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Befreiungsschlag im Tonstudio(tsch) Mit "Lautlos" hat der aus München stammende Regisseur Mennan Yapo 2004 für Furore gesorgt. Sein Langfilmdebüt war ein echter Thriller, spannend, stilsicher, virtuos inszeniert. So etwas hatte man von einem deutschen Filmemacher nicht erwartet. Doch während man sich hierzulande noch verwundert die Augen rieb, wurde Yapo (42) von Hollywood engagiert. Sein zweiter Film hieß "Die Vorahnung" (2007) und bescherte Hauptdarstellerin Sandra Bullock das erfolgreichste Startwochenende ihrer Karriere. Nun erscheint der Mystery-Thriller auf DVD, was dem Regisseur Gelegenheit gibt, sich an die Dreharbeiten zu erinnern und eine Lanze dafür zu brechen, DVDs mit gutem Zusatzmaterial auszustatten. teleschau: Herr Yapo, hat Hollywood eigentlich sofort nach Ihrem Thriller "Lautlos" angerufen, um Sie zu engagieren? Mennan Yapo: Die ganze Sache begann eigentlich schon vor "Lautlos". Mein Kurzfilm "Framed" (2000) lief in den USA auf einem Festival und erregte Aufmerksamkeit. Da gab's dann einen Agenten, der mit mir in Kontakt blieb und meinen ersten Langspielfilm sehen wollte. Ich glaubte zwar nicht wirklich daran, irgendwann in Hollywood zu arbeiten. Aber der Mann blieb an mir dran, ihm gefiel "Lautlos", und er sagte mir, dass er für mich arbeiten würde, damit ich meine Chance in Hollywood bekäme. Das war schon sehr abgefahren. teleschau: Wie ging es dann weiter? Yapo: Ich bekam eine Menge Auftragskiller-Bücher. So etwas wollte ich aber auf keinen Fall machen. Nein, ich wollte unbedingt darauf achten, dass der Stoff nicht nur außergewöhnlich ist, sondern auch zu mir passt. Es dauerte nach dem Kinostart von "Lautlos" noch mehr als ein Jahr, bis ich "Die Vorahnung" angeboten bekam. teleschau: Stand es eigentlich sofort fest, dass Sandra Bullock die Hauptrolle spielen würde? Yapo: Das war angedacht, aber noch nicht sicher. Mir hat der Gedanke aber gut gefallen, ich konnte mir Sandra in der Rolle sehr gut vorstellen. Auch sie war vom Buch angetan. Und da wir uns beim ersten Treffen gut verstanden, sagten wir: "Okay, lass' es uns versuchen." teleschau: Wir war eigentlich das Arbeiten mit einem Superstar? Yapo: Sandy hat viel Energie, die sie komplett in den Dreh steckte. Ich spürte die Lust, die sie mitbrachte. Sie genoss es, etwas Anderes, etwas Außergewöhnliches zu machen. Das war eine tolle Zusammenarbeit, zumal sie mir sehr geholfen hat. teleschau: Es gab auch keine Schwierigkeiten mit dem Drehplan? Schließlich ist der Film voll von Zeitsprüngen und Realitätswechseln ... Yapo: Normalerweise organisiert man einen Drehplan nach Locations. Das heißt, alle Badezimmerszenen werden hintereinander weggedreht. Sandy hätte sich vier oder fünf Mal pro Tag umziehen müssen und in komplett andere Gefühlszustände springen müssen. Das wäre hier aber fatal gewesen, das wäre Wahnsinn. Deswegen wollte ich unbedingt in einem richtigen Haus drehen, das komplett bespielbar ist, und in dem man die Räume unkompliziert wechseln und in Chronologie drehen kann. Also: aufwachen, ins Bad gehen, in die Küche gehen. Schön hintereinander weg, und die Lichtanschlüsse sind dann auch perfekt. teleschau: Was hat Sie eigentlich an der Story fasziniert? Yapo: Ich kannte das Gefühl, das man durch den Tag schlafwandelt und nicht weiß, was echt ist und was nicht. Es gab eine Zeit, in der ich sehr intensiv träumte und nicht genau wusste, was real war. Dann rief ich zum Beispiel Menschen nicht an, weil ich dachte, wir wären zerstritten. Dabei war das nur im Traum so. Es dauerte manchmal einen halben Tag, bis ich in der Wirklichkeit angekommen war. Und dieses Gefühl hat die Hauptfigur ja auch. Dazu kam, dass ich vor etwa zehn Jahren eine ähnliche Idee hatte. Ich wollte einen Film machen, der über eine Woche geht, bei dem aber die Tage durcheinander sind. Ich hatte zwar keinen Plot, fand aber die Form interessant. teleschau: Wie unterscheidet sich das Arbeiten in den USA vom Arbeiten hier? Gibt es Zwänge, weil mehr Geld im Spiel ist? Yapo: Für US-Verhältnisse hatten wir kein großes Budget. 20 Millionen Dollar sind dort nicht viel. teleschau: Aber im Vergleich zu "Lautlos" ... Yapo: ... das Siebenfache. Aber das sind nur Zahlen, die sich nicht unbedingt im Set widerspiegeln. Zum Teil stand ich mit meinem Kameramann am Set, wir schauten uns an und sagten: "Das ist auch nicht größer als bei 'Lautlos'." Dort drüben gibt es einfach viele Bestimmungen und gewerkschaftliche Regeln, die viel Geld kosten, das nicht direkt ins Bild fließt. teleschau: Trotz der vielen Kosten war "Die Vorahnung" finanziell erfolgreich. Heißt das, dass Sie in Hollywood weitermachen können? Yapo: Ich arbeite gerade an einem Film für Universal. "The Ambassador" ("Der Botschafter") spielt in Berlin, und ich hoffe, dass wir ihn auch hier drehen. Dazu gibt es noch zwei, drei weitere Sachen, die aber noch nicht spruchreif sind. Ich kann mich also nicht beklagen. Gleichzeitig schiebe ich ein deutsches Projekt an, wieder mit Lars-Olav Beier, dem Autor von "Lautlos" - ein toller, emotionaler Film über Rache. teleschau: Jetzt gibt's die DVD von ihrem Hollywooddebüt: Haben Sie die Scheibe schon gesehen? Yapo: Das Artwork kenne ich noch nicht. Aber ich weiß natürlich, was drauf ist, weil ich daran mitgearbeitet habe und mich zum Beispiel dafür einsetzte, den Originalkommentar von Sandy und mir auch für die deutsche DVD zu bekommen. Das war mir sehr wichtig, weil er doch recht witzig geworden ist. Das original Making Of gefällt mir auch sehr gut. Allerdings weiß ich gar nicht, ob das Featurette über das Phänomen "Vorahnung" mit drauf ist ... teleschau: Nein, aber dafür gibt es den Beitrag "Ordnung ins Chaos gebracht". Yapo: Der ist auch sehr schön. Es geht darum, ob Logik und Anschlüsse stimmen, wenn man den Film in chronologischer Reihenfolge erzählen würde. teleschau: Also sind Sie zufrieden? Yapo: Ja, sehr. Es ist natürlich nicht so, wie bei "Lautlos", der als Doppel-DVD erschien und mehr als zwei Stunden Bonusmaterial enthielt. Aber das war hier gar nicht möglich. Die Making Of-Crew kam zum Beispiel nur ein paar Tage ans Set. Wie gesagt, das Budget war für US-Verhältnisse recht klein. Da gibt es dann eben keine Video-Tagebücher. Bei "Lautlos" hatten wir das Material, weil ein Freund von mir jeden Tag am Set war und einfach alles drehte. teleschau: Wie wichtig ist Ihnen die Zusatzausstattung auf einer DVD? Yapo: Ich finde es sehr wichtig. Das macht den Spaß aus. Du hast dann eben nicht nur den Film, sondern siehst auch, wie er gemacht wurde und was sich die Leute dabei gedacht haben. Leider wird das in Amerika nicht ganz so ernst genommen wie in Europa. In Hollywood gibt es richtig gutes Bonusmaterial oft nur bei den ganz großen Produktionen. teleschau: Und dann werden die Extras aber oft arg PR-lastig ... Yapo: Stimmt. Und sie sind dann auch zu technisch. Was ich sehr schade finde. Mich interessiert eher, was an den einzelnen Tagen mit den Leuten los war. Zu "Magnolia" gibt es ein gutes Making Of. P.T. Anderson (Regisseur, Anm. d. Red.) hat ein tolles Videotagebuch gemacht, das den Spirit bei den Dreharbeiten gut wiedergibt. Ich werde versuchen, bei meinem nächsten Film diesbezüglich wesentlich früher die Weichen zu stellen. Am liebsten wäre mir ein Mann, der jeden Tag alles aufnimmt, sodass es am Ende einfach mehr Material gibt, mit dem es sich arbeiten lässt. Man kann ja eine abgespeckte Version veröffentlichen, aber den Fans sollte schon etwas mehr angeboten werden. Ich liebe das. teleschau: Sie haben für "Die Vorahnung" zwei Audiokommentare eingesprochen. War es schwierig, sich in verschiedenen Aspekte des Films reinzudenken? Yapo: Gar nicht. Mit Sandy habe ich die Dreharbeiten Revue passieren lassen. Da ging es darum, was an den einzelnen Tagen passiert, es gab Anekdötchen hier und da. Mit Torsten (Lippstock, Kamera, Anm. d.Red.) wurde es dann etwas technischer. Aber zwischen beiden Aufnahmen lagen ein paar Monate. Wir setzten uns hin, der Film fing an, und wir quatschten munter drauf los - bis zur letzten Sekunde des Abspanns. So ein Kommentar ist für mich wie ein Befreiungsschlag: Ich bin wirklich durch. Alles ist erledigt. Der Film ist fertig. Andreas Fischer |
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