, dass sie etwas ganz anderes erwarten wird, als sie bislang gewohnt waren. Unsere Hardcore-Fans, die "Black Cherry" und "Supernature" lieben, werden schockiert sein, weil dieses Album nicht so durchhämmert wie die alten Alben.

teleschau: Zu jeder Platte verliert man Fans, und neue kommen hinzu. Einige trauern den gewohnten Sounds nach, andere begrüßen die Veränderung.

Alison Goldfrapp: Das muss man als Künstler in Betracht ziehen. Aber das Wichtigste ist: Wir müssen Spaß haben. Deswegen machen wir ja auch ganz unterschiedliche Sachen. Wenn du bestimmte Sounds, Beats und Arrangements durch hast, verlieren sie irgendwann ihre Potenz und Spannung - wie in einer Ehe. Dann sollte man sich trennen. Als Künstler ist es wichtig, sich von Zeit zu Zeit neu zu definieren. Sonst langweilst Du Dich nur noch. Und das wäre furchtbar.

teleschau: Wenn Musik eine Reflexion des Lebens ist, was war bei Euch in den letzten Jahren los?

Alison Goldfrapp: Persönliche Probleme, das Leben auf Tour, das Leben an sich. Wenn ich von einer Tour nach Hause komme, fühle ich mich immer wie auf einem anderen Planeten. Ich bin zu nichts zu gebrauchen. Ich frage mich: Wer bin ich? Wo bin ich? Was tue ich jetzt? Dieser Prozess hat sich diesmal über Monate hingezogen. Ich brauchte extrem lange, um mein Leben in die Balance zu kriegen.

teleschau: Und nun geht Ihr zurück, sozusagen zu natürlicher Musik. Und statt aufreizenden Pin-Up-Fotos gibt's diesmal niedliche Landschaftsaufnahmen.

Alison Goldfrapp: Nach "Felt Mountain" hatten wir uns schon einmal verändert. Das gab uns aber das Gefühl, dass wir das auch diesmal können. Wir versuchten, unsere Songs luftig und lebendig zu machen. "Supernatural" war geradezu brutal, direkt und überladen mit Glamour, Sex, Power und Sound. Es war toll, diesmal das genaue Gegenteil zu machen, einfach nur locker zu jammen. Manchmal gibt es nur ein Instrument und meine Stimme dazu.

teleschau: Auch die akustische Gitarre ist dabei. Unfassbar!

Alison Goldfrapp: (lacht) Wir haben bisher noch nie Gitarren im Studio zugelassen, schon gar keine akustischen! Aber dann hörte ich jemanden auf der Gitarre ein paar wunderschöne Harmonien spielen, wie aus dem Nichts, und plötzlich sah ich viel Schönheit darin, Atmosphäre und Raum. Das hat mich wirklich angemacht. Es passte perfekt zu unserem Anspruch: Anstatt alles wie bislang mit Sounds vollzustopfen, wollten wir sehen, mit wie wenig ein Song eigentlich auskommen kann. Die Frage war also nicht: Was können wir noch draufpacken, sondern: Was können wir weglassen?

teleschau: Ihr habt das Album in einem kleinen Landhaus im britischen Somerset aufgenommen. Die ländliche Atmosphäre war ziemlich passend, oder?

Alison Goldfrapp: Wir arbeiteten uns sozusagen ans Tageslicht empor. Als wir anfingen, hatten wir ein Studio in einer winzigen Besenkammer, da kam kaum Licht rein. Das Komische ist: Musiker arbeiten immer irgendwie in Kellern und Proberäumen ohne Tageslicht, Künstler dagegen meist in luftigen Räumen mit wundervollen Aussichten. Wir entschieden uns, Künstler zu sein.

teleschau: Klingt auch smarter.

Alison Goldfrapp: (lacht) Sicher. Ich finde diese Aufnahme-Studiobunker fürchterlich klaustrophobisch. In einem Haus mit Fenstern zu arbeiten, ist für mich essenziell. Wir schreiben und nehmen simultan auf, da ist mir Atmosphäre enorm wichtig. Ich will da, wo ich arbeite, ganz entspannt sein. Ich muss rumlümmeln können, träumen, entspannen, stundenlang aus dem Fenster schauen. Es gibt nichts Besseres, als einen ganzen Tag lang aus dem Fenster auf den Garten oder die Wolken zu starren.

teleschau: Bislang waren Sex, Subversion, Stil und Humor die wichtigsten Zutaten Eurer Musik. Was ist es diesmal?

Alison Goldfrapp: Ich würde sagen Wärme, Natürlichkeit, Melancholie und Humor, auch schwarzer Humor, aber auch Optimismus.

teleschau: Wenn "Seventh Tree" ein Soundtrack ist, was für ein Film sollte dazu laufen?

Alison Goldfrapp: Vielleicht ein Horror-Roadmovie? Ich denke, die Songs sind kleine Takes aus verschiedenen Kurzfilmen.

teleschau: Und wie lautet die Botschaft?

Alison Goldfrapp: Das Album ist eher eine Reise, als eine Botschaft. Ich bin unterwegs. Wenn du stillstehst, ist das negativ. Wenn du in Bewegung bist, ist das gut.

teleschau: Wo geht die Reise hin?

Alison Goldfrapp: Zunächst bin ich im Hier und Jetzt dieser Welt und versuche den Moment zu genießen. Ich mache mir gerade ein Bild von der Welt, davon, wohin es geht. Es gibt Millionen Möglichkeiten auszuprobieren, jeden Tag. Musik eröffnet Dir diese unzähligen Möglichkeiten. Vielleicht machen wir eines Tages einen Film oder eine Oper. Es klingt zwar nach Klischee, aber: Alles ist möglich. Ich bin da wie ein Kind.

Stefan Woldach


"Nach 'Felt Mountain' hatten wir uns schon einmal verändert", sagt Alison Goldfrapp. Das wollten Goldfrapp auch mit ihrem neuen Album "Seventh Tree" tun.
"Nach 'Felt Mountain' hatten wir uns schon einmal verändert", sagt Alison Goldfrapp. Das wollten Goldfrapp auch mit ihrem neuen Album "Seventh Tree" tun. (EMI / Serge Leblon)

"Unsere Hardcore-Fans, die 'Black Cherry' und 'Supernature' lieben, werden schockiert sein", prophezeit Alison Goldfrapp. "Seventh Tree" soll eine ganz neue Richtung einschlagen.
"Unsere Hardcore-Fans, die 'Black Cherry' und 'Supernature' lieben, werden schockiert sein", prophezeit Alison Goldfrapp. "Seventh Tree" soll eine ganz neue Richtung einschlagen. (EMI / Serge Leblon)

Alison Goldfrapp, eingerahmt von einer ruhigen, beschaulichen Landschaft - in der Natur fand die Sängerin ihr neues Zuhause.
Alison Goldfrapp, eingerahmt von einer ruhigen, beschaulichen Landschaft - in der Natur fand die Sängerin ihr neues Zuhause. (EMI / Serge Leblon)

Datum: 25.02.2008

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Diskussion: "Goldfrapp"

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