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Michael Clayton

Michael Clayton

(tsch) Justitia kehrt zurück. Obwohl die große Zeit der Anwaltsfilme seit den zahllosen Adaptionen von John-Grisham-Romanen längst vorüber scheint, erfreut sich das Genre neuer Beliebtheit. Mit "Michael Clayton" kommt nun ein Drama in die Kinos, das, atmosphärisch dicht inszeniert, auch Verständnis für den Berufsstand wecken will. Für die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist gesorgt, zumal "Michael Clayton" am vergangenen Wochenende mit sieben Nominierungen ins Rennen um die heiß begehrten Oscars ging. Das Regiedebüt des New Yorker Drehbuchautoren Tony Gilroy ("Im Auftrag des Teufels", "Bourne"-Trilogie) erweist sich als Langläufer in den US-Kinos. Nach über vier Monaten hält sich der Juristenthriller in den Kinohitlisten und hat sein Budget von geschätzten 25 Millionen Dollar bereits mehr als zweifach wieder eingespielt.

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George Clooney ist der Edelanwalt fürs Grobe: Michael Clayton ist auch nach fast 17 Jahren erfolgreicher Arbeit immer noch nicht zum Partner in der Kanzlei aufgestiegen. Er ist ihre Geheimwaffe, der mit seinen Kontakten und seinem Verhandlungsgeschick so manchen durchaus schuldigen Klienten aus der Misere gezogen hat. Er selbst sieht sich als Hausmeister, als Mädchen für alles. Seine Fähigkeiten werden essenziell, als sein ehemaliger Mentor Arthur Edens (Tom Wilkinson) unerwartet einen Nervenzusammenbruch hat und nackt hinter einer jungen Frau hinterherläuft, die gerade eine eidesstattliche Aussage gemacht hat - in einem Fall, in den Arthur als Chefverteidiger involviert ist.

Nur langsam wird klar, was hinter dem ungewöhnlichen Aussetzer steckt. Während Clayton glaubt, dass sein alter Freund seine Tabletten abgesetzt hat und wie einst schon mal unter manisch depressiven Anfällen zu leiden hat, ahnt der Zuschauer bereits eine Verschwörung. Der scheinbar verrückt gewordene Advokat ist offenbar seinem Klienten auf die Schliche gekommen.

Der Chemiekonzern U-North hat mit verseuchtem Saatgut 450 Menschen vergiftet und gibt sich unschuldig. Die Vertuschung scheint zu gelingen. Doch Arthur sammelt Beweise und plant, den Prozess unerwartet platzen zu lassen: Ein geheimes Memorandum offenbart das Verbrechen in unmissverständlichem Wirtschaftsenglisch. Als der Seitenwechsel der Konzernführung in Person der Aufsichtsratsvorsitzenden Karen Crowder (Tilda Swinton) auffällt, scheint es nur noch einen Ausweg zu geben: Den unliebsamen Verräter zu ermorden und es wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.

Das klingt verdächtig nach einer typischen Grisham-Verfilmung. Doch Autor und Regisseur Tony Gilroy konzentriert sich weniger auf die juristischen Verwicklungen des Falles und die gewitzten Geniestreiche seiner Akteure, sondern beschäftigt sich lieber mit den seelischen Zwickmühlen, in denen die Rechtsarbeiter oftmals stecken. Sie arbeiten von morgens früh bis spät in die Nacht, kennen kein Privatleben. Je erfolgreicher sie sind, desto mehr Arbeit wartet auf sie. Und der Reichtum wird am Pokertisch verzockt.

Michael Clayton ist in dieser Hinsicht ein Held im doppelten Sinne. Er sorgt am Ende nicht nur für Gerechtigkeit, und das in bescheidener Manier, sondern vermittelt in seiner teils schon lethargischen, aber immer attraktiv desillusionierten Art auch den Traum von einem anderen, einem besseren Leben. Denn der Mann im feinen Anzug und dem geleasten Firmen-S-Klasse-Mercedes versucht schon seit Langem, dem opportunistischen Treiben des Paragraphenbiegens zu entkommen und eine eigene Bar zu eröffnen. Doch aus dem Laufrad gibt es scheinbar kein Entkommen. Als er sich ob des vermuteten Gewaltverbrechens an seinem Freund Arthur auflehnt gegen den schier übermächtigen Klienten, der offen damit droht, die Kanzlei zu ruinieren, sollte der Prozess kippen, ist auch Claytons Leben in größter Gefahr.

Neben dem angenehm nahe gehenden Spiel von George Clooney sind auch die Nebenrollen brillant ausgearbeitet: Tom Wilkinson darf wie sonst selten auch mal wieder lächeln und mit wirrem Haar über den New Yorker Time Square tapsen, als sei er wieder ein staunendes Kind. Da stört es kaum, dass die Hintergründe seines Depressionsleidens nur am Rande erklärt werden. Und selbst Produzent Sydney Pollack, der als Kanzleichef wieder selbst vor die Kamera tritt, wirbt in der Undurchsichtigkeit seiner Rolle um Mitleid für das Dilemma seines Charakters: Schließlich können auch die angesehensten Anwaltsfirmen zerschlagen werden, sollte ihr sonst so gut geöltes Getriebe im Sinne der Wirtschaftsmächtigen einmal ins Stocken geraten.

Tilda Swinton als ambitionierte Managerin des U-North-Konzerns dagegen mag in ihren Taten kaum Mitgefühl erregen, und doch wird ihr in ausreichendem Maße zugestanden, ihre innere Zerrissenheit zur Schau zu tragen. Zumindest für den Zuschauer, der ihr gnädigerweise auf die Toilette folgen kann, wo sie sich in panischer Verzweiflung die Schweißflecken unter den Achseln reibt. Nur eines sollte man nicht: Am Ende fragen, wer denn nun gewonnen hat in diesem ganz alltäglich wirkenden Szenario aus dem verdorbenen Wirtschaftsleben.

Leif Kramp

Credits:
V:Constantin, USA 2007, R: Tony Gilroy, D: George Clooney, Sydney Pollack, Tilda Swinton u.a.

Laufzeit: 120 Min.

Kinostart:
28. Februar 2008


Die Rolle des smarten Juristen steht Oscar-Preisträger George Clooney sehr gut.
Die Rolle des smarten Juristen steht Oscar-Preisträger George Clooney sehr gut. (2007 Constantin Film, München)

Bei einem Treffen im Gefängnis geraten Michael Clayton (George Clooney, rechts) und sein Kollege Arthur Edens (Tom Wilkinson) heftig aneinander.
Bei einem Treffen im Gefängnis geraten Michael Clayton (George Clooney, rechts) und sein Kollege Arthur Edens (Tom Wilkinson) heftig aneinander. (2007 Constantin Film, München)

Karen Crowder (Tilda Swinton) kann Michael Clayton nicht so recht trauen.
Karen Crowder (Tilda Swinton) kann Michael Clayton nicht so recht trauen. (2007 Constantin Film, München)

Datum: 01.03.2008

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Artikel ID 197376

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