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Natalie Portman

Die Frau mit den vielen Träumen

Schauspielerin Natalie Portman

(tsch) Natalie Portman hat mit Mitte 20 bereits über 25 Filme gedreht. Darunter waren Kassenschlager globalen Ausmaßes wie die neuen "Star Wars"-Filme, ein Historienepos wie "Cold Mountain" oder eine Komödie wie "Mars Attacks!". Aber auch anspruchsvolles Programmkino wie Mike Nichols' "Closer", Zach Braffs "Garden State" und Milos Formans "Goyas Geister". Die beeindruckende Reife, die die gebürtige Israelin bei ihrer Rollenwahl zeigt, setzt sich auch im Privaten fort: Natalie Portman (26) ist das genaue Gegenteil des Kinderstarklischees. Dabei wurde sie bereits im Alter von 13 Jahren in ihrer Rolle als Mathilda in dem Killerportrait "Léon - Der Profi" an der Seite von Jean Reno weltbekannt. In ihrem neuen Film ist sie erneut in einer ungewöhnlichen Rolle zu sehen: Sie spielt in "Die Schwester der Königin" (Start: 06.03.) die ehrgeizige Anne Boleyn, die Heinrich den Achten bezirzt, um Königin von England zu werden.

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teleschau: Für den Film "V für Vendetta" wurde Ihr Kopf geschoren, nun sind Ihre langen Haare ein wichtiger Teil Ihrer Rolle als Königin. Suchen Sie bewusst nach solchen Extremen?

Natalie Portman: Sie haben schon Recht. Aber einfach nur extrem in meiner Rollenwahl zu sein, ist keine Kategorie für mich. Ich suche vielmehr nach Stoffen, die neu für mich sind und in denen ich mich ausprobieren möchte.

teleschau: Was Sie nun als Königin von England tun dürfen ...

Natalie Portman: Es war weniger der Status der Königin, sondern vielmehr der Charakter dieser Frau, der mich faszinierte. Sie wirkt unheimlich stark und ist doch verletzlich. Ihr Ehrgeiz ist unübersehbar, und sie geht sehr kalkuliert vor in dem, was sie erreichen will. Dabei nimmt sie keine Rücksicht auf ihre Umgebung. Sie nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand, ergreift Eigeninitiative. Leider fehlt den meisten Frauenrollen in Hollywoodfilmen genau diese Charaktereigenschaft. Sie reagieren meist nur auf das, was Männer ihnen antun, folgen also den Entscheidungen ihres männlichen Gegenparts.

teleschau: Was haben Sie von sich selbst in der Rolle wiedererkannt?

Natalie Portman: Ich frage mich eigentlich nie, ob oder wie ich einer Rolle ähnele und welche Gemeinsamkeiten ich mit ihr habe. Viel sinnvoller ist es meiner Meinung nach, dass man versucht, die Handlungen und Motivationen seiner Rolle zu verstehen. Und ich muss zugeben, dass ich ihr tatsächlich Schritt für Schritt näher gekommen bin. Ich bekam ein Gefühl dafür, warum sie sich so verhielt.

teleschau: Wie ehrgeizig sind Sie selbst?

Natalie Portman: Ich möchte Erfolg haben, aber nicht auf Kosten anderer. Ich freue mich auch, wenn andere Erfolg haben. Ehrgeiz ist für mich daher ein positiv besetzter Begriff. Anne dagegen opfert mit Kusshand das Wohl ihrer Mitmenschen zu ihrem eigenen Vorteil.

teleschau: Was glauben Sie, brauchen wir heutzutage noch Monarchien?

Natalie Portman: Es erscheint mir ein bisschen merkwürdig, dass Menschen für die Monarchie bezahlen müssen. Die Monarchen tun mir aber fast schon wieder leid, gerade weil die Bevölkerung dafür zahlt, dass sie so leben müssen, wie sie leben. Für mich ist es eine schreckliche Vorstellung, in eine solche Familie hineingeboren zu werden und all diese Verpflichtungen zu haben: Vielleicht möchte jemand gerne Ärztin werden, ist aber dazu bestimmt, Königin zu sein. Das ist doch traurig! Andererseits kann sich offenbar kaum jemand in einer solchen Position dazu durchringen, diesem Leben zu entsagen.

teleschau: Welche Parallelen zu Hollywood sehen Sie in den Machtkämpfen am englischen Königshof, die im Film gezeigt werden?

Natalie Portman: Jede Gesellschaft hat ihre ganz eigenen Romanzen, inklusive der dazugehörenden brodelnden Gerüchteküche und Skandale. Ob es nun der Hof Heinrichs des Achten war oder ein Büro oder Hollywood heutzutage: Es gab immer schon Rivalitäten und all diese Dinge. Wir alle kennen diese kleinen Geschichten, die sich abspielen, wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben oder arbeiten. Von daher ist der Film hochaktuell.

teleschau: Wie schwer fällt es Ihnen, im medialen Hexenkessel Hollywoods zu überleben?

Natalie Portman: Um ehrlich zu sein: Leicht ist es natürlich nicht. Aber sind wir nicht alle evolutionär und genetisch programmiert, mit und in unserer sozialen Umwelt zu überleben? Ich glaube, dass dieser Wille und damit auch das Rüstzeug dem Menschen von Anbeginn der Zeit mit in die Wiege gelegt werden. Natürlich macht der ganze Trubel in Hollywood nicht immer Spaß, aber so ist das Leben nun mal.

teleschau: Inwiefern entspricht die Schauspielerei Ihrem beruflichen Wunschbild?

Natalie Portman: Ich liebe die Schauspielerei, aber nicht ausschließlich. Für mich gibt es eine ganze Reihe anderer Dinge, die ich mir ebenso gut als Broterwerb vorstellen könnte. Ich glaube nicht, dass ich mich mit meinen 26 Jahren schon festlegen muss in meiner Berufswahl und auch in allen sonstigen Bereichen meines Lebens.

teleschau: Sie unterbrachen Ihre Filmkarriere, um an der renommierten Harvard University zu studieren. Genossen Sie es, Hollywood zu entfliehen und endlich einmal unter normalen Menschen zu sein?

Natalie Portman: Für mich ist es eher umgekehrt: In Hollywood gibt es für mich nur normale Leute und in Harvard nur außergewöhnliche. All meine Kommilitonen aus Harvard waren so wahnsinnig gut in dem, was sie machten, dass es mir schwer fällt, sie als gewöhnlich zu bezeichnen. Sie sind die Besten der Besten in jeder bekannten Disziplin. Die Studienzeit war unvergesslich für mich, weil ich eine solch vielseitige Sicht auf die Welt bekommen habe, mit so vielen neuen Ideen und Auffassungen in Berührung kam, dass ich dort erst richtig eigenständig wurde.

teleschau: Das klingt, als hätten Sie all das nachholen können, was Sie als Kinderstar in der Filmbranche verpasst haben.

Natalie Portman: Ich habe natürlich viel in meiner Kindheit verpasst, das habe ich mir eingestanden. Doch habe ich darüber nicht vergessen, dass ich auch viel dazulernte in diesen Jahren. Schon als ich zwölf war, konnte ich nach Japan reisen, was meinen Mitschülern vorenthalten blieb. Dafür war ich aber eben nicht in der Fußballmannschaft, was sicherlich auch viel Spaß gemacht hätte. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe niemals die Schule vernachlässigt, um zu arbeiten, sondern drehte meine Filme in den Sommerferien. Ich ging auf eine normale öffentliche Schule und war mit ganz normalen Gleichaltrigen zusammen.

teleschau: Hatten Sie nicht eine exponierte Stellung unter Ihren Mitschülern?

Natalie Portman: Ich hatte ganz normale Highschool-Freunde, wie jeder andere auch. Aber natürlich hatte das Filmgeschäft bestimmte Auswirkungen auf meine Persönlichkeit. Ich wurde von Erwachsenen immer dafür gelobt, wie erwachsen und reif ich mich doch verhalten würde. Das animierte mich dazu, auch erwachsen zu erscheinen, wenn ich nicht bei Dreharbeiten war - obwohl ich natürlich alles andere als erwachsen war. Vielleicht wäre es schön gewesen, kindlich und eben nicht erwachsen zu sein und diese Freiheiten zu genießen, als es meinem Alter entsprochen hat.

teleschau: Sind Ihre Träume in Erfüllung gegangen?

Natalie Portman: Ich bin sehr froh, dass ich tatsächlich immer noch arbeiten kann und Erfolg damit habe. Wenn man schon in jungen Jahren schauspielert und dadurch bekannt wird, ist das ja für viele ein schlechtes Omen für die spätere Filmkarriere als Erwachsene. Insofern ist mein Traum, auch weiterhin Rollen fürs Kino zu spielen, gänzlich in Erfüllung gegangen. Aber ich bin ja noch nicht sehr alt, und ich hoffe inständig, dass noch längst nicht Schluss ist und meine Träume nicht ausgeträumt sind - denn ich habe ganz schön viele, um ehrlich zu sein.

teleschau: Einer davon war, eine eigene Schuhkollektion zu entwerfen?

Natalie Portman: Das lag eher daran, dass ich keine richtigen Schuhe für mich selbst finden konnte, weil ich gegen die Verarbeitung von Tierbestandteilen bin. Ich wollte aber nie Schuhdesignerin werden. Das war ein ganz pragmatisches Vorhaben, und ich verdiene damit auch kein Geld. Der Gewinn geht an Tierschutzorganisationen. Ich bin Veganerin und kann jetzt endlich auch Schuhe tragen, die tierfreundlich sind.

teleschau: Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit mit diesen Einschränkungen um?

Natalie Portman: Ich trage auch bei Dreharbeiten keine Tierprodukte und bin froh, dass meine Haltung von den Filmcrews immer sehr zuvorkommend akzeptiert wird. All die Pelzbesätze und anderen Dinge, die ich als Königin im Film trage, sind Imitate.

teleschau: Haben Sie darüber auch mit Ihrem Schauspielkollegen Eric Bana gesprochen, der bekanntlich ein passionierter Lederjackenträger ist?

Natalie Portman: Ich predige nicht meine eigenen Grundsätze und versuche nicht, sie anderen aufzuzwingen. Ich selbst hasse es wie die Pest, wenn jemand versucht, mich zu etwas zu überreden. Es macht mich verrückt, wenn Leute mir als Veganerin auf Teufel komm raus versuchen, Fleisch schmackhaft zu machen. Jeder trifft doch seine eigenen Entscheidungen.

Leif Kramp


Natalie Portman wurde als Kind zum Star. Die 26-Jährige spielt nun die Hauptrolle in "Die Schwester der Königin" (Start: 06.03.).
Natalie Portman wurde als Kind zum Star. Die 26-Jährige spielt nun die Hauptrolle in "Die Schwester der Königin" (Start: 06.03.). (Universal)

Natalie Portman und Eric Bana spielen die Hauptrollen in dem Historienfilm "Die Schwester der Königin".
Natalie Portman und Eric Bana spielen die Hauptrollen in dem Historienfilm "Die Schwester der Königin". (Universal)

"Es war weniger der Status der Königin, sondern vielmehr der Charakter dieser Frau, der mich faszinierte." Natalie Portman spielt Anne Boleyn.
"Es war weniger der Status der Königin, sondern vielmehr der Charakter dieser Frau, der mich faszinierte." Natalie Portman spielt Anne Boleyn. (2007 Universal Studios)

Datum: 01.03.2008

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