(tsch) Dieser Mann war schon zu Lebzeiten eine Legende: Ray Charles, Mythos, Erfinder und Sympathikus einer musikalischen Mode, die zum Genre wurde. Der Mann mit der Sonnenbrille führte - was für ein Frevel in den 50er-Jahren - Rhythm and Blues mit Gospel zusammen und erschuf damit einen Trend, der bis heute einzigartig bleibt. 2004 starb Charles im Alter von 73 Jahren in seinem Anwesen in Beverly Hills an einem Leberleiden. Wie eine Art Nachruf kam wenige Monate später Taylor Hackfords zweieinhalbstündige Filmbiografie über das musikalische Multitalent auf die Leinwände. vox zeigt das mitreißende Biopic "Ray" (2004), das Hauptdarsteller Jamie Foxx einen Oscar einbrachte, nun in einer Free-TV-Premiere.
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In monatelanger Kleinstarbeit fühlte sich der gebürtige Texaner in den Charakter seines Idols ein. Herauskam die wohl mit Abstand bewegendste Darstellung einer Musikikone: "Ray" wird durch das schauspielerische Talent Foxx' zum Abenteuer, in dem alle Höhen und Tiefen in Ray Charles' Leben erlebbar werden. Es kommt einem beinahe so vor, als stünde der große Mann des R'n'B und Soul selbst vor der Kamera. Es ist ein schauspielerischer Triumph, eine Ausnahmeleistung.
Ray Charles sorgte für ein schillerndes Leben mit Frauen, Glanz und Drogen. Doch Foxx ist es, der die Fehler des Idols verständlich macht. Ray Charles litt schon mit fünf Jahren an grünem Star und erblindete nach wenigen Monaten vollkommen. Seine Liebe zur Musik wird dadurch nur noch inniger. Er nimmt klassischen Klavierunterricht, doch in den Abendstunden treffen sich die Jugendlichen der Kleinstadt, um gemeinsam mit der Musik zu experimentieren. Als seine Mutter stirbt, muss und möchte Charles auf eigenen Beinen stehen. Er kämpft hart, um kein Musiker unter vielen zu sein. Doch erst langsam stellt sich Erfolg ein.
Anfang der 50er-Jahre muss er sich gegen kritische Kirchenvertreter wehren, die ihm vorwerfen, er würde mit seinem dreckigen Gesang und seiner flotten Musik den Gospel entweihen. Aber genau damit kommt er an - vor allem bei tanzwilligen, jungen Frauen, deren Avancen er nie abgeneigt war. Doch der Absturz schien vorprogrammiert, die Drogenhölle unausweichlich. Mitte der 60-er wird er wegen Heroin-Besitzes zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Trotzdem kann sich Charles fangen und steigt zur Entertainer- und Werbeikone auf.
Jan Treber
"Ray" schildert das außergewöhnliche Leben des amerikanischen Ausnahmemusikers Ray Charles mit all seinen Hochs und Tiefs: Angefangen bei seiner Erblindung als Kind bis hin zu seiner unvergleichlichen Karriere. (vox / Universal)
Die Schattenseiten des Ruhms: Ray Charles (Jamie Foxx) wird wegen Drogenbesitzes verhaftet. (vox / Universal)
Ray (Jamie Foxx, Mitte) wird vom Staat Georgia geehrt, indem sein Song "Georgia on My Mind" zur offiziellen Staatshymne erklärt wird. (vox / Universal)
Datum: 04.03.2008
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