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Natalia Avelon

Von sonnigem Gemüt

Schauspielerin Natalia Avelon

(tsch) Das nennt man dann wohl wirklich "angesagt": Über keine andere Schauspielerin wurde in so kurzer Zeit so viel gesagt und geschrieben wie über Natalia Avelon. Keine war im vergangenen Jahr präsenter als die attraktive Deutsch-Polin, die plötzlich alles auf einmal zu sein scheint: Schauspielerin, Covergirl, Popstar, Model, Stil-Ikone und omnipräsente Gesprächspartnerin. Ihr famoser Auftritt im Uschi Obermaier-Biopic "Das wilde Leben" liegt erst ein Jahr zurück, und er hat selbst gestandene Kulturredakteure zu pubertär anmutenden Schwärmereien ausholen lassen. Sie sei charmant, immer ein bisschen atemlos, so nahbar, warm und offenherzig, dazu humorvoll, mit sich selbst im Reinen, und sie stecke voller Lebenslust ... Überschwang im Überfluss. Natalia Avelon kann's recht sein. Sie scheint das Eisen schmieden zu wollen, so lange es heiß ist, freut sich über die neue Popularität, viele Angebote und Filmrollen und beteuert, fast erwartungsgemäß bescheiden, sie sei doch kein "Star". Im neuen rbb-"Tatort: Tod einer Heuschrecke" (Sonntag, 16.03., 20.15 Uhr im Ersten) spielt die 27-Jährige das Mädchen vom seriösen Edel-Escortservice mit glaubhafter Doppelbödigkeit.

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teleschau: Freuen Sie sich auch so sehr, dass der Winter schon vorbei zu sein scheint?

Natalia Avelon: Und wie! Ich habe heute zum ersten Mal meine Frühlingsschuhe ohne Socken ausgepackt. Endlich wieder Halbschuhe! Ich bin ein Sommertyp, sehne mich nach Sommer und Wärme, Kälte ist nicht mein Ding.

teleschau: Das passt zur myspace-Homepage mit dem wunderbaren Sonnuntergangs-Motiv am Palmenstrand ...

Natalia Avelon: Ja, aber das ist nicht meine offizielle Seite. Mein myspace-Auftritt ziert ein Pin-Up-Girl, auch nicht schlecht oder? (lacht).

teleschau: Es ist noch kein Jahr vergangen, seit "Das wilde Leben" im Kino lief ...

Natalia Avelon: Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit.

teleschau: Wie wild wurde denn Ihr eigenes Leben seither?

Natalia Avelon: Oh, sehr wild. Insofern, als dass ich kein Dach über dem Kopf hatte - hinter mir liegt die größte Wildheit meiner bisherigen Existenz (lacht).

teleschau: Wie bitte?

Natalia Avelon: Ja. Ich habe so lange eine Bleibe gesucht, nichts hat mir zugesagt, aber jetzt habe ich sie endlich, meine Traumwohnung, etwas ganz Besonderes: ein schön renovierter Altbau im Osten der Stadt. Ich bin schon mitten beim Einrichten.

teleschau: Wie und wo lebten Sie denn dann die ganze Zeit?

Natalia Avelon: Entweder im Hotel, weil ich gerade irgendwo drehte, unter anderem in Berlin und in Kanada, oder aber ich war in Baden-Württemberg bei meinen Eltern oder quartierte mich vorübergehend bei Freunden ein. Ein permanentes Pendeln, ein Nomadenleben aus Koffern. Ein schönes Gefühl, endlich angekommen zu sein. Ich denke, ich habe jetzt meinen Lebensmittelpunkt gefunden, ich fühle mich so wohl in Berlin. Die Stadt lebt einfach.

teleschau: Wurden Sie nach "Das wilde Leben" mit Angeboten überhäuft?

Natalia Avelon: Es gab schon eine Menge Anfragen. Zuerst machte ich viele Shootings, Coverstorys und Interviews, dann folgten etliche Filmprojekte. Aber alles hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, ich habe es ja so gewollt, es ist mein Leben.

teleschau: Ist es ein anderes Leben als vorher?

Natalia Avelon: Ein krasser Einschnitt ist der Film auf jeden Fall gewesen. Beruflich hat sich alles geändert.

teleschau: Und privat?

Natalia Avelon: Gar nichts. Ich habe immer noch die gleichen Freunde, gehe in dieselben Cafés und bin hoffentlich genau die gleiche Person geblieben, die ich mal war. Auch wenn ich inzwischen eine öffentliche Person bin ...

teleschau: Wie definieren Sie das?

Natalia Avelon: Auf jeden Fall nicht mit dem Wort "Star". So sehe ich mich nicht. Es ist auch nicht so, dass ich ständig erkannt werde, sobald ich auf die Straße gehe. Was ich meine, ist, dass unglaublich viele Medienleute plötzlich Interesse daran haben, mit mir zu sprechen oder mich zu fotografieren. Aber, wie gesagt, ich genieße diese Prominenz. Und wenn mir mal etwas nicht passt, kann ich ja immer noch nein sagen - auch in meinem Beruf wird man zu nichts gezwungen (lacht).

teleschau: Aber reagiert Ihr Umfeld, reagieren die Menschen, denen Sie begegnen, nicht anders auf Sie, seit Sie als Uschi Obermaier halbnackt auf der Leinwand zu sehen waren, nebenbei im Duett mit Ville Valo mit "Summer Wine" einen Charthit landeten und auf dem Cover sämtlicher Hochglanzmagazine waren?

Natalia Avelon: Es kommt ganz darauf an, wie ich ausgehe. Wenn ich richtig privat unterwegs bin, dann laufe ich ja nicht mit der wilden Mähne und den roten Lippen von Uschi Obermaier herum, sondern dezenter geschminkt oder ungeschminkt, mit Jeans und T-Shirt. Dann erkennt mich niemand. Ich habe, wenn man so will, zwei Persönlichkeiten. Klar kommt es schon mal vor, dass mich am Flughafen ein paar junge Mädchen erkennen und ein Autogramm wollen - aber das sind meistens Fans von Ville Valo und seiner Band HIM (lacht). Ansonsten bleibt es höchstens bei verstohlenen Blicken oder schüchternen Nachfragen der Sorte: "Sind Sie das wirklich? Sie wirken in echt so klein und zierlich." Ich antworte dann immer lachend: "Ja, ja. Die Kamera macht größer und dicker!"

teleschau: Trauen sich die Männer noch an Sie heran?

Natalia Avelon: Na ja, es gibt nach wie vor immer wieder welche, die in der Disko angeschwippst auf mich zukommen und mich anbaggern. Wahrscheinlich eben deshalb, weil sie mich nicht erkennen. Ich bin, wie gesagt, kein Star (lacht).

teleschau: Was sagen Sie diesen Kandidaten?

Natalia Avelon: Jungs, passt auf, ich bin vergeben! (lacht) Und wenn mir jemand frech kommt und unangenehm wird, werde ich auch mal giftig. Aber das passiert wirklich sehr selten - auch weil ich gar nicht oft in Diskos gehe. Ich bin eher der Café-Typ und mag Ausstellungen, Museen und Kino, bin aber grundsätzlich offen für alles.

teleschau: Auch beruflich? Sie drehten in den vergangenen Monaten ja nicht nur den Berliner "Tatort" und den ZDF-Zweiteiler "Echo der Schuld", sondern standen in Kanada unter anderem auch neben Til Schweiger und Udo Kier in Uwe Bolls neuem Action-Reißer "Far Cry" vor der Kamera ...

Natalia Avelon: Vorweg: Ich habe noch nie so ein Ballerspiel wie "Far Cry" gespielt, da kenne ich mich null aus, damit habe ich nichts zu tun. Ich machte bei Uwes Film mit, weil mir die Rolle - eine aggressive Söldnerin, das absolute Gegenteil von Uschi Obermeier also - Spaß gemacht hat. Sicher keine oscarreife Geschichte, aber man muss ja auch sehen, wie man seine Brötchen verdient. Nicht dass Sie jetzt denken, ich hätte 'ne Million oder so bekommen, Aber ich kann heute meine Miete wunderbar zahlen. Ich habe keine Lust, nur Künstlerin und obdachlos zu sein. Ich bin Realistin.

teleschau: Und den rbb-Tatort "Tod einer Heuschrecke", der am Sonntag, 16. März, im Ersten läuft, machten Sie dann fürs künstlerische Gewissen?

Natalia Avelon: (lacht) Und wegen Berlin. Und wegen der wunderbaren Kollegen. Und weil ich eine Menge lernen konnte. Insgesamt sollte bei meiner Arbeit eben eine Mischung aus Anspruch, Spaß und einem gewissen Auskommen herauskommen, finde ich. Es passt zurzeit wirklich alles.

teleschau: In den USA wird "Das wilde Leben" demnächst in die Kinos kommen. Träumen Sie von Hollywood?

Natalia Avelon: Das sehe ich widersprüchlich - wie schon alleine die Stadt Los Angeles. Dieses anonyme Leben, nie zu Fuß, sondern nur im Auto, immer gut gelaunt "I'm fine" zu sagen, finde ich sehr langweilig. Andererseits ist das Wetter spitze, das Meer, diese Landschaft, alles ist wunderschön, und in der Luft liegt etwas ganz Besonderes. Man merkt an dem Flair, dass Hollywood da ist.

teleschau: Also ist es nun ein Traum oder nicht?

Natalia Avelon: Für eine Zeit lang - warum nicht! Ich schließe sowieso nichts aus und würde bestimmt nicht nein sagen, wenn Angebot und Rolle stimmen. Warten wir mal ab, was jetzt passiert, wenn der Film drüben läuft - oder was dann nicht passiert. Ich gehe nicht davon aus, dass mir Spielberg die Hauptrolle in seinem nächsten Film gibt (lacht).

teleschau: Bei der Berlinale trafen Sie jüngst ja auf einige Hollywood-Stars ...

Natalia Avelon: Ich moderierte Premieren und war wirklich ein bisschen aufgeregt, mit Leuten wie Scarlett Johansson und Natalie Portman zu sprechen. Aber irgendwann merkte ich: Moment, das sind einfach nur Kolleginnen. Die haben das gleiche Alter, die gleiche Größe ... Sie sind nur auf einem anderen Markt aktiv. Und sie entpuppten sich auch als völlig normal: ganz schüchtern, klein, zierlich. Ich glaube, das große Hollywood existiert nur in den Köpfen von uns als Leser und Zuschauer. Ansonsten ist dort nicht so vieles anders - abgesehen vom Geld.

teleschau: Halten Sie noch Kontakt mit Ville Valo und Uschi Obermaier?

Natalia Avelon: Klar! Mit Uschi smse, maile, skype und telefoniere ich sehr viel, und wir sehen uns oft - per Webcam. Ich bin ein großer Fan von Internet und moderner Kommunikation. Ich liebe es. Und mit Ville war ich neulich, als sie auf Tour hier waren, ein Bier trinken. Mit beiden bin ich befreundet.

teleschau: Wenn Sie "Summer Wine" im Radio hören ...

Natalia Avelon: Dann kriege ich Gänsehaut wie verrückt und denke an das ganze Projekt und an die Superzeit beim Dreh in Indien. Außerdem ist das Original einfach ein schöner Song.

teleschau: Und wie fühlt es sich an, wenn Sie sich selbst auf der Leinwand sehen?

Natalia Avelon: Ich schau mir meine Filme eigentlich immer nur einmal an, bei der Premiere, und dann ist das eher so eine technische, kritische Sichtweise. Man hinterfragt, wie man diese oder jene Szene hätte besser machen können. Alles andere würde doch zu einem ungesunden Narzissmus führen. Ich bin eher selbstkritisch.

teleschau: Wenn man sagt, Sie sind hübsch und sexy, dann ...

Natalia Avelon: ... ist das ein schönes Kompliment. Aber darum geht's nicht.

teleschau: Sie finden sich nicht sexy?

Natalia Avelon: Jedenfalls gehöre ich nicht zu meinen Bewunderern. Wenn Leute finden, dass ich eine sexy Figur habe, dann freut mich das natürlich, aber ich finde, es könnte hier und da ein wenig mehr sein. Ich überlege mir sogar, etwas mehr Sport zu machen, nicht um abzunehmen, sondern um Masse zu gewinnen. Wenn ich nur nicht so wahnsinnig faul wäre in dieser Hinsicht. Andererseits hat mich meine Oma über Weihnachten ganz gut angefüttert ... Ach, es ist wirklich nicht die Eitelkeit, die mich bei meinem Beruf antreibt.

teleschau: Sondern?

Natalia Avelon: Schwer zu sagen. Es ist einfach so, dass es nur diesen einen Beruf gibt, in dem ich mich mit meinem ganzen Wesen und Charakter ausleben kann. Meine Aufs und Abs im Leben, kann ich nur durch meinen Beruf ausgleichen, sonst würde ich irgendwann wahnsinnig werden. Er ist mein Ventil, vielleicht eine Flucht. Es ist mein Traumberuf. Und ich bin nun mal eine Träumerin.

teleschau: Wie richtet sich die Träumerin Ihre Wohnung ein?

Natalia Avelon: Im Moment sieht es noch sehr studentisch aus: Kartons und Matratzen. Aber ich habe ein riesiges, weiches Sofa, das ist schon mal ein Anfang. Meine Wohnung soll gemütlich, offen und positiv werden - so wie ich es bin. Sie soll Herzlichkeit und Wärme ausstrahlen.

Frank Rauscher


"Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit": Für Natalia Avelon wurde das Leben nach "Das wilde Leben" wirklich ein bisschen wilder.
"Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit": Für Natalia Avelon wurde das Leben nach "Das wilde Leben" wirklich ein bisschen wilder. (Warner)

"Es ist nicht so, dass ich ständig erkannt werde, sobald ich auf die Straße gehe", sagt Natalia Avelon. Aber seit dem Film "Das wilde Leben" (2007, auch auf DVD erhältlich) hat sich in ihrem Leben so manches geändert.
"Es ist nicht so, dass ich ständig erkannt werde, sobald ich auf die Straße gehe", sagt Natalia Avelon. Aber seit dem Film "Das wilde Leben" (2007, auch auf DVD erhältlich) hat sich in ihrem Leben so manches geändert. (Warner)

Im "Tatort: Tod einer Heuschrecke" spielt Natalia Avelon (vorne) ein Mädchen vom Escort-Service (mit Katrin Sass, Sonntag, 16.03., 20.15 Uhr im Ersten).
Im "Tatort: Tod einer Heuschrecke" spielt Natalia Avelon (vorne) ein Mädchen vom Escort-Service (mit Katrin Sass, Sonntag, 16.03., 20.15 Uhr im Ersten). (rbb / Hardy Spitz)

Datum: 01.03.2008

Diskussion: "Natalia Avelon"

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