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Ryan Gosling
Die Geister der VergangenheitSchauspieler Ryan Gosling (tsch) Schüchtern, in sich gekehrt, den Blick stets nach unten gesenkt - so schlurft Lars durchs Leben. Mit der etwas zu großen Mütze, den Moonboots und der dicken Daunenjacke erinnert er ein wenig an eine der Comicfiguren aus "South Park" oder an ein Michelin-Männchen, aus dem die Luft herausgelassen wurde. Kurzum: In der Rolle des Lars Lindstrom sieht Ryan Gosling aus wie ein Nerd. Genau das Richtige für den 27-Jährigen, der ein Händchen hat für schwierige Charaktere. Für jene Figuren, die aus der Gesellschaft herausgefallen sind und manchmal auch nicht mehr dorthin zurückfinden. Wie seine Rollen ist auch Ryan Gosling selbst irgendwie besonders: sein charismatisches und zugleich zurückhaltendes Auftreten, seine Karriere, die bereits im Alter von sieben Jahren begann. "Viele Kinder fühlen sich dazu gezwungen, ein Kinderstar zu sein. Ich aber wollte schon als Kind schauspielern, weil ich erwachsen sein wollte. Ich hasste es, Kind zu sein", sagt der Kanadier, dessen Gesichtszüge ein wenig an David Arquette erinnern. Und alles begann mit einem obszönen Tanz ... Anzeige
Glaubt man Ryan Goslings Geschichte, so nahm er im Alter von sieben Jahren an einer Talentshow teil, um damit ein Mädchen zu beeindrucken. "Ich hatte keine Choreografie und keine Ahnung, also bewegte ich mich einfach so, wie es mir gerade einfiel." Die Szene, die der Schauspieler schildert, erinnert an das Ende der Independent-Komödie "Little Miss Sunshine": "Ich griff mir in den Schritt, ich lutschte an meinen Fingern, ich ging ins Publikum runter zu älteren Frauen und versuchte, ihre Gesichter zu reiben. Also, ich war sieben Jahre alt. Klar?" Die Eltern waren bestürzt, das Publikum war begeistert. "Ich wurde dafür ziemlich oft verprügelt, aber es lohnte sich, denn ich wusste, dass das mein Ticket nach draußen war", erinnert sich Ryan Gosling, der in seiner Heimatstadt in Ontario als der "Junge mit dem dreckigen Move" bekannt wurde. Er tanzte bei Hochzeiten, bei Feiern. Mit 13 Jahren nahm Gosling an einem Vorsprechen für den "Mickey Mouse Club" teil. Unter der Voraussetzung, dass er unter keinen Umständen jemals in der Sendung den "Move" machen dürfe, wurde er genommen, neben Justin Timberlake, Christina Aguilera und Britney Spears. Doch es gibt auch eine düstere, alles andere als lustige Seite in Ryan Goslings Vergangenheit - eine, die erklären kann, warum der smarte Mann fast immer Personen spielt, die am Rande der Gesellschaft stehen: Soziopathen, Mörder, Verrückte, Außenseiter. In "Lars und die Frauen" (Starttermin: 13.03.) spielt er einen zurückgezogenen, außerordentlich schüchternen, kontaktscheuen Mann, der nicht so recht in seine Umwelt - so liebevoll sie auch mit dem Sonderling umgeht - hineinzupassen scheint. Eine Gefühlswelt, die Gosling - er war für einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller nominiert - aus seiner eigenen Vergangenheit kennt. "Als Jugendlicher war ich sehr verloren", erinnert sich der 27-Jährige. Ryan Gosling war nicht sportlich, er konnte weder lesen noch schreiben. Von den Klassenkameraden wurde er gehänselt und verprügelt. "Ich war ein richtiges Gör und hatte ständig Ärger. Ich kam in eine Sonderschulklasse. Meine Lehrer hielten mich für dumm, ich mich deswegen auch." Als Ryan eines Tages blutig von der Schule nach Hause kam, kündigte seine Mutter - die Eltern leben geschieden - ihren Job und unterrichtete Ryan selbst. Ein Jahr lang blieb er zu Hause und schöpfte neues Selbstbewusstsein. Doch in der Highschool fingen die Probleme wieder von vorne an. Mit 17 packte Ryan schließlich seine Sachen und fuhr nach Los Angeles, "in der Hoffnung, dass das vielleicht der richtige Platz für mich ist". Das war es in der Tat. Obwohl er keine Schauspielausbildung und kaum Erfahrung vorzuweisen hatte, fand Ryan Gosling einen kanadischen Agenten, der ihm kurze Zeit später gleich das erste Engagement verschaffte. Er spielte in eher mäßig anspruchsvollen Serien wie "Breaker High" und "Young Hercules" - zusammen mit dem "Mickey Mouse Club" nicht gerade die erfolgversprechendsten Referenzen. Doch schon bald kam die erste Kinohauptrolle. Regisseur Henry Bean wollte unbedingt Ryan Gosling für die Hauptrolle in seinem Drama "The Believer" (2000) haben. Gosling spielte einen jüdischen Jungen, der sich gegen seine Religion wendet und zum Neonazi wird. Der Film wurde von der Kritik hoch gelobt, von den großen Kinos allerdings verschmäht. Es folgten größere, gewinnbringendere Hollywoodproduktionen wie "Mord nach Plan" (2002), in der Gosling an der Seite von Sandra Bullock, mit der er zwei Jahre liiert war, einen jugendlichen Mörder spielte. In dem mit Naomi Watts, Ewan McGregor und Bob Hoskins prominent besetzten Thriller "Stay" (2005) versetzte sich Gosling in die Rolle eines selbstzerstörerischen, suizidgefährdeten Jugendlichen. Zuletzt sah man ihn als selbstgefälligen, karrieregeilen Yuppie in dem Gerichtsdrama "Das perfekte Verbrechen" (2007, mit Anthony Hopkins). Ungewohnt romantisch und lebensfroh erlebte man Gosling 2004 in dem romantischen Melodram "Wie ein einziger Tag". Die Leidenschaft zur Filmpartnerin Rachel McAdams entfachte sich auch hinter der Kamera. Die beiden waren fast vier Jahre lang ein Paar. Ryan bezeichnet sie als "eine der ganz großen Lieben seines Lebens". Doch Ryan Gosling wechselt nicht etwa ins Fach des Softies zum Liebhaben, auch wenn er den in "Lars und die Frauen" ein weiteres Mal glaubhaft verkörpert. In dem Drama "Half Nelson" (Starttermin: 27.03.) etwa liefert er eine äußerst überzeugende Darstellung eines drogenabhängigen Highschool-Lehrers, der sich auf eine Schülerin einlässt. Dafür war Gosling im Februar für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Schubladen scheinen einfach nicht für diesen Mann gemacht. "Kaufhäuser veranstalten doch manchmal Aktionen, bei denen Du zehn Minuten Zeit bekommst und Dir in dieser Zeit alles nehmen darfst, was Du möchtest. Im Wesentlichen ist das genau, was ich tue. Ich renne rein und versuche, mir eben so viele Charaktere wie möglich abzugreifen, bevor mir der Hahn zugedreht wird." Und so ist die nächste Figur, die Gosling verkörpert wieder eine völlig andere, auch wenn sich eine Eigenschaft wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht: das Problemhafte. Nina Hortig |
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