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Im Tal von Elah

Im Tal von Elah

(tsch) Susan Sarandons Tränen sind nicht zu trocknen. Nun hat sie ihren zweiten Sohn verloren, weil sie, wie ihr Vater, die Soldatenlaufbahn einschlugen. Der mysteriöse Tod des Jüngeren ist ein Rätsel, aus dem man einen Krimi schneidern kann. Eine Aufgabe, der sich Oscar-Regisseur Paul Haggis gerne stellte, galt die wahre und erschütternde Geschichte doch als unverfilmbar. Nun kommt das Kriegsdrama "Im Tal von Elah" in die Kinos.

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Die 18 Monate Irak brachten Mike nicht um. Sein Vater Hank (das Leiden ist ihm ins Gesicht geschrieben: Tommy Lee Jones) macht sich auf die Suche nach Spuren. Er will wissen, weswegen sein Sohn im Straßengraben landete, dahingemetzelt. 40 Messerstiche. Mithilfe einer diskriminierten und unterforderten Polizistin (ohne Sex-Appeal: Charlize Theron) sammelt er Hinweis um Hinweis. Er hangelt sich entlang an den letzten Bestellungen im Fast-Food-Laden, die auf Mikes Kreditkarte belastet wurden. Sie drehen und wenden die Aussagen der Freunde, und vor allem sieht er sich immer wieder Ausschnitte an, die im eigentlich verbrannten Handy des Soldaten immer dann, wenn der Spannungsbogen lose zu baumeln beginnt, von einem Computerfreak wiederhergestellt werden können.

Solche dreisten Hilfsmittel nutzt ein Oscar-Regisseur? Der Regisseur, der mit seinen "L.A. Crash"-Episoden so viel zwischen den Zeilen erzählte, der so wundersam webte? Ja, diesmal strickt er nur eine dieser Storys, in der nichts so ist, wie es scheint. Natürlich lügt jeder, der etwas zu jener Nacht sagt. Doch darum geht es nicht wirklich. Haggis wollte seine unterschwellige Erzählweise perfektionieren. Dabei entpuppt er sich als ehrgeiziger Elegiker, der alles besser, noch eindringlicher machen wollte.

Doch Trauer lässt sich nicht durch stoische langsame Kamerafahrten und weit gestreutes, schmuckloses Grau verstärken. Der engagierte Kanadier schrieb nicht nur das Skript zu Clint Eastwoods "Million Dollar Baby", er hat auch Erfahrungen mit dem Krieg aus Eastwoods Sicht gesammelt und war an den Drehbüchern zu "Flags Of Our Fathers" und "Letters From Iwo Jima" beteiligt. Dieser Mord nun verleitet den Mann mit dem eigentlich klaren Blick zu einer Mission, um eine ganze Nation, ein hilfloses Amerika, vorzuführen.

Als Tommy Lee Jones losfährt, um die Umstände des Todes von Mike zu klären, sieht er die amerikanische Flagge kopfüber am Mast einer kleinen Botschaft hängen. Er steigt aus und richtet sie. Zum Schluss fährt er noch mal dorthin und bittet den Salvadorianer darum, sie doch wieder verkehrt herum zu hissen. Denn das bedeutet "Helft uns. Wir können nicht mehr!" Ein ganzes Land, eine kriegsführende Nation will Haggis vorführen. Er möchte anprangern, was Krieg mit den Menschen macht, zu welch grauenvollen Veränderungen er in der Psyche führt. Das ist richtig und ehrenwert, doch die Qualität dieses Dramas reicht nicht aus.

Denn seine filmischen Mittel sind bestenfalls Durchschnitt, seiner kaum würdig: jenes Flimmern und Rauschen dieser rekapitulierten Handyaufnahmen, die permanenten Wendungen, die doch nirgendwo hinführen und letztlich das totale Fehlen von Spannung. Tommy Lee Jones geistert durch die Szenerie, er und Theron spielen unberührt nebeneinander, die Ruhe ist aufgesetzt und kann deshalb auch keine Wirkung entfalten. Schmucklos und ohne Kraft will dem Kanadier hier nichts Großes gelingen.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Concorde, USA 2007, R: Paul Haggis, D: Charlize Theron, Tommy Lee Jones, Susan Sarandon u.a.

Laufzeit: 122 Min.

Kinostart:
06. März 2008


Die von Oscar-Preisträger Paul Haggis inszenierte Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.
Die von Oscar-Preisträger Paul Haggis inszenierte Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) schaut sich den Tatort genauestens an.
Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) schaut sich den Tatort genauestens an. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Joan Deerfield (Susan Sarandon) bekommt einen unangenehmen Anruf.
Joan Deerfield (Susan Sarandon) bekommt einen unangenehmen Anruf. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 07.03.2008

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