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No Country For Old Men

No Country For Old Men

(tsch) Drei Jahre nach dem eher als Enttäuschung gewerteten "Ladykillers" untermauern Joel und Ethan Coen nun wieder mit "No Country for Old Men" ihren Ruf als Meisterregisseure. Mit ihrer zwölften Regiearbeit knüpfen die Brüder an alte Zeiten an. Die neue Blutspur weckt Erinnerungen an ihren Erstling "Blood Simple" und den unvergessenen "Fargo". Der frei nach dem Buch des Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy gedrehte, eiskalte Western-Thriller entwickelt anhand einer Katz-und-Maus-Jagd in Texas philosophische Betrachtungen. Acht Oscar-Nominierungen, unter anderem als "Bester Film", für die "Beste Regie" und für den Nebendarsteller Javier Bardem gab es dafür bereits.

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Eine Ansammlung von Trucks und viele verstreut herumliegende Leichen - dieser Anblick bietet sich dem Hobby-Jäger und Vietnam-Veteranen Llewelyn Moss (Josh Brolin) bei einem seiner Streifzüge. "Tu es nicht", möchte man fast rufen, als er sich einen Geldkoffer mit mehr als zwei Millionen Dollar greift, die eindeutig aus einem schiefgegangenen Drogendeal stammen. Auch Moss ahnt, dass damit die gemütlichen Tage im Wohnwagenpark mit seiner Frau und dem Schießen von Antilopen in der Prärie von Texas gezählt sind. Der Jäger bekommt es schnell zu spüren, wie es ist, zum Gejagten zu werden.

An seine Fersen heftet sich der gerade aus dem Knast von Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) entsprungene Psychopath Anton Chigurh (Javier Bardem), der bei dieser Aktion den Hilfs-Sheriff um die Ecke brachte. Und auch der wenig zimperliche Killer Carson Wells (Woody Harrelson) soll das Geld für seine Auftraggeber wieder besorgen. Moss' Chancen stehen von Anfang an schlecht, denn der Koffer ist mit einem Peilsender versehen. Wie ein Protokollant der Leichen, die bei dieser Verfolgungsjagd zurückbleiben, schlurft der überforderte Polizist Bell den Protagonisten hinterher.

Videointerview: Javier Bardem
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Videointerview: Joel und Ethen Coen
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Mit dem 1980 spielenden "No Country for Old Men" kehren die Coens nicht zu ihren Wurzeln zurück, sondern nehmen auch in Sachen Spannung und Verfolgungsszenen an Fahrt auf. Schon die erste Hetzjagd, in der ein Bluthund dem Flüchtigen sogar in den reißenden Fluss folgt, zeigt ein ungewohntes Tempo. Eher gewöhnungsbedürftig ist die eruptive und explizit dargestellte Gewalt, die von einem der furchteinflößendsten Killer der Filmgeschichte ausgeht.

Der spanische Schauspieler Javier Bardiem ("Das Meer in mir") zieht mit starrem Blick unter der bekloppten Prinz-Eisenherz-Frisur und einem wenig dezenten Tötungsinstrument, einem Schlachtschussapparat für Rinder, durch die Lande. Die Wucht dieses Instruments bekommen Menschen und Türen zu spüren. Bardem spielt den Todesengel mit dem merkwürdigen eigenen Verhaltenskodex mit einer eiskalten Würde. So sicher wie das Amen in der Kirche ist eine Begegnung mit ihm tödlich - nur manchmal kann eine geworfene Münze das Schicksal doch noch ändern.

Damit kein falscher Eindruck entsteht. Die Coens haben hier kein atemloses Killermovie in Hollywoodmanier geschaffen. Die Dialoge sind gewohnt sparsam, aber prägnant und das Tempo bis auf wenige Ausnahmen der Umgebung angepasst. In Süd-West-Texas haben es die Menschen bei flimmernder Hitze meist nicht so eilig. Die Dinge mal eben so ändern zu wollen, das kann man vergessen. Der Sheriff durchschaut die Welt des modernen Verbrechens nicht mehr und sieht hilflos zu. Ihm bleiben nur philosophische Reflexionen, in denen er darüber nachdenkt, ob inzwischen nicht der Satan der Herr der Welt ist.

Ihren Abgesang auf eine pseudo-moralische Welt, in der nicht mehr jeder alt wird und Schusswaffenbesitz zur persönlichen Freiheit zählt, inszenieren die Coen-Brüder mit einer brillanten Schauspielerriege und handwerklich perfekt. Die Interpretation des Endes allerdings überlassen sie ganz dem Zuschauer.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Universal, USA 2007, R: Ethan Coen, Joel Coen, D: Tommy Lee Jones, Josh Brolin, Javier Bardem u.a.

Laufzeit: 122 Min.

Kinostart:
28. Februar 2008


Die Coen-Brüder verfilmen den 2003 veröffentlichten Roman des Schriftstellers Cormac McCarthy.
Die Coen-Brüder verfilmen den 2003 veröffentlichten Roman des Schriftstellers Cormac McCarthy. (Universal)

Ein Koffer mit viel Geld wird für Llewellyn Moss (Josh Brolin) zum Verhängnis.
Ein Koffer mit viel Geld wird für Llewellyn Moss (Josh Brolin) zum Verhängnis. (Universal)

Der knallharte Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) will sein Geld zurück.
Der knallharte Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) will sein Geld zurück. (Universal)

Datum: 26.02.2008

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Artikel ID 197381

 
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